KVELERTAK – ENDLING

KVELERTAK

Titel: ENDLING

Label: Rise Records

Spieldauer: 51:08 Minuten

VÖ: 08. September 2022

KVELERTAK gründeten sich im Jahr 2007 und veröffentlichen bisher vier Studioalben. Ihre letzte Platte “Splid” erschien 2020 und war zugleich ein sehr bedeutendes Werk für die Norweger, denn ihr langjähriger Sänger Erlend Hjelvik verließ die Truppe, um auf Solopfaden zu wandeln. Spoiler: Die Jungs sind in der Spur und haben mit “Splid” ein von Presse und Fans gefeiertes Werk rausgehauen.

Landa blickt zurück auf “Splid”:

Mit “Splid” haben wir begonnen, uns mehr mit unserer lokalen Geschichte zu befassen, anstatt die überzogenen Geschichten der klassischen nordischen Mythologie zu wiederholen. Wir haben die letzten Jahre damit verbracht, in den Bergen zu wandern, uns in ländlichen Dörfern und Bibliotheken aufzuhalten und nach den wahren Geschichten unserer Vergangenheit und Gegenwart zu suchen. In einer Zeit, in der die Außenwelt für uns verschlossen war, reisten wir innerhalb der Grenzen unseres Landes und in unseren Köpfen. Was wir gefunden haben, hat uns sowohl erschreckt als auch unterhalten, und wir haben diese Geschichten in das lyrische Rückgrat dieses Albums verwandelt. Einige dieser Stimmen sind aggressiv, mit einem düsteren Blick auf die moderne Gesellschaft, während andere nostalgisch sind.

Am 08. September veröffentlichen Vidar Landa (Guitar), Bjarte Lund Rolland (Guitar, Backing Vocals), Marvin Nygaard (Bass), Maciek Ofstad (Guitar, Backing Vocals), Ivar Nikolaisen (Lead Vocals) und Håvard Takle Ohr (Drums) das fünfte KVELERTAK Studioalbum “Ending” und verfolgen thematisch ähnliche Ziele wie auf “Splid”.

Landa über “Endling”:

Auf Endling erzählen wir die Geschichten der ausgestorbenen und aussterbenden Männer und Frauen Norwegens. Alte und neue Mythen, Kultur und Rituale werden zum Leben erweckt – die Folklore, die nicht in ein TV-Serienkonzept passt. Wikinger und Trolle sind etwas fürs Fernsehen. This is the real deal.

In der Vergangenheit nahmen KVELERTAK ihre Platten überwiegend mit dem Converge-Gitarristen und Produzenten Kurt Ballou auf. Leider war eine Reise in die USA nicht möglich und so nahm das Sextett “Endling” in Norwegen auf.

Mit dem fast acht Minuten langen ´Krøterveg Te Helvete´ eröffnen KVELERTAK ihr zweites Album nach dem Weggang von Erlend Hjelvik. Das Intro des Songs geht an die vier Minuten und erhöht stetig das Tempo, bis der Gesang einsetzt und sich die komplette Spannung in einer geilen Punknummer entlädt. Mehr in den Black Metal geht ´Fedrekult´, der mit seiner rohen Art, den dreckigen Riffs und krächzendem Gesang überzeugen kann und auch ´Likvoke´ geht in Richtung Schwarzmetall, aber mit mehr Punk-Elementen und einem stimmungsvollen Chor. Punkrock mit melodischem Einschlag und Einflüssen aus dem Heavy Metal knallt ´Motsols´ aus den Boxen und lädt ein zum munteren pogen. Ein paar Folk Rock Roots sind in ´Døgeniktens Kvad´ zu hören. Nach dem treibenden Titeltrack ´Endling´, kommt mit ´Skoggangr´ eine weitere sehr eingänigige Nummer, die absolut ins Ohr geht und deren Refrain im Kopf bleibt. Auch ´Paranoia 297´ besticht durch rauen und schnellen Punk, während ´Svart September´ erneut mit Black Metal gewürzt ist. ´Morild´ beendet “Endling” wie es eröffnet wurde – mit einem Song der ein musikalischer Querschnitt des Albums darstellt und erneut an den acht Minuten kratzt.

Es gibt sicher keine Band die wie KVELERTAK in Muttersprache singen, einen Genremix aus Punk, Black Metal, Rock ‘n’ Roll und Heavy Metal in stimmungsvolle “Blackened Rock’n’Roll-Party” Musik verwandeln und dabei ihre Heimat samt der Traditionen und Folklore thematisieren. Dabei feuern die Jungs fesselnde Gitarrenklänge, knackige Drums und einen abwechslungsreichen Gesang raus, bei dem es auf Partys erstmal nicht schlimm ist, wenn man die Sprache nicht versteht. Anders sieht das zu Hause aus – da würde man die verschiedenen Inhalte schon gerne verstehen können. Von der Sprachbarriere abgesehen klingt “Endling” sehr organisch, was wohl daran liegt, dass es von der Band selbst aufgenommen wurde und sie akribisch daran gearbeitet haben. Wer KVELERTAK und ihre temperamentvolle Musik mag, der kommt an “Endling” nicht vorbei. Auch Fans der genannten Genres sollten reinhören und finden sicherlich Gefallen am stürmischen Sextett aus dem kalten Norden – die zudem auch Klavier und Synthesizer für sich entdeckt haben – welche ihre Musik abwechslungsreicher machen und zu keinem Zeitpunkt störend wirken.

Tobi Stahl vergibt 8,5 von 10 Punkten