LUCID DREAMING – UPON THE BARRICADES

Lucid Dreaming - Upon The Barricades

LUCID DREAMING

Titel: UPON THE BARRICADES

Label: El Puerto Records

Spieldauer: 1:05:01 Minuten

VÖ: 10. Juli 2026

Nach der starken Fantasy-Trilogie „Chronicles I-III“ wartet das vierte Album „Upon The Barricades“ des deutschen „All-Star-Projekts“ LUCID DREAMING erstmals mit einem historischen Textkonzept sowie mehr denn je mit zahlreichen bekannten Gastsängern und einer ausgewogenen, musikalisch saustarken Mischung aus europäischem und US-Power-Metal auf.

LUCID DREAMING

Mastermind, Songwriter, Gitarrist und Bassist von LUCID DREAMING ist Till Oberboßel, der bei den hessischen Power-Metallern Elvenpath die Axt schwingt, sein persönliches – imho bisher ziemlich verkanntes – Herzensprojekt mittlerweile aber auch schon seit über 13 Jahren durchzieht. Schlagkräftig unterstützt wird er diesmal von Drummer Alex Holzwarth, der den meisten Metalfans von Bands wie Sieges Even, Rhapsody oder Avantasia sowie zahlreichen anderen Bands und Gastauftritten her durchaus ein Begriff sein sollte.

Und hatte Till auf seinen drei Chronicles-Alben schon immer eine grandiose Auswahl von eher im Underground bekannten Sänger/innen am Start, so geben sich auf „Upon The Barricades“ jetzt wirklich zahlreiche national wie international renommierte Größen das Mikrofon in die Hand:  Mit Sängern wie Zak Stevens (Savatage), Harry Conklin (Jag Panzer), Piet Sielck (Iron Savior), Ralf Scheepers (Primal Fear), Alessio Perardi (Airborn), Blaze Bayley und Tankards Gerre liegt das Album locker auf ähnlichem (im aktuellen Vergleich sogar höherem) Niveau wie Ayreon oder Avantasia.

UPON THE BARRICADES

Cooles Konzeptalbum mit originellem Textkonzept

Textlich verarbeiten LUCID DREAMING auf „Upon The Barricades“ die turbulente Zeit des Vormärz – vom Ende des Napoleonischen Zeitalters über Aufstand gegen Feudalismus bis hin zur deutschen Märzevolution und der zukunftsprägenden Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche 1848/49 als frühe „Wiege der Demokratie“ in Deutschland. Passt eigentlich perfekt in die heutige Zeit, in der sowohl „konservative“ als auch „alternative“ Parteien aktuell systematisch versuchen, diese damals hart erkämpften Sozial-, Einheits- und Demokratiegedanken des Volkes zugunsten persönlicher Macht- und Profitbestreben wieder abzuschaffen.

Letzten Ende greift Till damit jedenfalls eine Epoche auf, von der man auf anderen Metalalben bisher noch nichts gehört hat, und gibt in seinen Songtexten einen spannenden – natürlich komprimierten – Geschichtsunterricht, der gerade im Gewand vieler starker Songs weitaus spannender rüberkommt, als das, was man damals in der eigenen Schulzeit ertragen musste.

Überzeugende Songs mit überragenden Sängern

Wie bei Ayreon und Avantasia verkörpern die zahlreichen prominenten Gastsänger auch auf diesem Album spezielle (in diesem Fall historische) Charaktere – meist über mehrere Songs hinweg, Auch wer am geschichtlichen Konzept des Albums nicht interessiert ist, sollte tierisch Spaß sowohl an den Songs als auch an der Leistung der zahlreichen Gastsänger haben.

Der obergeile Opener ‚Confederation‘, ‚The Springtime Of Peoples‘,  das tolle ‚Parliament Of Spring‘ als auch der Rausschmeisser ‚Puppets On Strings‘ sind allesamt starke, teils episch-stampfende, teils hymnisch-treibende, teils hochmelodische und manchmal auch balladeske Knaller, die einfach aufgrund ihrer Spannungsbögen und fantastischer Gesangsleistungen glänzen.

Neben den Speedkrachern ‚Black And Red And Gold‘ und ‚Tyrant In Disguise‘ (originell integrierte Blastbeats) sind meine persönlichen Highlights aber ‚A Courageous Decision“ und ‚Waves Of The Danube‘, die zwar nicht mit eingägigen Refrains, aber mit einer grandiosen Mischung aus Grave-Digger-Epik, Gamma-Ray-Speed und Blind-Guardian-Pathos punkten.

Einzig der Midtempo-Titelsong ‚Upon The Barricades‘ als auch die kurze Akustik-Ballade ‚Farewell‘ bleiben im direkten Vergleich musikalisch eher blass, auch wenn sie im Albumkonzept durchaus tragende Rollen einnehmen.

Fazit

„Upon The Barricades“ nimmt mich persönlich tatsächlich mehr mit als die meisten letzen Alben aller bisher genannten Bands, zumal es konzeptuell/textlich als auch songtechnisch erheblich ausgefeilter und anspruchsvoller wirkt als die doch eher an entsprechende Fangruppen anbiedernde Stangenware, die man von Bands wie Sabaton, Avantasia (Sorry, Alex!) & Co. serviert bekommt.

Wer auf Bands wie Elvenpath, Rebellion, Jag Panzer, Iron Savior, Primal Fear, Gamma Ray, Airborn, Blind Guardian, alte Helloween, Ayreon oder halt auch Avantasia steht, sollte unbedingt mal ein Ohr riskieren.

Einziger kleiner Wermutstropfen mag sein, dass diesmal keine weibliche Gastsängerin – ich denke vor allem an die fantastischen Parts von Jutta Weinhold auf den ersten Alben von LUCID DREAMING – mit an Bord ist. Aber das ist wohl eher dem historischen (sprich: klar von Männer dominierten) Kontext des Konzeptalbums geschuldet und damit ergo auch wieder konsequent.

Joe Nollek vergibt 9 von 10 Punkten