OBSCURITY – ASCHEREGEN

OBSCURITY

Titel: ASCHEREGEN

Label: Trollzorn Records

Spieldauer: 50:10 Minuten

VÖ: 29. Januar 2026

Mit “Skogarmaors” lieferten OBSCURITY 2021 ein Album ab, das wie ein Schlag in den Schildwall einschlug: rau, kraftvoll und tief verwurzelt im Death-, Viking- und Pagan Metal. Das Album kam mit brachialer Energie, mythologisch aufgeladener Atmosphäre und wütenden, schwarzmetallischen Vibes angeballert. Die Bergische Horde zeigte eindrucksvoll, warum sie seit Jahrzehnten zu den verlässlichsten und entschlossensten Kräften der Szene zählt. Am 29. Januar 2026 kommen OBSCURITY mit neuer Schlachtplatte zurück – und mit neuem Line-up. Für “Ascheregen” haben OBSCURITY ihre Besetzung in mehreren Positionen neu aufgestellt – wir beleuchten das neue Line-up.

Frontmann Agalaz (Vocals) ist natürlich noch immer die konstante Stimme und der kreative Kern der Band aus dem Bergischen Land. An den Gitarren stehen nun Grimnir und Njalvar, Isarn bleibt als treibende Kraft hinter dem Schlagwerk erhalten und sorgt wie gewohnt für die kraftvolle Rhythmusbasis. Neu hinzugekommen ist Vidar (Bass), dessen Spiel den tiefen, markanten Unterbau von “Ascheregen” maßgeblich prägt. Das Line-up von “Skogarmaors” (2021) sah so aus: Agalaz (Vocals), Isarn (Drums), Dornaz (Guitars), Askar (Guitars) und Ziu (Bass). Mit dem Wechsel an gleich drei Positionen – beiden Gitarrenplätzen und am Bass – bin ich gespannt, wie OBSCURITY auf “Ascheregen” klingen und ob sich diese Veränderungen deutlich im Charakter von “Ascheregen” widerspiegeln. Was die Produktion angeht, bleibt die Band sich treu und schmiedete “Ascheregen” erneut in den ehrwürdigen Hallen der 4CN Studios. Die Platte wurde von Tim Schuldt und OBSCURITY produziert. Layout und Cover stammen wieder vom legendären Jan Yrlund / Darkgrove Design.

In lyrischer Hinsicht wollen OBSCURITY “Ascheregen” als düsteres Konzeptwerk verstanden wissen, das „Vergangenheit und Gegenwart in einem einzigen, bedrohlich flackernden Flammenstrom miteinander verknüpft“. Die zwölf Tracks von “Ascheregen” verweben laut Promo-Info altnordische Mythologie mit den gewaltsamen Spuren der Christianisierung und den Zerwürfnissen unserer modernen Welt. Man möchte den gesellschaftlichen Verfall ebenso ansprechen wie den Widerstand gegen Bevormundung und erzwungene Gleichförmigkeit. Hören wir uns den Jubiläumsdreher an!

Der ‘Beginn des Verfalls’, oder auch ‘Initium Dekadentiae’, eröffnet “Ascheregen” in gewohnt wuchtig-bergischer Manier und ist wohl als düsteres Signalfeuer zu sehen. (Alte) Ordnungen verlieren ihre Bedeutung, neue Strukturen entstehen aus Kontrolle, Gleichmacherei und Bevormundung. Noch ein Stück roher, gewaltiger und wuchtiger knallen OBSCURITY die zweite Nummer ‘Flammentaufe’ aus den Boxen, die gleichzeitig martialischer ist und mit “Amen” endet. Der ‘Schwur’ läuft darauf hinaus, dass man ewig ein (bergischer) Löwe ist. ‘Blutgebet’ kommt wie ein dunkler Sturm aus brachialen Gitarren, wuchtigen Drums und der rohen Stimme von Agalaz über den Hörer, ‘Dreifaltigkeit’ ist düster, aber nicht minder intensiv geraten – das Trommeldauerfeuer rummst gewaltig. Weiter geht es mit dem Titelsong ‘Ascheregen’, der ebenfalls nicht ganz so heftig und deftig ballert, dafür hymnisch und eingängig geraten ist. In ‘Ketzerjagd’ und ‘Bekehrung’ kehren OBSCURITY zu durchschlagenden Äxten, Hämmern und Schlachtrufen zurück – Headbanger und Mosher wird es freuen. Nach melodischem Death Metal klingen ‘Läuterung’, ‘Bekehrung’ und ‘Runenwinter’, meiner Meinung nach die beste Spielart für die Bergischen Löwen, aber auch die Black-Metal-Vibes stehen dem Album gut. Für ‘Rúnar Víg’ konnte man Erik Grawsiö von MÅNEGARM gewinnen, einen langjährigen Freund von OBSCURITY. Diese Abwechslung und die bockstarke Stimme von Erik machen ‘Rúnar Víg’ zu einem denkwürdigen Moment des Albums. Bemerkenswert: Eriks Gastvocals sind vollständig auf Deutsch. Zum Finale gibt’s ‘Dystopie und Schwanengesang’ auf die Ohren, gewohnt nach OBSCURITY-Art des Hauses.

Mit “Ascheregen” liefern OBSCURITY eine wuchtige, in sich geschlossene Schlachtplatte ab, die sowohl musikalisch als auch inhaltlich bockt. Die Mischung aus brachialer Härte, melodischen Todesblei-Momenten und düsterer Atmosphäre funktioniert über weite Strecken sehr gut, das neue Line-up passt wie Axt auf Gegners Kopf und verleiht dem Album frische Dynamik, ohne den typischen OBSCURITY-Kern zu verwässern. Kleine Wiederholungen im Verlauf verhindern zwar die Höchstwertung, mindern den starken Gesamteindruck aber kaum. Unterm Strich ein kraftvolles, reifes Album, das Fans der Band ebenso abholt wie Hörer, die auf der Suche nach kompromisslosem Pagan-/Death-Metal mit Substanz sind.

Tobi Stahl vergibt 8 von 10 Punkten