NOCTURNIS – DRANGSAL

NOCTURNIS

Titel: DRANGSAL

Label: Fetzner Death Records

Spieldauer: 44:23 Minuten

VÖ: 06. November 2026

NOCTURNIS kommen aus der Region, in der die Vogelgattung Kuckuck und die Zeitanzeiger eine tolle Symbiose bilden. Die Rede ist von der Kuckucksuhr und dem Schwarzwald – den Blackwoods in Süddeutschland. Die Black Metaller setzen sich aus Sänger Matthias Störck, den Gitarristen Lukas Wenzel und Vincent Padrutt, Bassist Dirk Schoening sowie Drummer Jonas Feger zusammen und haben neues Material am Start, das über das Badener Undergroundlabel Fetzner Death Records veröffentlicht wird. Nach ihrer Debüt-EP „Aporia“ (2020) und dem hochgelobten Erstling „Unsegen“ (2022 via Black Sunset) schlägt das Quintett mit „Drangsal“ nun das nächste Kapitel auf. Produktion und Aufnahmen lagen in den Händen von Gitarrist Vincent Padrutt (Weißmann Studios, Würzburg), während Nikita Kamprad für Drumrecording, Mix und Mastering sorgte. Visuell wird das Konzeptwerk durch das Artwork von Daniel Andersson (Vexed Works), das Logo-Design von View From The Coffin und Fotografien von Maren Rosenberger (Mantrasos) abgerundet. Auf „Drangsal“ wird in deutscher Sprache gesungen, was ich ziemlich geil finde, denn unsere „harte Sprache“ eignet sich hervorragend für dieses Genre. Die Schwarzwälder haben „Drangsal“ als zusammenhängendes Konzeptalbum aufgezogen. Sie vereinen Musik, Texte und visuelles Design zu einem künstlerischen Gesamtkunstwerk und möchten ihre Entwicklung vorantreiben. Ob sie sich in der modernen Extreme-Metal-Szene weiter etablieren können, kann ich natürlich erst orakeln, wenn ich „Drangsal“ unter das Fallbeil gelegt habe – Feuer frei!

Durch die ruhige Eröffnung mit dem Intro ‚Liturgie‘ legt sich die Dunkelheit langsam über den Hörer, der, als NOCTURNIS mit dem Brecher ‚Tituba‘ an Intensität zulegen, schon tief im Schlund der Schwarzwälder Klangwelt steckt. Die rohen deutschen Lyrics fetzen an der Hirnrinde entlang und hinterlassen Kerben, in denen sie sich einbrennen. Bockstarker Auftakt von „Drangsal“! Rasende Wut schlägt einem in ‚Thaumaturg‘ entgegen – und das mittels schonungsloser Gitarren-Attacken und deftigem Drumming. Ein Nackenbrecher vor dem Herrn, der überraschend endet; das hörst du dir aber besser selber an. b ins Dunkel geht es in ‚Düsternis‘, wo NOCTURNIS genauso knackig und böse zu Werke gehen wie in ‚Der letzte Hort‘, wobei hier ein stimmungsvolles Intro langsam an das Kettensägengerassel heranführt – hier wird ordentlich in deinen Gehörgängen herumgewühlt und gewütet. ‚Das Licht der nächsten Sonne‘ hat Soundeffekte spendiert bekommen. Breitbeinige Gitarren eröffnen die mit Zacken gespickte Dampfwalze, deren Bässe Mark und Bein erschüttern, genauso wie die giftigen Vocals ein „Brenn Hexe, brenn!“ in deine Synapsen ätzen. v‚Dämmernis‘ startet sehr ruhig. Es ist fast so, als hätten NOCTURNIS einen Sonnenuntergang vertont, nach dem kein erneuter Sonnenaufgang folgt, sondern nur pechschwarze Nacht, in der die Schatten und Stimmen dich jagen. vIm finalen, fast 10 Minuten dauernden Titelstück ‚Drangsal‘ geben NOCTURNIS einen Querschnitt ihres Könnens zum Besten, in den man sich als Hörer hineinwühlen und in der Dunkelheit suhlen kann!

Verdammt eindringlicher Gesang, tolles Gitarrenspiel und ballernde Drums: NOCTURNIS liefern mit „Drangsal“ ein tolles Konzeptalbum ab, das rohe Wut und dichte Atmosphäre gekonnt miteinander vereint. Die Schwarzwälder verbinden schonungslose Attacken, peitschendes Kettensägen-Gitarrenspiel und giftige Vocals mit ruhigen, stimmungsvollen Momenten. Gerade das Intro ‚Liturgie‘ und das düstere ‚Dämmernis‘ schaffen instrumentale Passagen, die Raum zum Sinnieren und Versinken lassen. Wenn schließlich das fast zehnminütige Titelstück ‚Drangsal‘ als eindrucksvoller Querschnitt ihres Könnens durch die Gehörgänge wütet, bleibt ein verdammt intensiver Gesamteindruck zurück. Wer auf durchdachten Extreme Metal mit Tiefgang steht, sollte sich hier definitiv wohlfühlen.

Tobi Stahl vergibt 8 von 10 Punkten