KMFDM – ENEMY

KMFDM - Enemy

KMFDM

Titel: Enemy

Label: METROPOLIS RECORDS

Spieldauer: 44:42 Minuten

VÖ: 06. Februar 2026

Wie bereits die beiden Vorgänger „Paradise“ (2019) und „Hyëna“ (2022) ist auch das mittlerweile 24. reguläre Album „Enemy“ der deutschen EBM- bzw. Industrial-Veteranen KMFDM songtechnisch wie stilistisch wieder eine kleine Wundertüte geworden: Sicher nicht perfekt, in Sachen Zusammensetzung und Konsistenz aber einmal mehr absolut unterhaltsam – und diesmal teilweise überraschend „poppig“.

Mastermind Sascha Konietzko, seiner Partnerin und Sängerin Lucia Cifarelli, Schlagzeuger Andy Selway sowie neuerdings Tiedur Niddur an der Gitarre scheren sich erneut einen kleinen Dreck um enge Szene-Konventionen oder musikalisches Kalkül, sondern machen einfach wieder das, wonach ihnen gerade der künstlerische Sinn steht. Und genau DAS (neben einer gesunden antifaschistischen Einstellung) macht KMFDM für mich auch über 40 Jahre nach ihrer Gründung zu einer der spannendsten, sympathischsten und am meisten unterbewerteten Bands im Bereich EBM und Industrial.

Enemy

Mit dem Opener und Titelsong ‚Enemy‘ und dem düsteren, französisch gesungenen ‚L’Etat‘ gibt es zu Beginn des Albums gleich zwei gewohnt starke KMFDM-Stampfer mit Koniezko am Gesang. Aufs Gas treten KMFDM diesmal nur beim geilen Punk-Speeder ‚Outernational Interventions‘ und später noch einmal beim coolen, aber imho eher überflüssigen Instrumental ‚Gun Quarter Sue‘.

Das Herz des Albums liegt diesmal gefühlt aber klar auf den von Lucia gesungenen EBM/Wave/Pop-Perlen ‚Oubliette‘, ‚Vampyr‘, und (von Koniezkos Tochter Annabella geschriebenen) ‚Yoü‘ sowie den nicht ganz so starken ‚A Okay‘ und ‚Catch & Kill‘. Und vor allem diese ersten drei „Pop-Hits“ machen mir einfach fucking Spaß, weil sie musikalisch weiterhin eine klare KMFDM-Handschrift tragen und songtechnisch nebenbei ca. 99% gehypter Kommerz-Pop-Kacke wie Lady Gaga & Co. einfach mal so pulverisieren.

Ansonsten gibt’s zwischendrin noch eine nette relaxte Dub-Version ‚Stray Bullet 2.0‘, die mir in dieser Variante tatsächlich besser gefällt als das Original des damals insgesamt schwachen Albums „Symbols“ 1997. Und zum Schluss noch den zähflüssigen und leider stinklangweiligen Industrial-Doomer ‚The Second Coming‘, Nein, da hätte

Fazit

Natürlich kann und solle man KMFDM musikalisch heutzutage nicht mehr an glorreichen Frühwerken wie „Money“, „Angst“ und ihrem Götteralbum „Nihil“ messen. Der damalige Spirit ist aber erfreulicherweise auch Jahrzehnte später noch klar fühlbar – und in Sachen Songwriting ist Mastermind Koniezko weiterhin eine Klasse für sich. Im direkten Vergleich mit den (zuletzt wieder stärkeren) Vorgängern ist „Enemy“ keine wirkliche Steigerung, überzeugt aber gerade zu Beginn mit einer ganzen Handvoll richtig geiler Songs.

Joe Nollek vergibt 7,5 von 10 Punkten