MINISTRY – MORAL HYGIENE

MINISTRY

Titel: MORAL HYGIENE

Label: NUCLEAR BLAST

Spieldauer: 47:10 Minuten

Nach dem letzten Album „Amerikkkant“, auf dem sich Al Jourgensen noch mit Wut im Bauch über den damaligen Präsidenten Trump ausgelassen hat, erscheint nun dieser Tage das neue Album „Moral Hygiene“. Nachdem politisch in den USA ein Wandel stattgefunden hat, ist dies auch auf dem neuen Album spürbar. Die Songs klingen nicht mehr so rebellisch und brachial, wirken schon fast besinnlich, harte, extrem schnelle Beats und Gitarrenriffs sind schon eher Mangelware. Und doch hat das MINISTRY Mastermind auch auf diesem Album etwas zu sagen, aber nicht mehr mit der bekannten Fuck You Manier, sondern eher in Richtung erhobener Zeigefinger. Die gewohnten Arrangements und Samples fehlen natürlich nicht und sind wieder einmal perfekt in die Songs eingebunden. So hat er Greta Thunberg in ‚Alert Level‘ eingebaut und macht auf die Klimaprobleme unserer Welt aufmerksam. Weiterhin greift er die Black Lives Matter Proteste in ‚Good Trouble‘ auf und auch die Corona-Pandemie hat in ‚Death Toll‘ Einzug auf das Album gehalten. Ebenfalls finden sich Gastmusiker auf dem Album, u. a. Uncle Als alter Weggefährte Jello Biafra (Dead Kennedys) verleiht dem Song ‚Sabotage Is Sex‘ mit seinem Gesang ein gewisses Etwas. Leider finden sich auch mit ‚Believe Me‘ oder ‚We Shall Resist‘ Songs auf dem Album, die eher an einem vorbeigehen und schnell vergessen sind. Dafür bietet sich mit ‚Search And Destroy‘ eine interessante und gute Coverversion des im Original von Iggy And The Stooges geschriebenen Songs. Zum guten Schluss gibt es dann doch noch mit ‚TV Song #6 (Right Around The Corner Mix)‘ einen Song im gewohnten Stil, der mit seinem Beat und Samples an alte Zeiten erinnert und definitiv für Fans des Meilensteins „Psalm 69″eines der Highlights des Albums sein dürfte.

Fazit: Das 15. Album von MINISTRY ist musikalisch ein gut arrangiertes Album, bietet Stilmixturen und rackert sich an den Themen der Zeit ab, aber ohne Missstände in gewohnt brachialer Manier anzuprangern, den richtigen Ohrwurmcharakter lässt es vermissen. Al Jourgensen wirkt mit diesem musikalischen Werk schon eher wie ein Moralapostel als der große Revolutionär, den er gerne in der Vergangenheit hat raushängen lassen. Wird Uncle Al jetzt doch im Alter ruhiger und besonnener? Hoffen wir es mal nicht und lassen uns überraschen, wie die neuen Songs live wirken werden.

Gastautorin: Susanne Soer

obliveon vergibt 6,5 von 10 Punkten