METALLICA
Titel: RELOAD (REMASTERED)
Label: Blackened Recordings / Mercury
Spieldauer: 224:48 Minuten
VÖ: 26. Juni 2026
METALLICA sorgen mit ihrer noch immer laufenden M72-Tour weiterhin für Ausnahmezustände. Erst vor wenigen Wochen spielten James Hetfield, Lars Ulrich, Kirk Hammett und Robert Trujillo im Rahmen der “72 Seasons”-Welttournee vor zehntausenden Fans in Frankfurt und Berlin. Die M72-Tour zählt längst zu den erfolgreichsten Konzertreisen der Bandgeschichte und zeigt eindrucksvoll, dass METALLICA auch mehr als vier Jahrzehnte nach ihrer Gründung noch immer Stadien füllen wie kaum eine andere Metalband.
Während die Kalifornier also weiterhin die Gegenwart dominieren, blicken sie gleichzeitig tief in ihre Vergangenheit. Mit “ReLoad (Remastered 2025)” erhält nun eines der wohl meistdiskutierten Alben der Band eine umfangreiche Neuauflage. Als “ReLoad” am 18. November 1997 erschien, befanden sich METALLICA in einer Phase des Umbruchs. Nach dem gigantischen Erfolg des Schwarzen Albums hatten die Kalifornier bereits mit “Load” viele Fans vor den Kopf gestoßen und sich deutlich vom Thrash Metal ihrer Anfangstage entfernt. Der Nachfolger setzte diesen Kurs konsequent fort und präsentierte eine Mischung aus Heavy Metal, Hard Rock, Blues-, Country- und
Southern-Rock-Einflüssen, die bis heute kontrovers diskutiert wird.
Aufgenommen wurde das Album zwischen Juli und Oktober 1997 in den Plant Studios in Sausalito, Kalifornien. Neben James Hetfield (Gesang, Gitarre), Kirk Hammett (Leadgitarre), Jason Newsted (Bass, Backgroundgesang) und Lars Ulrich (Schlagzeug) wirkten unter anderem Marianne Faithfull auf dem späteren Hit ‘The Memory Remains’ sowie weitere Gastmusiker an der Entstehung mit. Produziert wurde “ReLoad” erneut von Bob Rock gemeinsam mit Hetfield und Ulrich. Trotz aller Diskussionen entwickelte sich das Album zu einem kommerziellen Erfolg. “ReLoad” erreichte unter anderem Platz 1 der Charts in Deutschland, Österreich, den USA, Schweden, Finnland, Norwegen und Neuseeland und hielt sich allein in Deutschland 41 Wochen in den Top 100. Songs wie ‘Fuel’, ‘The Memory Remains’, ‘The Unforgiven II’ oder das Grammy-prämierte ‘Better Than You’ gehören bis heute fest zum erweiterten METALLICA-Katalog.
Knapp drei Jahrzehnte später erscheint “ReLoad (Remastered 2025)” am 26. Juni 2026 über Mercury Records in zahlreichen Varianten. Neben der neu gemasterten Standard-CD und der klassischen schwarzen Doppel-LP stehen eine 3CD Expanded Edition mit unveröffentlichten Demos, Rough Mixes und Live-Aufnahmen sowie eine auf 180 Gramm gepresste, limitierte gelbe Vinyl-Ausgabe zur Auswahl. Das Herzstück für Sammler bildet jedoch das umfangreiche Deluxe Box Set. Neben dem remasterten Album auf Doppel-LP enthält die Box die 7″-Picture-Disc von ‘The Memory Remains’, drei Live-LPs, 15 CDs, vier DVDs voller unveröffentlichter Live-Aufnahmen, Demos und Rough Mixes, eine Download-Karte für sämtliche Audiodateien, Tour-Laminate, Poster, Plektren, Rorschach-Testkarten, eine Sammlung von Songtexten und Notizen sowie ein 128-seitiges Hardcover-Buch mit bislang unveröffentlichten Fotos und Zeitzeugenberichten aus der damaligen Zeit.
