RAVAGED BY THE YETI – SNOWBOUND HORROR

RAVAGED BY THE YETI

Titel: SNOWBOUND HORROR

Label: Testimony Records

Spieldauer: 34:46 Minuten

VÖ: 10. Juli 2026

Wie geil ist denn bitte der Bandname RAVAGED BY THE YETI? Zunächst dachte ich an eine brandneue Band, die “Yeti Death Metal” macht – mit jeder Menge Gore und Blutvergießen – und lag damit auch direkt goldrichtig. Im Promotext heißt es:

“Vorsicht! Die frostbeißende Bestie in Weiß ist zurück und bereit, Köpfe abzureißen. Wenn der “Snowbound Horror” aus den eisigen Einöden schneegepeitschter Berggipfel herabsteigt, gibt es kein Entkommen.” – Wenn das nicht vielversprechend klingt, weiß ich auch nicht.

Gegründet wurde RAVAGED BY THE YETI 2020 vom umtriebigen Rogga Johansson, der erst kürzlich mit EYE OF PURGATORY und “Darkborne” auf meinem Tisch landete und mir zudem für ein Interview Rede und Antwort stand. Gemeinsam mit Jonny Pettersson, Jon Skäre und Michael “Mike” Borders entstand damals das Debüt “Apex Predator”, das 2023 mit satten 24 (!!!) Songs auf die Death-Metal-Gemeinde losgelassen wurde. Danach zerfiel die ursprüngliche Besetzung allerdings, sodass viele das Kapitel RAVAGED BY THE YETI bereits für beendet hielten. Zum Glück kam es anders. Statt die eisige Bestie endgültig zu Grabe zu tragen, stellte Johansson eine neue Mannschaft auf die Beine. Dabei geht es weniger um irgendwelche großen Namen als vielmehr um Freundschaften, die über Jahre und teilweise Jahrzehnte im Death-Metal-Untergrund gewachsen sind. Mit Michael “Mike” Borders blieb ein Weggefährte an Bord, während mit Jon Rudin ein weiterer langjähriger Mitstreiter dazustieß. Aus einer Band wurde damit gewissermaßen ein Treffen alter Freunde, die vor allem eines verbindet: ihre Liebe zum klassischen Death Metal. Ob “Snowbound Horror” die Erwartungen erfüllen kann, schauen wir uns jetzt genauer an. Die Versprechen fallen jedenfalls groß aus. RAVAGED BY THE YETI kündigen fette Riffs, unheilvolle Grooves, reichlich Härte und jede Menge Old-School-Death-Metal an. Laut Band wurde seit dem Debüt an allen Stellschrauben gearbeitet, um den Sound noch schlagkräftiger zu gestalten. Ob die Schneemonster damit tatsächlich den angekündigten Tritt in die Fresse verteilen oder doch eher mit zermalmendem Beißwerkzeug und Eingeweidetiefschlägen arbeiten, finden wir jetzt heraus.

Mit ‘Vengeance In Fur’ eröffnet “Snowbound Horror” dampfwalzig. Rogga Johanssons Growls vibrieren – entsprechende Lautstärke vorausgesetzt – tief in den Eingeweiden. So oder zumindest so ähnlich könnte ein ausgewachsenes Eismonster tatsächlich klingen. Melodische Vibes unterspülen ‘Human Spoil’ ein bisschen, das nimmt dem Song jedoch kein Stück von seinem bösen Klang. Heftige Bass-Einschläge aus den Tiefen der Boxen bestimmen das Geschehen, während die Gitarren genüsslich am Hörer herumhäckseln. Genau das tun sie auch im angriffslustigen ‘By The Hands Of The Beast’ sowie im brachial einschlagenden ‘As Fangs Go Deep’. Hier lässt Rogga Johansson nicht nur seine Stimme gnadenlos arbeiten, sondern auch die Gitarre ordentlich auf die Hörerschaft los. Biestig und angriffslustig präsentiert sich auch ‘Beast Prey’. Dazu gesellen sich deutliche Death-’n’-Roll-Vibes, die der Nummer zusätzlich einen schön räudigen Groove verpassen. ‘Frozen Stiff’ und ‘They Came Through The Cold’ geben sich als Nackenbrecher und Pit-Hymnen vor dem Herrn. Ob man nun durch einen Stoßzahn in ‘Tusk Of The Yeti’ oder einen Eiszapfen in ‘Death By Icicle’ ins Jenseits befördert wird, ist letztlich zweitrangig. Bewegung ist bei beiden Nummern allerdings Pflicht, sonst setzt schneller Gefrierbrand ein als einem lieb sein kann. Den Icecrusher ‘Snowbound Horror’ gilt es zu genießen. Wie eine nimmersatte Raupe fressen sich der dreckige Groove und die derben Growls ins Gehirn. ‘Land Of Ice And Snow’ ist leider schon der finale Yeti-Banger. Die Schneebestie verteilt zum Abschluss noch einmal ordentlich Fausthiebe in die Fresse und Eingeweidetiefschläge in die Bauchregion, bevor sie sich zurück in die eisigen Berge verabschiedet.

Der Rogga kann es halt. “Snowbound Horror” macht über die komplette Spielzeit verdammt viel Bock und gehört für mich zu den stärkeren Veröffentlichungen, an denen er in den letzten Jahren beteiligt war. Klar, das musikalische Konzept erfindet das Rad nicht neu und wer Roggas Schaffen verfolgt, wird hier einige vertraute Zutaten wiederfinden. Wenn die Songs allerdings derart brachial reinhauen und so viel Druck entwickeln, fällt das kaum ins Gewicht. Mein Nacken hat jedenfalls zuverlässig seine Runden gedreht und ich bin verdammt froh, über diesen blutigen Yeti gestolpert zu sein. Old-School-Death-Metal, der brutal reinbrettert, zuverlässig Eingeweidetiefschläge verteilt und über die gesamte Spielzeit Laune macht.

Tobi Stahl vergibt 8 von 10 Punkten