RAUHBEIN – REBELLEN & HELDEN

RAUHBEIN

Titel: REBELLEN & HELDEN

Label: Perception (RPM)

Spieldauer: 32:00 Minuten

VÖ: 03. Juli 2026

Als Ende 2024 mit “Adrenalin” das dritte Studioalbum von RAUHBEIN erschien, zeigte die Band eindrucksvoll, warum sie sich innerhalb weniger Jahre eine immer größere Fangemeinde erspielen konnte. Die Mischung aus druckvollem Deutschrock, irischen Folk-Einflüssen, eingängigen Refrains und Texten mitten aus dem Leben funktionierte sowohl auf Platte als auch auf der Bühne hervorragend. In meiner damaligen Review attestierte ich der Truppe ein schnelleres, dynamischeres und noch druckvolleres Album als den beiden Vorgängern. Entsprechend gespannt war ich, als nun mit “Rebellen & Helden” der Nachfolger auf meinem Schreibtisch landete. Am 3. Juli 2026 erscheint das neue Werk über PERCEPTION – POWERED BY REIGNING PHOENIX MUSIC und soll laut Band genau das vereinen, wofür RAUHBEIN inzwischen stehen: Energie, Zusammenhalt, echte Emotionen und Songs, die förmlich danach schreien, live vor einem feiernden Publikum gespielt zu werden. Im Mittelpunkt steht dabei eine Haltung, die Frontmann Henry besonders am Herzen liegt: „Wir müssen zusammenhalten und uns gegenseitig unterstützen.“ Für ihn sind Rebellen und Helden keine Gegensätze, sondern zwei Seiten derselben Medaille. Lyrisch hat “Rebellen & Helden” persönliche Geschichten zu bieten und natürlich auch den Blick über den Tellerrand auf die Welt da draußen. Dabei lässt sich Henry neben seinen eigenen Geschichten auch von den Menschen und Ereignissen um ihn herum inspirieren. RAUHBEIN möchten mit ihren Liedern Räume schaffen, in denen sich die Hörer mit ihren eigenen Erinnerungen, Sorgen, Glücksmomenten und Erfahrungen wiederfinden können. „Ich hoffe, die Leute fühlen durch die Bank weg alles, was es zu fühlen gibt – und können an ihren Gefühlen Freude haben oder an ihnen wachsen“, beschreibt der Sänger die Idee hinter dem Album. 

Die Geschichte hinter ‘Rausch’ können vermutlich viele fühlen, denn wer hatte noch keinen Rausch – ganz egal ob durch Liebe, Glück, Freundschaft oder einfach einen dieser Momente, in denen das Leben verdammt gut läuft? Genau davon handelt der Opener. RAUHBEIN besingen hier den – meiner Ansicht nach – positiven Rausch des Lebens. Apropos Rausch: Den gibt es natürlich auch das ein oder andere Mal in der Kneipe. Dafür servieren uns Henry und Co. die mit Folk-Vibes garnierte Nummer ‘Meine Bar’, die nicht nur mitsingbar, sondern auch tanzbar und fühlbar ist. Lässig, frech und rotzig kommt ‘Mein Kaff’ angeranzt – eine liebevolle Hommage an all die Dörfer und Käffer, in denen es weder Bahnhof, Kiosk noch Busverbindung gibt, dafür aber Trekker, Weiden, Kühe und vielleicht den ein oder anderen selbstgebrannten Tropfen aus dem Bauernladen. RAUHBEIN treffen hier den Nerv aller Landkinder ziemlich genau. Wer diesen Track nicht fühlt, kommt vermutlich aus der Stadt.Die Sommerhymne für RAUHBEIN-Fans kommt mit ‘C’est La Vie’ punkig, rockig und voller guter Laune ums Eck getanzt. Irischer Pogo geht anschließend in ‘Pack schlägt sich’ definitiv klar, ehe mich der Titeltrack ‘Rebellen & Helden’ direkt nostalgisch werden lässt. Plötzlich sind sie wieder da, die Erinnerungen an die junge und dumme Zeit. Nach ‘C’est La Vie’ ist das mein zweites Highlight des Albums. So emotional, so ehrlich und wie gemacht für lange Sommernächte mit Kumpelinnen und Kumpels, in denen man für ein paar Stunden noch einmal unsterblich sein kann.

