MICHAEL MONROE
Titel: OUTERSTELLAR
Label: SILVER LINING MUSIC
Spieldauer: 43:58 Minuten
VÖ: 20. Februar 2026
„Das ist es, was ich tue, das mache ich immer wieder, und ich werde nicht aufhören. Ich versuche einfach, besser in dem zu werden, was ich tue, und das hält mich immer hungrig.“ (Michael Monroe)
Ich weiß nicht genau, was ich von Michael Monroes 13. Soloalbum “Outerstellar“ erwartet habe, wahrscheinlich am ehesten Glam und Sleaze Sound im Stil seiner 2009 aufgelösten Stammband Hanoi Rocks, jedenfalls nicht mitreißende Nummern im Stil von den Sex Pistols oder Rose Tattoo. Aber musikalische Überraschungen und die stilistische Abwechslung sind doch das künstlerische Salz in der Suppe.
Die zwölf Stücke sind ebenso kreativ, unberechenbar und einzigartig wie der unstete Geist und das Werk des finnischen Maestros. Definitiv ein kurzweiliges Erlebnis und eine Sammlung großartiger, vielseitiger Songs voll Glitzer, schweißgetränktem Punch und ungezügeltem Elan und mit einer der besten Stimmen des Rock ’n‘ Roll garniert.
Der Infotext formuliert es so treffend, dass ich nochmal zitieren muss:
„Die Harmonien und Vibes rollen mühelos wie in Seide, während man in Lederhosen mit einem Schnaps und einem Lächeln auf dem Sofa in den Morgenstunden liegt. Und die schiere Attitüde, die sorglose (nicht unachtsame!) Selbstsicherheit (nicht Arroganz!) ist vorhanden, ein Selbstbewusstsein der reinen Freude, echten Rock ’n‘ Roll auf die richtige Weise zu spielen.“
“Outerstellar“ wurde nicht einfach ordentlich in kurzer Zeit im Studio eingespielt, sondern ist über mehrere Jahre verteilt nach und nach entstanden. Kein Wunder, denn dieser kreative Geist funktioniert nicht linear und die einmal entfesselte Energie ist nicht so einfach einzufangen, wenn sie einmal losgelassen. Doch so außergewöhnlich zielstrebig und professionell agiert der Künstler in seinem Schaffen, ohne seine künstlerischen Freiheiten und Kreativität einzuengen oder auszubremsen.
Selbstbewusstsein, Swing und Energie gibt es hier im Übermaß. Jeder Song hat seine eigene kleine (Entstehungs-)Geschichte. `Pushin‘ Me Back‘ stammt aus den One Man Gang-Sessions, das vorletzte Soloalbum des blonden Rockers aus Helsinki, etwa 2018/19, andere sind erst in den letzten Jahren entstanden, wieder andere nun fertiggestellte Demo-Songs aus den Jahren dazwischen.
Der trotzig-rotzige Opener `Rocking Horse´ klingt ein wenig nach Post Punk neueren Datums und will mit seinem ungewöhnlichen Video das Punkrock-Ethos aufgreifen und das Establishment aufrütteln, gefolgt vom fast pop-punkigen Ohrwurm `Shinola´. Mit dem Ohrwurm `Black Cadillac´ würdigt Monroe die New Yorker Punk-Legende Johnny Thunders, der zu manchen Zeiten im Kofferraum und auf dem Rücksitz seines schwarzen Cadillacs nächtigte und lebte.
Während das rasante `Newtro Bombs´ fast schon an Oi! Punk erinnert, atmet die grandiose Auskopplung `Disconnected´ einige Folk/Street Punk Vibes und berichtet von der besonderen Magie und Konnektivität von Live-Musik. `Precious´ kombiniert das Chop-and-Shuffle des Alternative Punk mit einem mitreißenden Gang-Refrain und einem wilden Mundharmonika-Solo, begleitet von einem spektakulären Basspart, während `Glitter & Dust´ überwiegend akustisch und zurückhaltend bleibt und deutliches Bluesrock/Country Flair verbreitet.
Mit dem abschließenden `One More Sunrise´, ein locker-leichtfüßiges über siebeneinhalbminütiges, gut gelauntes Rock-Epos, schießt Monroe dann den Vogel ab und bereitet “Outerstellar“ ein würdiges, beschwingtes Finale.
Unter dem Strich ein alles andere als formelhafter und vorhersehbarer Langdreher mit einem Maximum an Abwechslung und Haltung, zeitlos, stolz und authentisch sowie von großer Positivität und unbändigem Lebenswillen gekennzeichnet. “Outerstellar“ ist ein enorm aufbauendes, energetisches und durchweg unterhaltsames Statement und ein richtiger, hochklassiger musikalischer Tritt in den Hintern zu Beginn des Jahres!
Michael Gaspar vergibt 9 von 10 Punkten


