NIGHT SPECTRE
Titel: NIGHT SPECTRE
Label: Dying Victims Productions
Spieldauer: 45:18 Minuten
VÖ: 22. Mai 2026
Als „starrköpfige Metalheads“ bezeichnen sich die Griechen von NIGHT SPECTRE, die uns auf ihrem selbstbetitelten Debütalbum ein ziemlich fettes Oldschool-Brett mit starken Einflüssen von NWoBHM, US-Power- und Epic-Metal zusammenzimmern.
Night Spectre
Bei allen fünf flotten Krachern ‚Death Contract‘, ‚The Maniac‘, ‚Cheating The Fires‘, ‚Blades Of Galvarino‘ und ‚Night Spectre‘ verstehen es NIGHT SPECTRE perfekt, hymnische Maiden-Vibes (Galopp-Riffs, melodische Gitarrenleads) so geschickt mit treibendem US-Metal zu vermischen, dass man nie das Gefühl hat, hier einfach nur alten Wein in neuen (griechischen, höhö) Schläuchen serviert zu bekommen. Sprich: Klingt trotz einiger Reminiszenzen klar origineller, spritziger und dynamischer als die x-te Selbstkopie von Bands wie Maiden & Co.
Dazwischen gibt es obendrein noch eine epische Seite der Band. In diesem Bereich erfinden die Griechen das Rad zwar ebenfalls nicht neu, verstehen es aber auch hier verdammt gut, mitreissende und kurzweilige Songs mit gehörigem Fistraise-Faktor zu schreiben. Das majestätische ‚To Die In The Ancient Fire‘ als auch die etwas variableren ‚Crossing The Abyss‘ und ‚Damnation Of Memory‘ verbinden spätere Bathory- oder auch Borknagar-Schwermut mit stampfenden Epic-Passagen und dezent eingestreuten Uptempo-Eskalationen. Saustark.
Dabei noch erwähnenswert, dass Sänger Tasos mit seiner ausgewogenen mittelhohen Stimme sowohl bei schnellen als auch getragenen Passagen auch ohne „angeborenes Goldkehlchen“ eine absolut souveräne Leistung abliefert und es immer wieder schafft, Akzente zu setzen und Stimmungen zu erzeugen, ohne jemals in zu viel Pathos abzudriften oder seine eigenen Fähigkeiten zu überschätzen. Und wenn’s dann mal richtig krachen soll, helfen immer noch einige wohlplatzierte „Gangshouts“ im Stile alter Vicious Rumours nach.
Fazit
Obwohl NIGHT SPECTRE erst 2024 gegründet wurde, zeigen das starke Songwriting, die virtuose Instrumentalarbeit als auch die kraftvolle, aber ausgewogene Produktion, dass die fünf Athener schon seit Jahren in der (griechischen) Metalszene aktiv sind und musikalisch offenbar ziemlich genau wissen, was sie tun. Den einzigen Vorwurf, den ich der Band machen könnte, wäre, dass sie es auf diesem Album trotz ihres reichlich vorhandenen Potenzials irgendwie verpasst hat, den ein oder anderen größeren „Hit“ zu schreiben. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.
Wer auf Sachen wie (alte) Battleroar, Eternal Champion, Gatekeeper, Megaton Sword, Tailgunner, Kerrigan, Intranced, Savage Oath, Olymp oder Nightfyre steht, sollte das Debüt von NIGHT SPECTRE unbedingt mal anchecken. Ihre imho ziemlich überbewerteten Kollegen von Triumpher schlagen sie bereits jetzt um Längen. Nach Stygian Path für mich der überzeugendste Newcomer aus Griechenland der letzten Jahre. Auftritte auf einschlägigen Underground-Festivals wie KIT, UTH, HOA, Stormcrusher & Co. sollten eigentlich nicht lange auf sich warten lassen…
Joe Nollek vergibt 8 von 10 Punkten


