OV SULFUR
Titel: ENDLESS
Label: Century Media Records
Spieldauer: 46:04 Minuten
VÖ: 16. Januar 2026
Mit ihrem Debütalbum “The Burden Ov Faith” (2023) haben OV SULFUR aus Las Vegas eine deutliche Duftmarke im Blackened Deathcore gesetzt. Brutal, kompromisslos und tief in blasphemischer Thematik verwurzelt, stürzte das Album den Hörer in düstere Abgründe aus Bass-Geballer, sägenden Gitarren und vielseitigem Gesang. Songs wie ‘Stained In Rot’, ‘Befouler’ oder der emotionale Ausnahmezustand ‘Earthen’ zeigten bereits eindrucksvoll, dass die Band mehr kann als reine Gewalt – nämlich Atmosphäre, Emotion und inhaltlichen Tiefgang.
Mit “Endless” legen OV SULFUR nun nach und erweitern ihren Sound konsequent, ohne die rohe Wucht des Debüts aus den Augen zu verlieren. Der Einstieg erfolgt über das Intro ‘Endless//Godless’, das den Weg für das starke Opening-Trio ‘Seed’, ‘Forlorn’ und ‘Vast Eternal’ ebnet. Hier treffen knackiger Deathcore, symphonische Black-Metal-Anleihen und moderne Metalcore-Vibes aufeinander, gekrönt von massiven Breakdowns. Euch ins Gesicht gezimmert wird das Ganze vom aktuellen Line-up um Ricky Hoover (Vocals), Chase Wilson (Guitars, Vocals), Christian Becker (Guitars), Josh Bearden (Bass) und Leviathvn (Drums). Besonders die Wechsel zwischen tiefen Growls, rasendem Gefauche und gezielt eingesetzten Clean Vocals erinnern an die Stärken von “The Burden Ov Faith”, wirken hier aber noch fetter und brachialer.
Emotionale Tiefe, die bereits mit ‘Earthen’ auf dem Debüt für Gänsehaut sorgte, findet man in ‘Wither’ wieder. Der Song über Trauer, Verlust und Akzeptanz setzt auf ruhige, melodische Passagen und zeigt eine verletzliche Seite der Band, die dem Album zusätzliche Schwere verleiht. Den Deathcore-Dampfhammer schwingen OV SULFUR anschließend mit ‘Evermore’, dessen wuchtige Riffs und Breakdowns durch die Clean Vocals einen starken Kontrast erhalten und dem Song mehr Tiefe geben als bloße Aggression.
Für zusätzliche Brutalität sorgen prominente Gäste aus der Szene: Josh Davies (INGESTED) verpasst ‘Dread’ eine Extraportion Druck, Johnny Ciardullo (CARCOSA) verstärkt das schwarzmetallische Fundament von ‘Bleak’, und Alan Grnja (DISTANT) ist die perfekte Wahl für das finstere, erdrückende ‘A World Away’. Ähnlich wie auf dem Debüt – etwa mit Alex Terrible, Taylor Barber oder Howard Jones – nutzen OV SULFUR auch hier die Features nicht als Selbstzweck, sondern als gezielte Verstärkung der jeweiligen Songatmosphäre.Den Abschluss bildet ‘Endless//Loveless’, das balladesk und überraschend ruhig endet und den Hörer nach all der Wucht mit einem nachdenklichen Gefühl zurücklässt.
Mit “Endless” gehen OV SULFUR den auf “The Burden Ov Faith” eingeschlagenen Weg konsequent weiter, öffnen ihren Sound jedoch deutlich über die Grenzen des klassischen Deathcore hinaus. Black-Metal-Einflüsse, brachiale Neckbreaker-Orkane, massive Breakdowns und emotionale Melodien greifen hier stimmig ineinander. Das Ergebnis ist ein starkes, reiferes Zweitwerk, mit dem OV SULFUR ihre Position in der Extreme-Metal-Szene weiter festigen dürften – Pflichtstoff für Fans von Blackened Deathcore und darüber hinaus.
Tobi Stahl vergibt 8 von 10 Punkten


