MERLIN
Titel: IM REICH DES ZAUBERERS
Label: German Democratic Recordings
Spieldauer: 53:30 Minuten
VÖ: 20. März 2026
Die Wende 1989 war für viele ein folgenreicher Moment. Ohne jetzt auf die politischen und gesellschaftlichen Folgen einzugehen, für Musiker der DDR ging sozusagen eine fast sichere Welt zu Ende.
Beispiel MERLIN. Die Band gründete sich 1986 und hatte, auch durch gute Beziehungen zum Rundfunk, relativ schnell Erfolg. Ihre erste richtige Produktion war ´Die Welt Von Morgen´. Damit hatten sie schnell den Ruf der Helloween des Ostens. Zügig vervollständigten sie ihr Programm. Ihr Konzept erzählt von einem Jugendlichen, der der Realität entflieht in die Welt von König Artus. Ein komplettes Album war geplant. Doch mit der Wende ging dieser Plan den Bach runter. Ein paar ihrer Songs gingen auf dem Amiga-Sampler „Speed Up“ eher unter, die ostdeutschen Fans hatten ja jetzt die Chance auf die internationalen Originale. Wenn man Helloween und Priest in Echt haben kann, wer will da noch Metall oder MERLIN.
Gut, dass sich die Zeiten geändert haben. Die Musik auch meiner Pubertät wird jetzt so nach und nach wiederentdeckt. Viele Aufnahmen jener Zeit werden erst heute einer weiteren Öffentlichkeit vorgestellt. Im Falle von MERLIN mit Aufnahmen vom 6. Rocksommer der DDR, als sie am 21. Juli 89 die Bühne mit ihrem kompletten Konzept enterten.
Das war (und ist) musikalisch stimmig. Unter anderen Umständen hätte das auch im Westen groß werden können. Die Truppe um Sänger Mario Schneider war an jenem Abend wirklich hervorragend aufgelegt. Die Songs sind fesselnd und abwechslungsreich. Und sie orientieren sich eben nicht nur an Helloween. Die Einflüsse scheinen doch viel breiter gestreut. Wobei auch sie mit dem Neunminüter ´Artus´ schon in den Gewässern der Hanseaten gefischt haben.
By the Way, Mario Schmidt ist noch heute musikalisch aktiv und unter dem Namen Mario Le Mole aktiv. Im Interview hat er noch gesagt, er hat „noch so einiges rumliegen aber um es zu veröffentlichen reicht die Qualität nicht aus.“ Scheinbar lag da wohl ein Irrtum vor.
Was man vielleicht feststellen darf, auch ich musste mich aktuell daran gewöhnen, Mario hat zu jener Zeit auf der Bühne schon einen ziemlich affektierten Gesangsstil gepflegt. Klar, das Thema verlangt danach. Aber es gibt Momente, da finde ich seine Theatralik etwas überzogen. Oder eigenwillig. Am Ende eben auch beeindruckend.
Passend zum Thema Merlin, die Texte von Songs wie ´Was Kommt Danach´ oder dem schon genannten ´Die Welt Von Morgen´ waren damals schon und sind es leider heute immer noch. Brandaktuell. Hatten sie wahrsagerische Fähigkeiten? Oder hat sich unsere Welt, trotz aller Veränderungen, doch nur so wenig verändert? Denn damals wie heute, gerade junge Leute hatten und haben Angst vor dem Morgen. Heavy Metal war vielleicht eine Form von Flucht, auch und gerade im Osten.
Mario Wolski vergibt 9 von 10 Punkten


