LIVA
Titel: ECCE MUNDUS
Label: WORMHOLEDEATH RECORDS
Spieldauer: 56:00 Minuten
VÖ: 29. Mai 2026
LIVA ist ein kanadischer Symphonic Power Metal Opera Act, der mit dem eigentlich bereits 2023 ausschließlich im digitalen Eigenvertrieb erschienenen “Ecce Mundus” sein viertes Studioalbum zu erneuten Veröffentlichungsehren bringt.
Der Vierer besteht aus Nadine Guertin (Sopran), Pier Carlo Liva (Death/Tenor Voices, Gitarre, Electronics), Martin Tremblay am Bass sowie Drummer Claude Lacroix und wurde 1997 in Sherbrooke, Québec (Kanada) gegründet. Dem selbstbetitelten Four-Track-Demo (2001) folgten die drei Longplayer “Requiem” (2002), “De Insulis” (2007) mit lateinischen Texten des französischen Dichters und Theologen Alain de Lille sowie im Herbst 2013 die dritte Scheibe “Human Abstract” mit Texten in Shakespeare’s Sprache.
Dass hier durchgehend nur äußerst fähige Musiker am Werk sind, die mit Technik, Kontrolle und Präzision zu Werke gehen, hört man sofort. LIVA schaffen es nicht immer, die unterschiedlichsten Genres, Einflüsse und Elemente homogen miteinander zu verbinden und schlüssige, unterhaltsame und spannende Kompositionen abzuliefern, aber immer öfter.
Intensiv und atmosphärisch bewegt man sich zwischen den stilistischen Polen. Wie beim sich langsam und dynamisch aufbauenden Opener ` De avaritia et luxuria mundi´ braten die Gitarren fett und hart, der Sound ist modern und glasklar, die Vocals wechseln überwiegend zwischen Growls und opernhaftem Sopran, bevor das folgende `Materiae summa´ noch eine Spur härter daherkommt und mit einem guten Zusammenspiel der beiden Stimmen und einer tollen Hauptmelodie begeistert.
Das betörende `Ecce mundus demundatur´ ist ein anderer beachtlicher Track mit einem tollen Spannungsbogen sowie ansteigendem Tempo. Bis auf das recht kurze, mit seinen opernhaften Duettpassagen einer Arie nicht unähnlichen `Sunt´erwarten den Hörer acht weitere Komposition in einer Länge zwischen fünf und neun Minuten.
Die stilistische Bandbreite von LIVA bricht sich im Folgenden im epischen, zweigeteilten ´Samson & Dalila´ Bahn, mit ausladenden Orchestrierungen, langen Instrumentalpassagen und Soli sowie variablen Vocals, bei denen nun auch erstmals melodischer männlicher Klargesang zum Einsatz kommt. Das packende `Obscura´ 7 kommt dann sogar gänzlich ohne weibliche Stimme aus, wartet dafür mit einem Duell zwischen cleanen männlichen Vocals und Growls auf, bevor der musikalische Höhepunkt, das episch-ausschweifende `O Roma nobilis´ dann ein wenig übertrieben, schwülstig und mit etwas viel Drama und Pathos polarisiert.
Inklusive des abschließenden `Silence´ beweisen LIVA ein durchaus begabtes Händchen für sauberes Songwriting und solide Kompositionen und Arrangements, die unter dem Strich häufig jedoch noch etwas sperrig wirken und griffiger und homogener sein könnten mit natürlicheren, organischeren und harmonischeren Übergängen. Und die lateinischen Lyrics sorgen auch nicht gerade für ein gerütteltes Maß an Zugänglichkeit. Unter dem Strich dennoch ein interessantes Album mit vielversprechenden Ansätzen, vielseitig und eigenständig, mit Ausdruck und Charisma, innovativ, emotional und atmosphärisch.
Michael Gaspar vergibt 7 von 10 Punkten


