MASTODON
Titel: MARROW DEEP
Label: LOMA VISTA RECORDINGS/CONCORD/UMG
Spieldauer: 65:37 Minuten
VÖ: 28. August 2026
MASTODON, die US Sludge/Prog/Heavy/Stoner Metal Urgewalt, bringt fünf Jahre nach “Hushed And Grim“ ihr lang erwartetes neues Album “Marrow Deep“ auf den Markt.
Die Scheibe dokumentiert, „wie die Gründungsmitglieder Brann Dailor, Troy Sanders und Bill Kelliher aus Jahren persönlicher Umbrüche mit neuer Entschlossenheit und neuem Elan hervorgehen. Inspiriert von den drei Schicksalsgöttinnen der griechischen Mythologie und den zerbrechlichen Fäden, die Leben, Verlust und Schicksal miteinander verbinden, kanalisiert Marrow Deep die intensiven persönlichen Erfahrungen der vergangenen Jahre in einige der weitreichendsten, und emotional bewegendsten Aufnahmen der Band.“
Es ist das erste Album mit Gitarrist Nick Johnston und enthält zudem wesentliche Beiträge des Keyboarders João Nogueira, die Troy Sanders unlängst beide in einem Interview als feste neue Bandmitglieder bezeichnete. Die Produktion erfolgte in ihrem eigenen West End Sound in Atlanta gemeinsam mit Patrik Berger (Lana Del Rey, Charli XCX) und Kurt Ballou (High On Fire, Converge). Abgemischt wurde der Longplayer von Andrew Scheps (Adele, Black Sabbath, Metallica).
“Marrow Deep“ ist ein Album voller Wut, Trauer und Leere, aber auch besessen vom Glauben an die heilende Kraft der Musik. Beherrschendes Hintergrundthema ist natürlich der tragische Unfall-Tod von Brent Hinds, dessen Verlust die Band bis ins Mark getroffen hat. Wenn auch der schlimmste, allerdings nur einer von vielen Schicksalsschlägen, der die Gruppe in der jüngsten Zeit ereilt hat. So verstarb auch Mastodons größer Fan, Michelle, die Mutter von Drummer Brann Dailor, was letztlich mit zur eindringlichen Vorabauskopplung `Your Ghost Again´ samt bewegendem, den Verstorbenen gewidmeten Videoclip geführt hat.
Das packende `Snakes For Dinner´ mit Gastsänger Josh Homme (Kyuss, Eagles of Death Metal, Queens of the Stone Age) wurde als Video ausgekoppelt und ist ein weiteres Highlight der Scheibe, auch und vor allem wegen des mehrstimmigen Gesangs und der wilden Instrumentalpassagen. Überhaupt der Gesang: wieviel Tiefe, Hilflosigkeit und Niedergeschlagenheit, aber auch Power, Resilienz und Hoffnung kann man darin verpacken? Antwort Mastodon: Hold my beer!
Weitere Tracks sind durch hochkarätige Gastbeiträge geprägt. Bei `The Three Fates“ ist Neil Fallon von Clutch dabei. Nate Newton (Converge) und Randy Blythe von Lamb Of God hört man bei den Gruppen-Vocals von `A Vampire’s Demeanor´. Und Joe Duplantier von Gojira hat bei der Nummer `The Vanishing´ einen Gesangspart, während das Bass-Intro von `The Vanishing´ ein gewisser Geezer Butler übernommen hat.
Der Song `Poisonous Weapons´ entstand aus einer wütenden Situation heraus und aus Frustration über verschenktes, unausgeschöpftes Potential. Viele Texte wurden aus solchen konkreten Situationen heraus geschrieben, was die Lyrics hart und schonungslos, aber eben auch enorm authentisch und nahbar werden lassen, auch für den Zuhörer, der sich damit intensiver auseinandersetzt.
`In The Ruins´ handelt von einer anderen Art von Verlust, nämlich von einem Hurrikan, der das Haus von Troy Sanders überschwemmt, verwüstet und alle Besitztümer und physischen Erinnerung weggespült hat. In dem emotionalen, aufwühlenden Song geht es um diesen Sturm und die Trauer darüber, alles zu verlieren, was man besitzt. Musikalisch spiegelt die Spannung zwischen ruhigen, akustischen Passagen und wilden Ausbrüchen dieses Gefühlschaos wider.
Für weitere Glanzlichter sorgen das verzweifelt-atmosphärisch-eindringliche `Out Like A Lamb´, das für Mastodon-Verhältnisse schon beinahe entspannte, vielschichtige `Moth And Bone´ sowie das intensiv-überraschende `Vanishing´, welches den Hörer über vier Minuten lang in psychedelisch dahinfließender Sicherheit wiegt, bevor Wucht und Chaos umso härter zuschlagen.
Musik erreicht den Hörer immer dann besonders, wenn sie aufrichtig und emotional ist und aus dem tiefsten Inneren kommt. Und diese Voraussetzungen sind hier aber mal zu mindestens zweihundert Prozent erfüllt. Ein Silberling so ungeschönt, schmerzhaft, persönlich, ehrlich, traurig und voller dunkler Emotionen, dass sich eine kritische Bewertung eigentlich verbietet. Und zudem musikalisch so facettenreich und spannend, dass man mit jedem Durchlauf neue Nuancen entdecken kann. Und dabei gar nicht mal besonders risikofreudig, sondern nur folgerichtig, stimmig und logisch. In Teilen vielleicht ungewohnt und überraschend und doch in Sachen Intensität, Konsequenz und Entschlossenheit so typisch MASTODON wie nur was.
Hinweis: „Sehr sehenswert ist der Kurzfilm The Mastodon in the Room – ein intimes Dokument, das die Band bei ihrem Versuch zeigt, die unbewältigte Trauer um den Verlust des Gründungs-gitarristen Brent Hinds zu verarbeiten (https://www.youtube.com/watch?v=Ba4fW0mXh_w). Der Film ist eine beeindruckende Bestandsaufnahme ihrer bemerkenswerten 25-jährigen gemeinsamen Reise und geht dabei ehrlich und offen auf die Beziehungsdynamik ein, die zur Trennung führte. Während der Film die in Teilen tragische Vergangenheit von Mastodon würdigt, markiert Marrow Deep den Beginn einer neuen Ära.“
Michael Gaspar vergibt 9 von 10 Punkten