Die druckvolle und für Live-Momente bestens geeignete, springbare Nummer ‘Alle’ kommt in gerade einmal zweieinhalb Minuten angeschossen, stärkt das Gemeinschaftsgefühl und treibt das Adrenalin noch einmal ordentlich nach oben. Genau solche Songs sind es, die vor der Bühne für erhobene Fäuste, singende Kehlen und verschwitzte Gesichter sorgen dürften. Nachdenklich wird Henry anschließend in ‘Gevatter Tod’. Der Song passt vielleicht nicht ganz so in die ansonsten sehr positiven Vibes des Albums, zeigt aber einmal mehr, dass RAUHBEIN auch die ernsteren Themen nicht ausklammern. Sterben gehört nun einmal zum Leben dazu – und vielleicht erinnert uns die Nummer gerade deshalb daran, die Zeit, die wir haben, möglichst intensiv zu nutzen. Denn es wäre verdammt schade, wenn man nur existiert und dabei vergisst zu leben. Für die irischen Vibes werden RAUHBEIN geliebt, und genau die sind in ‘Tanzt’ wieder deutlich zu hören. In ‘Vagabund’ gehen sie sogar am intensivsten ins Bein und laden förmlich dazu ein, das Tanzbein zu schwingen. In ‘Wie wir’ treten die Folk-Klänge dagegen etwas in den Hintergrund. Dafür geht es hier unter anderem um Ravioli aus der Dose und andere Dinge, die wohl viele von uns irgendwie mit ihrer eigenen Geschichte verbinden können. Zum Finale greifen RAUHBEIN dann noch einmal tief in die emotionale Kiste. Bei ‘Morgen früh’ solltet ihr am besten selbst hinhören, was Henry zu erzählen hat. Mit seiner markanten, bärigen Stimme trifft er genau die richtigen Töne und weiß zumindest bei mir ganz genau, welche Knöpfe er drücken muss. Ein toller Abschluss für ein tolles aber leider etwas zu kurzes Album aus der Spielmannsküche von RAUHBEIN.

Mit “Rebellen & Helden” liefern RAUHBEIN erneut ein Album ab, das genau dort funktioniert, wo die Band am stärksten ist: mitten im Leben. Zwischen Kneipenabenden, Dorfromantik, Festivalwiesen, Ravioli aus der Dose, Freundschaft, Zusammenhalt und nachdenklichen Momenten schaffen es Henry und seine Mitstreiter einmal mehr, Geschichten zu erzählen, in denen sich viele Menschen wiederfinden können. Songs wie ‘Meine Bar’, ‘C’est La Vie’, ‘Alle’ oder ‘Vagabund’ dürften live für ausgelassene Stimmung sorgen, während ‘Rebellen & Helden’ und ‘Morgen früh’ die emotionale Seite der Band unterstreichen. Ganz ohne kleine „Rückholaktionen“ ins Leben kommt die Platte nicht aus: ‘Gevatter Tod’ ist so eine und erinnert ans sterblich sein. Wenn man ein bisschen meckern möchte, so nur daran, dass die knapp 32 Minuten Spielzeit zu schnell vorbei sind und somit der Spaß auch – gäbe es nicht den Repeat-Button. RAUHBEIN liefern ein ehrliches, emotionales und sehr lebensnahes Album ab, das seine größten Momente vermutlich erst auf den Festivalbühnen, in den Clubs und vor einer laut mitsingenden Menge entfalten wird.

Tobi Stahl vergibt 8,5 von 10 Punkten