LEPER COLONY – BACK TO PRIMAL SLUDGE

LEPER COLONY

Titel: BACK TO PRIMAL SLUDGE

Label: Testimony Records

Spieldauer: 31:37 Minuten

VÖ: 09. Oktober 2026

LEPER COLONY haben sich mit ihrem selbstbetitelten Debüt „Leper Colony“ aus dem Jahr 2023 und dem 2025 veröffentlichten Nachfolger „Those Of The Morbid“ schnell einen Namen bei den Freunden des Old School Death Metal gemacht. Gegründet wurde die Band als musikalische Verlängerung der langjährigen Freundschaft zwischen dem deutschen Sänger Marc Grewe und dem schwedischen Gitarristen und Bassisten Rogga Johansson, die ihre gemeinsame Liebe zum Todesblei der alten Schule in Songs gießen wollten. Nach dem Debüt, bei dem neben dem Old-School-Fundament noch klassische Thrash-Einflüsse zu hören waren, und „Those Of The Morbid“, auf dem diese bereits deutlich zurückgefahren wurden, folgt nun mit „Back To Primal Sludge“ der dritte Langspieler. Marc Grewe kennt man natürlich als Frontmann von MORGOTH sowie von INSIDIOUS DISEASE und ASINHELL, während Rogga Johansson mit PAGANIZER, RIBSPREADER und REVOLTING bereits reichlich Spuren im schwedischen Death Metal hinterlassen hat. Rogga kenne ich zudem von RAVAGED BY THE YETI und EYE OF PURGATORY, die ich ebenfalls schon unter die Lupe genommen habe, während mir Marc spätestens mit ASINHELL gezeigt hat, was für eine druckbetankte Growl-Maschine er ist. Komplettiert wird das aktuelle Line-up von Jon Rudin an den Drums, der unter anderem bei MONSTROUS und DEAD SUN aktiv ist. Håkan Stuvemark ist diesmal als Gast dabei und steuert die Gitarrensoli bei.

Auf „Back To Primal Sludge“ halten LEPER COLONY weiterhin unbeirrt an ihrer Mission fest, den perfekten Ausgleich zwischen den alten Florida- und Stockholm-Schulen des Death Metal zu finden. Die tödlichen deutschen Einflüsse, die auf „Those Of The Morbid“ noch vereinzelt durchschimmerten, wurden laut Promo weiter reduziert. Stattdessen steht noch deutlicher das im Mittelpunkt, was LEPER COLONY auszeichnet: klassischer Death Metal, rohe Wucht und die perfekte Verbindung zweier prägender Spielarten des Genres. Damit soll der dritte Angriff genau das liefern, worauf Fans der Band und Fanatiker des brutalen Old School Death Metal gewartet haben. Aufgenommen wurde die Schlachtplatte von Rogga Johansson in The Rotpit im schwedischen Gamleby, die Vocal-Aufnahmen und die Produktion übernahm Marc Wüstenhagen in den Daily Hero Recording Studios in Berlin. Das Artwork stammt von Felipe Mora.

Also dann: „Back To Primal Sludge“ auf den Plattenteller, Lautstärke nach oben und mal schauen, ob LEPER COLONY wieder ordentlich Todesstahl durch die Gehörgänge jagen.

Da sind wir: LEPER COLONY machen in ‚Madness Is a Kingdom‘ gewohnte LEPER-COLONY-Sachen. Will heißen: Sie feuern aus allen Euro-Death-Metal-Rohren, und das kraftvollste Geschütz ist dabei die Stimme von Growl-Maschine Grewe. Der Opener ist eine in Benzin getränkte Dampframme, die vollends in Flammen steht und ihre Wucht auf den Hörer niederprasseln lässt. ‚These Blades‘ wurde als Single ausgekoppelt und hat reinstes Todesblei-Groove in seinen Adern fließen. Riff-Meister Rogga Johansson kommentiert: „Dieser wilde Track peitscht dir Up-Tempo-Dreck entgegen und reißt dir ein neues Atemloch in den Nacken. Mit dabei sind fette, voll ausgearbeitete Riffs, gnadenlos hämmerndes Schlagzeug und ein brutaler Gesang der Extraklasse. Für uns schafft ‚These Blades‘ ein perfektes Gleichgewicht zwischen dem amerikanischen und dem schwedischen Ansatz im Death Metal.“ – Passt, was der Meister sagt. Mit ‚Dead Soul Consortium‘ folgt direkt die nächste Fleischwalze: Ergebt euch der gnadenlosen Abreibung und opfert ihr euren Nacken!

In ‚Thrown to the Pigs‘ gibt es einen derart infernalischen und gnadenlos starken Scream aus Grewes Kehle, der selbst Godzilla dazu bringen würde, Tokio auf dem Expressway zu verlassen. Im Titeltrack ‚Back to Primal Sludge‘ und in ‚Flesh Grater‘ halten LEPER COLONY die Fleischhaken fest auf Kurs Richtung Trommelfellverwüstung – im absolut positiven Sinne. Auch bei ‚Seelenjäger‘ meldet sich Rogga zu Wort: „Der Dreck steckt in den langsameren Tempi. Der epische, dreckige und unglaublich eingängige Song ‚Seelenjäger‘ nimmt dich mit auf deine letzte Reise – mit vernichtenden Grooves, die durch einen Gesang noch giftiger werden, der einen bleibenden Eindruck hinterlässt.“ Überzeugt euch selbst, den Song gibt es bereits auf allen Plattformen. Mit ‚Harness the Undead‘ sowie ‚Beneath the Fat and Gristle‘ knallen euch zwei weitere OSDM-Dampfhämmer die Synapsen frei. On top endet das Album ziemlich ungewöhnlich – aber diesen Final-Clou hört ihr euch besser höchstpersönlich an.

„Back To Primal Sludge“ ist ein dreckiges, rohes Knaller-OSDM-Album geworden, mit dem LEPER COLONY genau das abliefern, was Fans des Old School Death Metal hören wollen. Der Name ist dabei Programm, denn zurück zum ursprünglichen, räudigen Todesblei geht es hier definitiv. Die Mischung aus amerikanischem und schwedischem Death Metal funktioniert erneut erstklassig, dazu kommen Grewes infernalische Growls, die Riffabfahrten von Rogga und die donnernden Drums von Jon Rudin. Besonders stark finde ich, dass die Platte trotz ihrer brutalen Gangart immer wieder mit unterschiedlichen Tempi und groovigen Passagen arbeitet, wodurch zu keiner Sekunde Langeweile aufkommt. ‚These Blades‘, ‚Thrown to the Pigs‘ und ‚Seelenjäger‘ bleiben bei mir besonders hängen, aber auch der Titeltrack und die beiden finalen Dampfhämmer machen ordentlich Alarm. LEPER COLONY bleiben ihrem eingeschlagenen Weg treu und liefern eine rohe Vollbedienung mit Grewe in Topform ab.

Tobi Stahl vergibt 8,5 von 10 Punkten