Für diese Besprechung liegt die 3CD Expanded Edition allerdings ausschließlich in digitaler Form vor. Im Fokus stehen daher die drei enthaltenen Discs und die Frage, wie sich “ReLoad” heute, fast 30 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung, schlägt und welchen Mehrwert die zahlreichen Bonusaufnahmen für Fans und Sammler bieten.
Als erste Single schickten METALLICA damals ‘The Memory Remains’ ins Rennen – und genau hier beginnt für mich auch die Reise zurück ins Jahr 1997, dem Jahr der PLAYSTATION, meiner Berufsausbildung und vieler musikalischer Entdeckungen. Ich weiß noch genau, wie ich vor dem Radio saß und darauf hoffte, dass der Song endlich gespielt wird. Als es soweit war, lag die Kassette bereits im Recorder und ‘The Memory Remains’ wurde sorgfältig mitgeschnitten, um anschließend gemeinsam mit anderen METALLICA-Klassikern im Walkman zu rotieren. Streaming, Playlists oder Smartphones waren damals noch Zukunftsmusik – wer seine Lieblingssongs unterwegs hören wollte, brauchte Geduld, Timing und ausreichend leere Kassetten. Klar, die Nummer brachte damals eine dicke Überraschung mit sich und machte sie gerade deshalb so spannend. Rückblickend war ‘The Memory Remains’ eine mutige erste Single. Der Song verbindet den typischen Groove der “Load”- und “ReLoad”-Ära mit dem markanten Gastauftritt von Marianne Faithfull, deren geisterhafter Gesang dem Stück bis heute seinen unverwechselbaren Charakter verleiht. Für mich zählt die Nummer noch immer zu den stärksten Songs dieser METALLICA-Phase. Mit der zweiten Single ‘Fuel’ schalteten METALLICA anschließend mehrere Gänge hoch. ‘Fuel’ presste mich vom ersten Moment an gnadenlos an die Wand, das markante “Gimme fuel, gimme fire, gimme that which I desire!” brannte sich ins Trommelfell und die Band zeigte wieder deutlich mehr Aggression, Tempo und Drive.
Mit der dritten Single ‘The Unforgiven II’ lieferte METALLICA dann eine absolute Mega-Nummer ab. Schon damals lief mir bei dem Song regelmäßig eine Gänsehaut über den Rücken und daran hat sich bis heute nichts geändert. Hetfields starke Gesangsleistung, die Melodien und die emotionale Atmosphäre greifen perfekt ineinander und machen die Nummer für mich zu einem der Höhepunkte von “ReLoad”. Das Remaster klingt dabei angenehm knackig und druckvoll, ohne den Charakter des Originals zu verlieren. Bis heute einer der stärksten Songs dieser Schaffensphase von METALLICA. Natürlich habe ich ‘Devil’s Dance’ nicht vergessen, aber die drei Tracks zuvor sind es, die nachhallen, auch wenn ‘Devil’s Dance’ mit seinen schweren Grooves und der düsteren Stimmung auch heute noch bockt. Das Remaster tut dem Song hörbar gut und bringt Bass und Schlagzeug noch etwas kräftiger zur Geltung. Die übrigen Songs von CD 1 profitieren ebenfalls vom neuen Remaster. Ob ‘Better Than You’, ‘Slither’, ‘Carpe Diem Baby’, ‘Prince Charming’, ‘Low Man’s Lyric’ oder das fast acht Minuten lange Finale ‘Fixxxer’ – die Songs kommen insgesamt mit mehr Stahlkante, Feuer und einem gewissen Rotz aus den Boxen.
