MASTER MASSIVE
Titel: WHITE SHADOWS
Label: FIREFLASH RECORDS/EDEL
Spieldauer: 49:21 Minuten
VÖ: 10. Juli 2026
Die schwedische Band MASTER MASSIVE veröffentlicht ihr neues Studioalbum “White Shadows“ und verbindet epischen Heavy Metal mit traditionellen Tönen sowie progressiven Einflüssen und Doom-Elementen. Die Truppe wurde in den frühen 90ern von Gitarrenvirtuose und Mastermind Jan Strandh aus den Überresten seiner Vorgängerbands ZANITY und ACT ins Leben gerufen und hat bisher zwei Full-Length-Scheiben veröffentlicht: das Debüt “The Pendulum“ (2015) sowie dessen Nachfolger “Black Feathers On Their Graves (2020).
Die sieben neuen Songs „zeigen eine enorme Vielfalt sowie eine großartige Balance zwischen epischen, langen Tracks und eingängigen, aber düsteren 80er-Jahre-Metal-Hymnen“. Das kann man so unterschreiben, zudem kommen sie damit auf eine durchaus beachtliche Spielzeit von knapp fünfzig Minuten, was auch und vor allem an drei Longtracks weit jenseits der sieben Minuten liegt.
Das Album mit einem zwölfminütigen Epos wie `Noah´s Cross´ zu eröffnen zeugt darüber hinaus von einem gewachsenen, ausgeprägten Selbstbewusstsein. Besagter Opener tönt in meinen Ohren wie das ungehobelte, uneheliche, leicht verhaltensauffällige Kind von Deep Purple und Avenged Sevenfold aus den Boxen, bevor etwa ab der Halbzeit des Songs abwechslungsreicher Trad Metal und ein Schuss doomige Wucht das Ruder übernehmen.
Und um noch eins draufzusetzen, haben MASTER MASSIVE sich zudem entschlossen, ihr bewährtes Konzept mit drei Sängern aus verschiedenen Generationen fortzusetzen: Tony Niva (ex-LION’S SHARE, ZANITY) für die hohen Passagen und Falsettstimmen, Viktor Gustafsson (LETHAL STEEL) zwischen „hexenhaften“ und emotionalen Vocals und mit einem kräftigen Vibrato sowie Marcus „Masken“ Karlsson, der bereits auf dem Vorgänger zu hören war, mit seinem kraftvollen Timbre und „massiven Distorto“.
Der Sound ist einzigartig und eigenständig, MERCYFUL FATE, CANDLEMASS, die frühen FATES WARNING sowie QUEENSRYCHE kommen dem Hörer in den Sinn und Strandh erklärt: „Ich habe diese Bands oft angehört, besonders Mercyful Fate („Melissa“ und „Don’t Break The Oath“), und später auch Fates Warning („Awaken The Guardian“). Ursprünglich komme ich aus der Symphonic-Rock-Ecke, mit Bands wie Queen, Genesis, Jethro Tull und Black Sabbath. Mein Spielstil stammt ausschließlich von den Gitarristen dieser Bands. Das für Heavy Metal so charakteristische palm muting habe ich von Martin Barre von Jethro Tull, das Vibrato von Brian May von Queen, die Melodien von Steve Hackett von Genesis und die Riffs von Tony Iommi von Black Sabbath. Ich hatte eine Vorliebe für die etwas härteren Songs, und als der Punk aufkam und wenig später die NWOBHM, gab es keinen Zweifel daran, welche Art von Musik ich machen wollte.“
Die Songs sind extrovertiert, dramatisch und emotional, alles andere als einfach gestrickt, aber dennoch gradlinig und verzichten dabei beinahe völlig auf bekannte, eingefahrene Songstrukturen und wirken dadurch ein wenig anarchisch und in gewisser Weise kauzig, bleiben jedoch trotzdem oder gerade deswegen auch über einen längeren Zeitraum spannend und unterhaltsam. Als weitere Anspieltipps seien hier die beiden ebenfalls überlangen Kompositionen `Islands And Bells´ sowie das abschließende `White Shadows´ genannt. Und mit der begeisternden Vorabauskopplung `Jonah And The Whale´ liefert die Band als ihre „Hitsingle“ einen veritablen, schwung-, wunder-, stimmungs- und gefühlvollen Ohrwurm ab.
Ihr Ziel, „die Musik sowohl unterhaltsam als auch einzigartig zu gestalten, ohne dass sie zu simpel wird“, haben MASTER MASSIVE mit “White Shadows“ definitiv erreicht. Die Platte ist dynamisch und emotional, im besten Sinne kompromisslos und ein wenig schrullig. Ein zeitloses, ambitioniertes Werk, in dem es auch nach vielen Durchläufen Neues zu entdecken gibt, und natürlich nichts für die breite Masse, vermutlich leider nicht mal für den „Metal Mainstream“.
Michael Gaspar vergibt 8 von 10 Punkten


