KERRIGAN – WAYFARER

KERRIGAN

Titel: WAYFARER

Label: High Roller Records

Spieldauer: 42:35 Minuten

VÖ: 27. März 2026

Habt ihr ein bisschen Zeit? Zeit, um über traditionellen Heavy Metal aus Deutschland zu sprechen? Ja? Gut, dann reden wir über KERRIGAN. Das Quartett kommt aus dem schönen Freiburg im Breisgau, zählt seit ein paar Jahren zu den spannendsten Kapellen der Szene und hat seinen zweiten Longplayer “Wayfarer” im Lauf, bereit, das Teil abzufeuern – Release ist am 27. März 2026. 2020 kam mit dem Demo “Heavy Metal 2020” ihr erstes Lebenszeichen über die Dreisam, dem sie 2023 das Debüt “Bloodmoon” folgen ließen und damit die Herzen der Fans des klassischen Achtziger-Stahls höher schlagen ließen. Aktuell sieht das KERRIGAN-Line-up so aus: Jonas Weber (Vocals, Guitars), Bruno Schotten (Guitars), Jakob Zeblin (Bass) und Jonathan Döring (Drums). Gemeinsam widmen sie sich auf “Wayfarer” erneut dem traditionellen Heavy Metal.

“Verträumt, melancholisch und ziemlich vielseitig” – so beschreibt Gitarrist und Sänger Jonas Weber “Wayfarer”, das mehr oder weniger eine direkte Fortsetzung von “Bloodmoon” ist: “Songwriting-technisch knüpft ‘Wayfarer’ genau dort an, wo ‘Bloodmoon’ aufgehört hat. Die Idee zu ‘Blood And Steel’ entstand beispielsweise bereits während der Mixing-Phase von ‘Bloodmoon’ in den Iguana Studios, und die Demoaufnahmen zu ‘Surrender’ und ‘Wayfarer’ entwickelten sich parallel zur Arbeit am ersten Album.“

“Für mich ist die Platte alles, was ich an Bands aus den Achtzigern liebe“, ergänzt Gitarrist Bruno Schotten. “Songs, die eingängig sind, aber so viele interessante Details besitzen, dass sie nie langweilig werden. Wir haben uns gesagt: Vielleicht ist es wirklich Zeit für einen modernen Heavy-Metal-Klassiker – und ich hoffe, dass wir mit Songs wie ‘The Ice Witch’ oder ‘Blood And Steel’ diesem Ziel ein Stück nähergekommen sind. Außerdem würde ich sagen, dass ‘Wayfarer’ ein sehr abwechslungsreiches Album ist. Neben orthodoxem Speed Metal findet man dort alles – sogar einen positiven, aufbauenden Song wie ‘Fighter’.“

Aufgenommen, gemischt und gemastert wurde “Wayfarer” von Christoph Brandes in den Iguana Studios (Deutschland). Das stimmungsvolle Artwork stammt aus der Feder von Adam Burke. Die mit gut 42 Minuten Spielzeit ausgestattete Scheibe kommt als MC, CD und in tollen Vinyl-Farbvarianten raus – da lohnt der Blick zu HHR, während ich das Langeisen einem Test unterziehe – los geht’s!

Fast schon ikonisch eröffnet “Wayfarer” mit ‘Torchbearer’, dessen Guitarplay sofort ins Ohr geht, genauso wie die Voice von Jonas Weber. Mit dem treibenden ‘Asylum’ legen KERRIGAN nach. Mein erstes Highlight ist ‘The Ice Witch’, das mich mit seinen tollen Melodien, der starken Atmosphäre und seiner Dramatik abholt – dieser Refrain und das langgezogene “Icequeeeeeeeen” brennen sich in die Ohren, und das im ultrapositiven Sinn. In ‘Surrender’ werden KERRIGAN druckvoller, drückender, und bereits zu Beginn schallt ein deftiger Scream durch den Raum – ganz so, wie es die Tradition verlangt. Im weiteren Verlauf des Tracks feuern die Badener wilde Schlagzeugattacken raus, fette Riffs und weitere Screams – crushing Heavy Metal, der auch den letzten True Metaller vor Freude headbangen lässt. ‘Wayfarer’ kommt im Stil der ersten Nummern, und es ist so, als würde man tatsächlich auf eine Reise gehen, Abenteuer erleben – und all das erzeugt dieser Song in seinen vier Minuten Spielzeit. Nach vorne marschieren KERRIGAN in ‘Blood And Steel’, das fast eine kleine Hommage an MANOWAR sein könnte, aber viel geiler klingt als alles, was die Truppe in ihrer späteren Zeit veröffentlichte. In ‘Dystopia’ hört man ein paar IRON MAIDEN-Vibes raus – zumindest zum Start des flotten Headbangers empfinde ich das so. Apropos Headbanger: Die kommen auch im Ohrwurm ‘Fighter’ auf ihre Kosten und dürfen sich während des finalen ‘Red Light Tower’ ein bisschen erholen – der nächste Albumdurchgang wartet nämlich bereits.

Wenn sogar der Ohrwurm lange Haare hat und headbangt, dann hört er wohl “Wayfarer” von KERRIGAN. Im Ernst: In der Szene wird sich des Öfteren Gedanken über die Nachfolger der Kultbands der 80er gemacht. Wenn man sich aber gerade in der Szene rund um den klassischen Heavy Metal umschaut, sieht man, dass es da eigentlich keinen Grund zur Sorge gibt, denn der Nachwuchs ist da, scharrt mit den Hufen – er müsste “nur” gepusht werden. KERRIGAN beispielsweise würden definitiv in die Support-Slots diverser großer Kapellen passen und könnten so ihren geilen Stil einer breiten Masse präsentieren.

“Wayfarer” ist ein toller Mix aus knackigen Bangern und melodiösen Songs, die einladen, sich in der Musik zu verlieren – vielleicht sogar beim Betrachten des Artworks, während man den Titelsong hört?! Dazu kommt dieses spürbare Achtziger-Flair mit treibenden Speed-Metal-Momenten, epischen Refrains oder dramatischen Hooks wie in ‘The Ice Witch’ – KERRIGAN verbinden Tradition mit frischer Energie und zeigen, wie “modern” klassischer Heavy Metal 2026 klingen sollte.

Tobi Stahl vergibt 8,5 von 10 Punkten