MØRKGRIM
Titel: SǪGUR FRÁ NORÐFIRÐI
Label: Soulseller Records
Spieldauer: 37:49 Minuten
VÖ: 02. Oktober 2026
MØRKGRIM stammen aus Westnorwegen sowie Schweden und widmen sich dem Folk Black Metal. Gegründet wurde das Projekt bereits 1994 von Hrafngrímnir während der goldenen Jahre des Genres zunächst als Ein-Mann-Black-Metal-Projekt. Mehrere Songs waren damals schon geschrieben, aufgenommen wurde allerdings nichts, da Hrafngrímnir zu dieser Zeit noch in anderen Black-Metal-Bands aktiv war. 1999 kehrte er der Szene dann Schritt für Schritt den Rücken, weil er das Gefühl hatte, dass der Black Metal seine wahre Seele verliert und sich immer weiter von seinem ursprünglichen Geist entfernt. Stattdessen wandte er sich anderen Musikrichtungen zu und wurde schließlich zum Multiplatin-Produzenten im US-Hip-Hop-Bereich, inklusive Billboard-Nummer-Eins-Erfolgen. Die alte Dunkelheit ließ ihn aber offenbar nie ganz los. Jahrzehnte später wurde MØRKGRIM wieder zum Leben erweckt – allerdings nur unter den Bedingungen, die sich Hrafngrímnir selbst auferlegte. Er zog auf einen abgelegenen Bauernhof, weit weg vom modernen Komfort, ohne fließendes Wasser oder Spültoilette, und schmiedete dort in völliger Isolation das erste MØRKGRIM-Album. „Sǫgur Frá Norðfirði“ bedeutet übersetzt „Geschichten aus Nordfjord“ und ist ein Konzeptalbum, das sich den okkulten, heidnisch-nordischen Traditionen und den dunklen Strömungen der alten Wege widmet. Natur, Stille und Abgeschiedenheit sind dabei laut Band keine aufgesetzte Black-Metal-Kulisse, sondern Teil der Lebensweise, aus der dieses Album entstanden ist. 2023 kam mit Nils „Dominator“ Fjellström Verstärkung ins Projekt. Der Schlagzeuger, den man unter anderem von DARK FUNERAL, AEON, IN BATTLE, THE WRETCHED END, MYRKSKOG und NORDJEVEL kennt, bringt laut Band ein neues Maß an Härte und Präzision mit. Hrafngrímnir übernimmt auf „Sǫgur Frá Norðfirði“ Vocals, Gitarren, Bass, Keys und Programming, Dominator sitzt hinter den Drums. Musikalisch treffen rohe Oldschool-Aggression aus den frühen 90ern und einnehmende akustische Folk- beziehungsweise Nordic-Elemente aufeinander.
Auf dem Debüt stehen acht reguläre Songs sowie der Bonustrack ‚I Mørkrets Djupa Skog‘. Bei ‚Freyja Kvað‘ übernimmt Saga B die Lead-Vocals, während Dev Gohil bei ‚Nordljós‘ Gitarre und Co-Writing beisteuert und bei ‚Blóðsvǫrr‘ ein Co-Solo spielt. Also dann: 37:49 Minuten nordische Dunkelheit, alte Wege und rohe 90er-Attitüde – schauen wir mal, welche Geschichten MØRKGRIM aus dem Nordfjord mitgebracht haben. ‚Ramnen Kvæd‘ ist der Opener von „Sǫgur Frá Norðfirði“ und bedeutet sinngemäß „Rabengesang“ beziehungsweise „Lied des Raben“. Ich möchte jetzt nicht unbedingt sagen, dass die Vocals wie das raue Lied der Raben klingen, aber der rohe Gesang reibt schon im Ohr und passt gerade deswegen so gut in das Genre, das MØRKGRIM bedienen. ‚Blóðsvǫrr‘ mischt folky Black Metal mit rohem Heavy Metal. Der Titel bedeutet sinngemäß „Blutvogel“ und wird als poetische Bezeichnung für den Raben verwendet. Gerade solche alten, bildhaften Begriffe passen perfekt zur düsteren und nordischen Ausrichtung von MØRKGRIM. Dazu kommt, dass das komplette Album in der Landessprache gehalten ist – und genau das gibt den Songs noch einmal eine ganz eigene Atmosphäre. ‚Mørkt‘ bedeutet „Dunkel“ beziehungsweise „Düster“ – und genau so wirkt der Song. Er startet wie die hereinbrechende Nacht in Skandinavien: Raben sind zu hören, akustische Instrumente und klarer Gesang fliegen wie ein kalter Wind um die Ohren, während die tollen Gitarrenmomente wie fallender Schnee durch die Dunkelheit gleiten. ‚Nordljós‘ startet ebenfalls akustisch, bevor es düster und pechschwarz wird. Blastbeats, rohe Gitarrenmomente und der typische Black-Metal-Gesang kommen angeranzt und geben dem „Nordlicht“ ordentlich schwarzmetallischen Nachdruck. Nach dem abrupten Ende von ‚Nordljós‘ ist ‚Freyja Kvað‘ als Nächstes dran und gleichzeitig mein absolutes Highlight. ‚Freyja Kvað‘ bedeutet sinngemäß „Freyja sang“ und schon der Titel passt perfekt zur Nummer. Female Vocals, Folk Metal durch und durch und sogar Freyja ist hier in der alten nordischen Schreibweise mit „j“ geschrieben, während man heute meist die modernere Form „Freya“ sieht. Was für ein tolles Lied der Schweden/Norweger! Man spürt fast die Gegenwart alter Götter. ‚Garm‘ ist in der nordischen Mythologie ein gewaltiger Hund, der als Wächter der Unterwelt beziehungsweise Hel zugerechnet wird. Der Name steht damit für eine düstere, bedrohliche Gestalt und passt 1a in die Soundgewalt des Albums. Nach ‚Varðlokkur‘ – der Begriff steht für einen alten Schutz- und Zaubergesang – steht das ‚Outro‘ ganz im Zeichen der ruhigen Töne aus der nordischen Schmiede. Im Bonustrack hauen MØRKGRIM noch einmal kräftig aufs Gaspedal – also freut euch auf das heimliche Finale ‚I Mørkrets Djupa Skog‘.
„Sǫgur Frá Norðfirði“ ist für mich ein richtig schönes Stück nordischen Black Metal geworden, das durch seine Mischung aus roher Härte und den folkigen Elementen einen eigenen Charakter entwickelt. Gerade die Landessprache passt hervorragend zum Konzept und verstärkt die Wirkung der Songs, während Vielfältigkeit und kurze ruhige Passagen dafür sorgen, dass die Platte nicht in einer einzigen schwarzen Klangwand versinkt. „Freyja Kvað“ ist für mich dabei das absolute Highlight und zeigt, wie geil die Kombination aus Female Vocals und Folk Metal funktionieren kann. Auch das Zusammenspiel von Hrafngrímnir und Dominator macht Spaß und verleiht dem Album ordentlich Druck. MØRKGRIM haben hier ein Debüt hingelegt, das tief in den nordischen Wurzeln wühlt, dabei aber nicht altbacken klingt. Für Freunde von rauem Black Metal mit Folk-Einschlag bestens geeignet!
Tobi Stahl vergibt 7,5 von 10 Punkten


