LEX LEGION
Titel: LEX LEGION
Label: MNRKheavy
Spieldauer: 34:37 Minuten
VÖ: 12. Juni 2026
Wenn sich ein Großteil der Old-School-KING-DIAMOND-Besetzung der späten Achtziger zusammentun, dann darf man die Ohren spitzen und den Nacken warm machen. Ich tat das bereits bei den ersten News zu LEX LEGION, deren Line-up aus den Legenden Mikkey Dee (Schlagzeug), Andy La Rocque und Pete Blakk (Gitarren) sowie Hal Patino (Bass) besteht – Musiker, die Metal-Geschichte geschrieben haben. Als wäre das nicht schon genug, komplettiert PAGAN’S-MIND-Sänger Nils K. Rue das Line-up und übernimmt die Rolle am Mikrofon.
Die Namen sprechen dabei für sich. KING DIAMOND, MOTÖRHEAD, SCORPIONS oder auch DEATH finden sich in den Lebensläufen der Beteiligten wieder. Entsprechend hoch sind die Erwartungen, wenn sich eine solche Ansammlung an Erfahrung, Klasse und jahrzehntelanger Metal-Historie erstmals unter neuem Banner präsentiert. Gleichzeitig macht die Band von Anfang an klar, dass es hier nicht darum geht, alte Zeiten zu kopieren oder von vergangenen Erfolgen zu leben. LEX LEGION verstehen sich nicht als nostalgisches Altherrenprojekt, sondern als vollwertige Band mit frischen Songs, starken Melodien und einem Sound, der tief im klassischen Hard Rock und Heavy Metal verwurzelt ist, dabei aber keineswegs angestaubt klingen soll. Hinzu kommt, dass dieses Projekt nicht mal eben aus einer Laune heraus entstanden ist. Laut Band reifte die Idee über mehr als zwei Jahrzehnte, bevor die Zeit endlich reif war, die Sache tatsächlich umzusetzen. Die ersten Aussagen der Beteiligten lassen dabei wenig Zweifel daran, wohin die Reise gehen soll. Andy La Rocque beschreibt die erste Single ‘Sleep Eternally’ als Song, der Elemente des gesamten Albums in sich vereint – mit dem richtigen Tempo und einer Gesangsleistung, „die wie eine Faust ins Gesicht knallt“. Pete Blakk geht sogar noch einen Schritt weiter und spricht von einer Musik, die seiner Ansicht nach heute kaum noch jemand schreibt und mit der LEX LEGION eine Lücke füllen wollen.
Ob LEX LEGION die hohen Erwartungen erfüllen können und ob die von Andy La Rocque angekündigte Faust ins Gesicht tatsächlich einschlägt, schauen wir uns jetzt genauer an. Mit ‘Sleep Eternally’ geht die Reise los – und von ewigem Schlaf kann hier keine Rede sein. Das Ding lässt eher Tote headbangen und vor Vorfreude die Fäuste in die Luft werfen. Ein Opener, der direkt Lust auf das macht, was da noch kommt. ‘Gypsy Tears’ und ‘When The Stars Align’ dürften auch Rob Halford gefallen. Die Nummern haben starke Hard-Rock-Vibes, bleiben aber klar im Heavy Metal verwurzelt. Knackige Melodien, starke Gesangslinien und überhaupt haben LEX LEGION mit Nils K. Rue einen echten Volltreffer gelandet. Mit ‘(I Am) The Resurrected’ folgt für mich bisher das Highlight der Platte. Tolle breitbeinige Gitarren treffen auf eine ballernde Rhythmussektion und entwickeln dabei ordentlich Wucht. ‘Lost Inside’ hält die Qualität anschließend problemlos aufrecht. ‘Darkness’ kommt dagegen treibend, aufregend und druckvoll daher – alles, was ein etwas düsterer Banger braucht. Mit ‘Saviours’ gibt es dann sägende Äxte, hämmernde Drums und Vocals, die ordentlich die Muskeln spielen lassen. ‘Life Eternal’ schlägt in eine ähnliche Kerbe und hält das hohe Niveau der Platte ebenfalls aufrecht. Zum Abschluss wird es mit ‘Far Away’ deutlich ruhiger. Das Instrumental sorgt für einen stimmungsvollen Ausklang und rundet das Debütalbum gelungen ab.
LEX LEGION liefern mit ihrem Debüt eine tolle Platte ab, die den großen Namen hinter der Band durchaus gerecht wird. Wer allerdings das nächste Überalbum oder die Neuerfindung des Heavy Metal erwartet, dürfte seine Erwartungen etwas zügeln müssen. Die Platte punktet vielmehr mit durchgehend hoher Qualität, starken Melodien und Songs, die die jahrzehntelangen Karrieren ihrer Mitglieder hervorragend widerspiegeln. Der einzige wirkliche Kritikpunkt ist die Spielzeit: Nach gerade einmal rund 34 Minuten ist bereits Schluss. Gerade bei einem Projekt, das über zwei Jahrzehnte gereift sein soll, hätte man durchaus noch den einen oder anderen zusätzlichen Song und etwas mehr Laufzeit erwarten dürfen. Klassischer Heavy Metal und Hard Rock auf hohem Niveau. Ein starkes Debüt, das Lust auf mehr macht.
Tobi Stahl vergibt 8 von 10 Punkten


