ODDLAND – UNILLUMINATE TO ILLUMINATE

ODDLAND

Titel: UNILLUMINATE TO ILLUMINATE

Label: FRONTIERS RECORDS

Spieldauer: 41:02 Minuten

VÖ: 21. August 2026

Die Finnen von ODDLAND kehren mit ihrem vierten Studioalbum “Unilluminate To Illuminate” zurück. Sänger/Gitarrist Sakari Ojanen, Joni Palmroth am Bass, Ville Viitanen an den Drums sowie der zweite Klampfer Jussi Poikonen haben sich aufgemacht, um ihren Status als innovative und beeindruckende Kraft im modernen Progressive Metal zu festigen und auszubauen.

Und ODDLAND schätzen offenbar kompaktes, schlüssiges Songwriting, denn wo andere Prog Acts sich in Frickelorgien verstricken, reichen dem Vierer gute 41 Spielminuten für ganze elf Tracks, so dass der längste Track hier keine sechs Minuten umfasst. Der Fokus liegt auf völlig angstfreiem, Grenzen verschiebendem, dynamischen, selbstbewussten und trotz der relativ kurzen Stücke komplexen und präzisen Songwriting.

Denn dennoch passiert in den einzelnen Kompositionen umheimlich viel und das ganz genaue Hinhören lohnt sich, denn es gibt haufenweise Elemente und Facetten zu entdecken. Bereits das knapp zweieinhalbminütige Intro `Amokinus´ hat es in sich. Es wartet mit Percussion und atmosphärischen Elektrosounds und bluesig-tänzelnden Saxophonklängen auf, die uns hier wahrlich nicht zum letzten Mal begegnen.

Diese fügen sich problemlos in den überraschend speziellen Gesamtsound ein, der durch ungewöhnliche Strukturen, prägnanten Basssound, nonkonformistische Gitarrenläufe, Synths, Klavier, Streicher, Growls und den vollen, relativ tiefen, warmen Klargesang von Sänger Ojanen, viel Percussion und Chöre und mehrstimmiger Gesang aber vor allem Chöre (vgl. das grandiose `Soar´) geprägt ist.

Dazu kommen eine druckvolle Produktion, seltsame Taktarten, außergewöhnliche Melodieführungen und ein spannender Wechsel von modernen, harten Parts und ruhigen Passagen sowie getragene Refrains. Kleine Zwischenspiele von wenigen Minuten (z. B. `Ascent´) halten das Ganze zusammen und sorgen für einen guten Flow. Damit kreiert die Band ihren recht eigenen, rhythmischen Progressive Stilmix.

Als Must-Hear empfiehlt sich dabei der starke Dreierpack im Herzen der Platte, bestehend aus dem packenden `Freefall´ sowie den beiden vielschichtigen und verschiedenen „Titelsongs“ `Unilluminate´ und `Illuminate´.

Der Hörer erhält das Gefühl einer fokussierten, selbstbewussten, erfahrenen Gruppe, die das alles genauso umgesetzt hat, wie sie es haben wollte: ausgereift und komplex, intensiv, atmosphärisch, präzise, technisch beeindruckend und emotional berührend zugleich.

Ein Album als musikalisches Statement, das den Hörer gleichzeitig herausfordert, fesselt und aufbaut, ein faszinierendes, unkonventionelles, aber auch sperriges und nicht alltägliches Werk, das Fans von Soen, Leprous oder Haken genauso ansprechen sollte wie Anhänger alteingesessener Prog Acts. Nichts für die breite Masse und alles andere als Standard, doch das sollte Fans des Genres ja eher interessieren als abschrecken. Also: reinhören!

Michael Gaspar vergibt 7,5 von 10 Punkten