NIGHT – HIGH TIDES, DISTANT SKIES

NIGHT

Titel: HIGH TIDES, DISTANT SKIES

Label: THE SIGN RECORDS / CARGO

Spieldauer: 37:00 Minuten

Hatte ich die Single „Feeling It Everywhere“ noch recht barsch als (wenn auch gute) Horisont-Kopie abgetan, so muss man „High Tides, Distant Skies“ eine deutlich größere Bandbreite attestieren. Ähnlich wie andere schwedische Acts (Horisont eben, aber auch Enforcer) schauen NIGHT nach recht eindimensionalen Alben zu Beginn der Karriere inzwischen über den Tellerrand: Heavy Metal klingt hier nurmehr in der Proto-Variante durch („Give Me To The Night“), ansonsten bedient man sich bei allerlei Granden der Classic Rock-Schule. „Crimson Past“ etwa vermählt Dire Straits mit Blue Öyster Cult, „Lost In A Dream“ hat Yes ein paar allseits bekannte, markante Akkorde abgeguckt, „Running Away“ hingegen könnte in seiner Thin Lizzy-Seligkeit auch von Dead Lord stammen.

Auch in Sachen Arrangements beschreitet man neue Wege und versucht etwa mit überraschenden Breaks zu punkten („Burning Sky“ oder „Falling In The Black“) ‒ die jammige Drumsession im recht klassich ausgefallenen Opener „Shadow Gold“ weiß ebenfalls zu gefallen. Allerdings muss man auch sagen, dass die beiden Sänger/Gitarristen Oskar Andersson und Sammy Ouirra die neue Retro Rock-Vielfalt stimmlich noch nicht adäquat zu transportieren wissen und in Zukunft an ihrer Bandbreite arbeiten müssen. Dennoch ist „High Tides, Distant Skies“ ein absolut amtliches Genrealbum geworden, das man sich als Fan der 70er und frühen 80er getrost in die Sammlung stellen darf.

Patrick Müller vergibt 7,5 von 10 Punkten