CD 2 bietet einen Blick hinter die Kulissen der “ReLoad”-Sessions. Schon der frühe Rough Mix ‘Fuel For Fire’ macht Laune, nicht zuletzt wegen der kurzen Ansage, die verrät, was als Nächstes zu hören ist. Gleichzeitig wird schnell deutlich, dass der Song noch längst nicht die Wucht der späteren Albumversion besitzt – sowohl musikalisch als auch gesanglich wirkt alles noch etwas zahmer. Auch beim instrumentalen Mix von ‘The Memory Remains’ gibt es zunächst eine kurze Ansage, ehe ausschließlich die Instrumentierung im Mittelpunkt steht. Besonders stark geraten sind die Marianne-Faithfull-Outtakes zu ‘The Memory Remains’, deren intensive Vocals und Spoken-Word-Passagen noch einmal verdeutlichen, wie wichtig ihr Beitrag für den fertigen Song war. Dazu kommen instrumentale Einblicke wie ‘Devil’s Dance’, alternative Gesangsideen zu ‘The Unforgiven II’ und ‘Attitude’, weitere Rough Mixes von ‘Better Than You’ und ‘Slither’ sowie zahlreiche Demos und Songfragmente. Spannend sind auch die Arbeitstitel wie ‘Skimpy’, ‘Fish Tank’, ‘Mine Eyes’, ‘Fixer’ oder ‘Voodoo Queen’, hinter denen sich spätere Albumtracks verbergen. Bei ‘Martini’ ist sogar Bandgeplänkel zu hören, bei dem ich etwas wie “Cool ass fucking thing” und „Jim Morrison Riff“ herauszuhören glaube. Natürlich können wir hier unmöglich auf jede Idee, jeden Take und jedes Detail eingehen – das würde den Rahmen dieser Besprechung komplett sprengen. Für Hardcore-Fans von METALLICA ist CD 2 aber pretty damn fuckin’ genial, weil sie einen faszinierenden Einblick in die Arbeitsweise der Band Mitte der Neunziger liefert.

Jeder, der METALLICA schon einmal live erlebt hat, kennt diese besondere Magie, die die US-Legenden auf die Bühne bringen. Im Stadion ist das gewaltig, in der Halle sogar noch intensiver. Auf CD 3 haben METALLICA ausgewählte Live-Aufnahmen aus den Jahren 1997 und 1998 gepackt. Die Songs stammen von Stationen in England, den USA und Australien und bilden damit einen kleinen Querschnitt durch die “Load”- und “ReLoad”-Touren jener Zeit. Zum headbangen und moshen gibt es unter anderem ‘Ain’t My Bitch’ und zum grooven ‘Hero Of The Day’ vom READING FESTIVAL, ‘The Memory Remains’ und ‘The Thing That Should Not Be’ aus der Rocky Balboa Stadt Philadelphia, ‘Bleeding Me’ und das KILLING-JOKE-Cover ‘The Wait’ aus London sowie ‘Fuel’, ‘King Nothing’ und ‘Devil’s Dance’ aus Down Under. Komplettiert wird die Sammlung durch Aufnahmen aus dem GIANTS STADIUM in New Jersey, darunter ‘Until It Sleeps’, die akustische Version von ‘Low Man’s Lyric’ und das rasante ‘Fight Fire With Fire’. So bekommt man einen spannenden Einblick in eine Phase von METALLICA, die live deutlich härter und direkter knallte als viele Kritiker der “Load”- und “ReLoad”-Ära damals wahrhaben wollten.
Jetzt wisst ihr also, wie umfangreich die 3CD-Ausgabe von “ReLoad (Remastered 2025)” ausgefallen ist. Ich werde mich jetzt noch etwas tiefer in die tollen Live-Tracks von CD 3 vergraben und das Remaster genießen. Genau wie schon bei “Load” gilt für mich auch bei “ReLoad”: Das ist ein Album meiner Zeit. Ein Album, das mich seit den Neunzigern begleitet, mit mir gereift ist und heute noch genauso viel Hörvergnügen bereitet wie damals.
