SACRIVERSUM
Titel: BEFORE THE BIRTH OF LIGHT
Label: Fireflash Records
Spieldauer: 44:40 Minuten
VÖ: 08. Mai 2026
Aus Polen kommen SACRIVERSUM, die OSDM-Band gründete sich 1992 in Łódź (Polen). Ihren Old-School-Death-Metal zocken sie mit progressiven Vibes und versehen diesen Mix mit atmosphärischen Klängen – das machte damals ihre komplexe Mischung einzigartig. Ihren Erstling “The Shadow Of The Golden Fire” ließen sie 1994 von der Kette, gerade zu einer Zeit, als viele Death-Metal-Bands begannen, ihre Grenzen auszuloten und experimenteller zu Werke zu gehen. Am 08. Mai 2026 sind Remigiusz “Remo” Mielczarek (Bass, Gesang), Krystian “MacKozer” Kozerawski (Gitarre), Olaf “Olafsson” Kozerawski (Gitarre), Krzysztof “Baran” Baranowicz (Keyboards) und Jan “Trocin” Traciński (Schlagzeug) zurück als SACRIVERSUM – und das mit dem neuen Album “Before The Birth Of Light”.
“Wenn man jung ist, hat man das Gefühl, dass alles möglich ist. Ich erinnere mich an diese Jahre als eine Zeit voller außergewöhnlicher Begeisterung. Wir waren alle Studenten, hatten viel Kraft und Energie und konnten viel Zeit in die Band investieren. Wir haben schon immer die melodischen und progressiven Elemente des Death Metal geschätzt. Von Anfang an bestand SACRIVERSUM aus Menschen, die sehr offen für verschiedene Musikrichtungen waren. Unser Keyboarder Baran zum Beispiel, der auch heute noch in der Band ist, schätzte klassische Rock-Inspirationen immer am meisten. Der Hammondorgel-Sound von Krzysztof „Baran“ Baranowicz verlieh dem Sound von SACRIVERSUM ein gewisses Alleinstellungsmerkmal. In seinem Spiel spürt man den alten DEEP PURPLE-Spirit, der sich perfekt in den Death-Metal-Kosmos der Band einfügt. Uns war bewusst, dass der Einsatz von Keyboards im Death Metal nicht typisch ist, aber mit einem so hervorragenden Keyboarder wie Baran in der Band wäre es schade gewesen, sein Potenzial zu verschwenden.”
Bevor man ab dem Jahr 2005 getrennte Wege ging, veröffentlichte man vier weitere Studioalben, darunter “Soteria” (1998) und “Beckettia” (2000), die bei Serenades Records erschienen und sehr guten Anklang in der Szene fanden. Mit neuen Mitgliedern schlugen SACRIVERSUM dann eine stärker doomige/gothiclastige Richtung ein, die oft mit der niederländischen Band ORPHANAGE oder den frühen Werken von TIAMAT, OPETH und PARADISE LOST verglichen wurde. Seit 2022 sind die Osteuropäer zurück und wollen dort weitermachen, wo sie mit ihrem Debütalbum aufgehört haben – mit jenem Old-School-Death-Metal und der von ihnen kreierten Atmosphäre. Gitarrist MacKozer ist die treibende Kraft hinter der Wiederbelebung von SACRIVERSUM nach ihrer Schaffenspause: Er überzeugte Remo, die Band im Zuge eines Re-Release-Angebots für das Debütalbum wieder aufleben zu lassen. Sein prägnanter Stil war bereits auf den letzten Veröffentlichungen vor der Auflösung hörbar – und prägt heute maßgeblich die musikalische Ausrichtung und Identität der Band.
“Es ist, als hätten wir die gesamte “mittlere Phase” aus unserer Geschichte entfernt, und unser neues Album “Before The Birth Of Light” wurde direkt nach “The Shadow…” als zweites veröffentlicht. Jetzt sind wir reife, sogar ältere Herren, Baran ist zur Band zurückgekehrt, sodass wir dort weitermachen können, wo wir 1994 aufgehört haben. Diese neun neuen Tracks sind möglicherweise die besten Songs, die SACRIVERSUM je komponiert hat – wenn man sich einmal darauf eingelassen hat, lassen sie einen nicht mehr los. Es ist eine dunkle Reise in eine andere Dimension, eine andere Zeit und einen anderen Raum. Man wird in ihre eigene Welt hineingezogen, in eine Zeit vor der Geburt des Lichts. Wir haben verschiedene Geschichten der Wikinger, die im Mittelalter unaufhaltsam über Europa hinwegfegten, mit einer metaphorischen Bedeutung versehen. Ihre Geschichte diente uns als Hintergrund, um das darzustellen, was wir heute selbst empfinden.”
