JOSEPH THOLL
Titel: IT MIGHT BE ART
Label: High Roller Records
Spieldauer: 33:47 Minuten
VÖ: 12. Juni 2026
„It Might Be Art“ meint der schwedische Gitarrist, Songwriter und Sänger JOSEPH THOLL auf seiner zweiten Solo-Scheibe. Und meiner Meinung nach trifft er mit diesem Titel und dem Album bei mir voll ins Schwarze: Solch kompakte, unprätentiöse, generationen- und stilübergreifende und dadurch wiederum irgendwie zeitlose Rock-Songs zu schreiben, ist meiner Meinung nach wirklich eine kleine Kunst.
Joseph Tholl
Wem der Name JOSEPH THOLL kein Begriff sein sollte, dem kann schnell geholfen werden. Joseph spielte unter anderem bis 2019 bei den Speedmetallern Enforcer, hat mit Black Trip und deren Nachfolgern Vojd zwei zurecht abgefeierte Classic-Rock/Metal-Alben abgeliefert und zupft seit 2020 sowohl bei den Goth-Deathern Tribulation als auch bei den Kult-Metallern Tyrann die sechs Saiten.
Auf seinen rockigen Solo-Alben kombiniert JOSEPH THOLL musikalischen Einflüsse von 70er Classic und Psychedelic Rock über 80er AOR und Dark Wave/Rock bis hin zum 90er Garage-, Post- und Pop-Rock. Von Byrds, Journey und Kansas über The Cure, Dead Can Dance und Smashing Pumpkins bis hin zu Dead Lord, Horisont, H.E.A.T., Spell und Unto Others kann man alles mögliche heraushören.
Verwirrend? Von der Beschreibung her sicher. Wenn man die Songs hört, macht das alles aber plötzlich einen Sinn und klingt im Endergebnis auch wunderbar eigentständig und frisch.
IT MIGHT BE ART
Songs wie der Opener ‚New Dawn‘, ‚Oh The Madness‘, ‚Invocation Of The Evening Star‘, ‚I Syrenens Tid‘ und ‚On Velvet Waves‘ sind einfach kleine Uptempo-AOR-Hits mit punkrockiger, darkwaviger und sogar etwas britpoppiger Schlagseite.
Meine persönlichen Highlights sind aber die wunderbar verträumten Songs ‚I’m In Darkness‘ und der Titeltrack ‚It Might Be Art‘, die den Spirit von Bands wie Spell oder Unto Others wunderbar mit sehnsüchtigen Gothic Vibes von Cure und Dead Can Dance verbinden.
Auch toll und erwähnenswert ist der coole Closer ‚The Burial‘, der beide Welten irgendwie optimal und absolut athmosphärisch verbindet und sogar noch einige Johnny-Cash-Vibes reinbringt.
FAZIT
Ist die Musik von JOSEPH THOLL (noch) Metal oder Hardrock? Vom Härtegrad her nur teilweise, von den Songstrukturen und Vibes her aber definitiv. Wer gerne über Genre-Grenzen hinweg sieht und/oder einige der oben genannten Acts abfeiert, kann mit „It Might Be Art“ ein musikalisches Kleinod entdecken.
Tolles Album, das von der Hitdichte her nicht ganz an den einfach fantastischen Vorgänger „Devil’s Drum“ rankommt, mir persönlich aber mehr Spaß macht als 98% sonstiger 08/15-Releases im Metal-Bereich.
Joe Nollek vergibt 9 von 10 Punkten


