PARITY BOOT – FAST FORWARD

PARITY BOOT

Titel: FAST FORWARD

Label: BLACK SUNSET/AL!VE

Spieldauer: 41 Minuten

Immer wenn mein alter Kollege Jakob mit einer neuen musikalischen Offenbarung auf mich zukommt, bin ich gespannt, wo er sich diesmal an der Schießbude ausgetobt hat. Beim letzten Mal hatte er mich mit dem Debütalbum der Hamburger Stoner Rocker Skythen überrascht, diesmal kommt er mit einer völlig anderen Kiste namens PARITY BOOT und deren neuen Album „Fast Forward“ um die Ecke.

Die Band existiert bereits seit 1998 und ihr Debüt „Into Nothing“ hat schon 14 Jahre auf dem Buckel. Danach hat man sich mit Gitarrist Hendrik Biemann und eben Jakob Ehmke am Schlagzeug eine personelle Frischzellenkur genehmigt. Die Gründungsmitglieder Jörg Hannebohn (Bass, Voc) und Mathias Riediger (Voc, Git, Synths) hatten bereits auf besagtem Erstling „Into Nothing“ einen modernen Industrial Sound kreiert, der sich irgendwo zwischen Strapping Young Lad und Fear Factory verorten lässt.

„Fast Forward“ nimmt diesen Faden auf und strickt ihn weiter zu einer gnadenlosen Attacke auf Nackenmuskulatur und Nervenkostüm, denn PARITY BOOT machen auf ihrem zweiten Dreher keine Gefangenen. Nach dem freundlich betitelten, aber fies getexteten („I`m so full of hate…“) ‚Dear All‘-Intro metzelt der Titeltrack mit seinen hektischen Samples, meterhohen Gitarrenwänden und präzise blastenden Drums erstmal alles nieder.

Mit ‚Mirrors‘ und ‚Lost‘ wird es ein wenig gediegener, weil man etwas vom Gas geht und auf getragene Devin Townsend-artige Refrains zurückgreift, bevor ‚Too Late‘ dann wieder die Taktzahl erhöht und mit seinen kranken Vocals für offene Münder und heruntergeklappte Kinnladen sorgt. Wer auf Mister Bungle steht, müsste hier auf seine Kosten kommen.

Zur Halbzeit gibt es eine ruhige, zweiminütige Verschnaufpause namens ‚Into The Night‘, die nahtlos in ‚Nightmares‘ übergeht. Der Track überrascht nach hartem Beginn mit einem atmosphärischen Mittelteil, bevor man wieder in die Vollen geht. Das anschließende ‚Rain‘ könnte zur Hymne dieses Sommers werden, würden sich  nur die Himmelsschleusen endlich auch mal öffnen und der Natur den bitter nötigen Regen schenken.

Mit ‚Virus‘ und ‚Horizon‘ steigern sich PARITY BOOT am Schluss des Albums in einen wahren Rausch. Für mich die beiden besten Stücke, vor allem durch die geschickte Kombination aus harten Gitarrenriffs und eindringlichen Synthies, die mich sogar etwas an meine Lieblinge von Stabbing Westward erinnern. Für Produktion und Mix zeichnet Meister Riediger höchstselbst verantwortlich. Fans des gediegenen Industrial Metals sollten hier unbedingt ein Ohr riskieren.

Alex Fähnrich vergibt 8 von 10 Punkten