Obwohl der Kern von SACRIVERSUM inzwischen in den Fünfzigern angekommen ist, sorgt Schlagzeuger Janek Tracinski (u. a. DRAGON), seit 2002 dabei, für frischen Wind und spürbaren Energieschub – ein Faktor, der sich auch im neuen Material bemerkbar macht. Visuell wird das Ganze vom starken Artwork von Maciek (Deathscape Design, ex-SIRRAH) getragen, der die musikalische Ausrichtung gekonnt in Bilder übersetzt.
Mit “Before The Birth Of Light”, das am 8. Mai über FIREFLASH RECORDS erscheint, schlägt die Band nun das nächste Kapitel auf – begleitet von einer Polen-Tour und der klaren Ambition, auch international wieder Fuß zu fassen. Grund genug, einen genaueren Blick auf das Album zu werfen. Fans von DEATH, BLOOD INCANTATION, PESTILENCE, ATHEIST, NOCTURNUS und ORPHANAGE dürften laut Promo-Sheet hier ohnehin hellhörig werden.
Mit dem atmosphärischen ‘Intro – From The Sea Side’ eröffnen SACRIVERSUM ihre Platte – das erklingende Kriegshorn gibt die Marschrichtung vor: volle Lotte OSDM in die Fresse. Das Schlagzeugspiel in ‘We’re Storming Through The Night’ wirkt wie War Drums aus dem Inneren eines Drachenschiffs und kündigt den Angriff der Wikinger an, während die fetten Gitarren wie Äxte einschlagen und die Hammondorgel dem Ganzen eine besondere Note verleiht – ein verdammt starkes Hörerlebnis der polnischen Extreme-Metaller. Der Name des nächsten Titels verrät die Gangart von ‘Let Us Ride The World’ bereits ziemlich deutlich: eine knackige Schlachthymne mit Wucht und einer ordentlichen Portion Boshaftigkeit. Episch gehen SACRIVERSUM in ‘Golden Lights Of Valhalla’ voran, das Klavier macht die Atmosphäre allerdings etwas kaputt und wirkt unrund – die hellen Töne passen nicht ganz zur harten Gangart des Songs. Dafür entschädigen die räudig-rotzigen und aggressiven Vocals ein Stück weit. In ‘March Of The Giants’ marschieren Gitarren, Bass und Schlagzeug nach vorne, das lange Intro bockt und zeigt, was die Herren an den Instrumenten draufhaben. Der Titelsong geht mir besonders im Refrain unter die Haut – der düstere Gesang und das Klangbild sind top, ebenso die Bassperformance und die melodischen Einlagen. ‘Before The Birth Of Light’ ist ein würdiger Titeltrack, der nochmals eine Schippe Intensität und Direktheit drauflegt. Martialische Klänge hält das Quintett in ‘We Die, We Fly’ für den Hörer bereit, erneut klasse von der Orgel pointiert. In ‘Chaotic Realm Of The Sea’ sind plötzlich modernere Ansätze zu hören, ein bisschen Melodic Death ist auf alle Fälle drin, denn die Nummer knallt nicht ganz so roh in den Ohren wie die vorherigen Songs – dass der Song trotzdem bockt, zeugt vom Können der Band. Im großen Finale ist ‘Chief Of The Fearless’ am Start und groovt sich in den Synapsen fest – ein starkes Abschlusslied für eine verdammt gute Platte.
SACRIVERSUM liefern mit “Before The Birth Of Light” ein verdammt starkes Comeback-Album ab, das genau dort ansetzt, wo die Band einst aufgehört hat: Old-School-Death-Metal mit Atmosphäre, Ecken und Kanten und eigenem Charakter. Besonders die rohe Wucht, die dichten Klangbilder, das prägnante Gitarrenspiel und die immer wieder eingestreuten Orgel- und Melodieelemente sind Highlights und geben der Platte eine eigene Note, die sich vom Standard abhebt. Ganz ohne kleine Schwächen kommt das Album allerdings nicht aus: Einzelne Experimente – wie etwa die etwas unpassenden, hellen Klavierpassagen – wirken stellenweise leicht deplatziert und nehmen kurzzeitig etwas Druck raus. Auch die moderneren Momente brechen hin und wieder minimal den ansonsten konsequenten Old-School-Fluss. Trotzdem steht am Ende ein rundum überzeugendes Album, das sowohl Fans der alten Schule als auch offenere Hörer abholen dürfte. Eine starke Rückkehr mit viel Atmosphäre, Wucht und eigenständigem Sound – bitte mehr davon.
Tobi Stahl vergibt 8 von 10 Punkten