Vielleicht ist genau jetzt auch der richtige Zeitpunkt, “ReLoad” noch einmal neu zu entdecken. Losgelöst von den damaligen Diskussionen, Erwartungen und Vergleichen zeigt sich ein starkes Album voller großartiger Songs, das längst seinen festen Platz in der Geschichte von METALLICA verdient hat. Für mich war es damals der Soundtrack einer aufregenden Zeit – und auch 2026 funktioniert diese Nachladung noch verdammt gut.
CD 1 – “ReLoad” (Remastered 2025)
- ‘Fuel’
- ‘The Memory Remains’
- ‘Devil’s Dance’
- ‘The Unforgiven II’
- ‘Better Than You’
- ‘Slither’
- ‘Carpe Diem Baby’
- ‘Bad Seed’
- ‘Where The Wild Things Are’
- ‘Prince Charming’
- ‘Low Man’s Lyric’
- ‘Attitude’
- ‘Fixxxer’
CD 2 – Demos, Rough Mixes & Studio Outtakes
- ‘Fuel’ (“Fuel For Fire” October ’95 Rough Mix)
- ‘Memory’ (“The Memory Remains” Instrumental Mix)
- ‘Memory’ (“The Memory Remains” Marianne Faithfull Outtake – August 21st, 1997)
- ‘Devil Dance’ (“Devil’s Dance” Take 11 – July 31st, 1995)
- ‘Unforgiven 2’ (“The Unforgiven II” Vocal Idea)
- ‘Better’ (“Better Than You” October ’95 Rough Mix)
- ‘Drivin’’ (“Slither” September ’97 Rough Mix)
- ‘Skimpy’ (“Carpe Diem Baby” Demo)
- ‘Bastard’ (“Bad Seed” Take 9 – July 25th, 1995)
- ‘Martini’ (“Where The Wild Things Are” Riff)
- ‘Martini’ (“Where The Wild Things Are” Take 25 – May 31st, 1995)
- ‘Fish Tank’ (“Prince Charming” Demo)
- ‘Mine Eyes’ (“Low Man’s Lyric” Demo From The Plant)
- ‘Sweat’ (“Attitude” Vocal Idea)
- ‘Fixer’ (“Fixxxer” Intro Piece)
- ‘Voodoo Queen’ (“Fixxxer” Vocal Idea)
CD 3 – Live 1997–1998
- ‘Fuel’ (Live At Brisbane Entertainment Centre, Brisbane, Australia – April 20th, 1998)
- ‘The Memory Remains’ (Live At The CoreStates Complex Parking Lot, Philadelphia, PA – November 11th, 1997)
- ‘Devil’s Dance’ (Live At Perth Entertainment Centre, Perth, Australia – April 12th, 1998)
- ‘Low Man’s Lyric’ (Acoustic) (Live At Giants Stadium, East Rutherford, NJ – July 17th, 1998)
- ‘Ain’t My Bitch’ (Live At Reading Festival, Reading, England – August 24th, 1997)
- ‘Until It Sleeps’ (Live At Giants Stadium, East Rutherford, NJ – July 17th, 1998)
- ‘King Nothing’ (Live At Brisbane Entertainment Centre, Brisbane, Australia – April 20th, 1998)
- ‘Hero Of The Day’ (Live At Reading Festival, Reading, England – August 24th, 1997)
- ‘Bleeding Me’ (Live At Ministry Of Sound, London, England – November 13th, 1997)
- ‘Poor Twisted Me’ (Rehearsal At KSJO Studios, San Jose, CA – December 17th, 1997)
- ‘The Thing That Should Not Be’ (Live At The CoreStates Complex Parking Lot, Philadelphia, PA – November 11th, 1997)
- ‘The Wait’ (Live At Ministry Of Sound, London, England – November 13th, 1997)
- ‘Fight Fire With Fire’ (Live At Giants Stadium, East Rutherford, NJ – July 17th, 1998)
Photocredit: Danny Clinch, Anton Corbijn
Tobi Stahl vergibt 9 von 10 Punkten


