IRON JINN
Titel: ZEITGEIST ON THE RUN
Label: Suburban Records
Spieldauer: 66:19 Minuten
VÖ: 19. September 2026
Zuerst ein paar Fakten. IRON JINN kommen aus dem niederländischen Arnhem. An der Gitarre findet man Oeds Beydals, der eventuell von The Devil’s Blood bekannt ist. In der Diskographie findet sich ein selbstbetiteltes Debütalbum und ein Livealbum. Das wurde beim renommierten Roadburn mitgeschnitten. Für mich wäre das wohl der beste Hinweis, was mich hier erwartet.
Ich würde dem Ganzen ein Etikett verpassen, auf dem grob steht, sphärisch psychedelischer Kult Rock. Schräge Sounds und zarte Tonfolgen sind miteinander verflochten. Düsternis und Licht stehen nahe beieinander. Die Orgel perlt wie Wasser an einer Fensterscheibe. Der Gesang kraftvoll und dennoch zerbrechlich. Und jeder Ton, jeder Takt bekommt die Zeit, die er braucht.
´Sayonara´ vertritt die kraftvolle, fast laute Variante des Sounds von IRON JINN. Noch wirkungsvoller aber, wenn sie wie in ´The Glass Wall´ eher schwebend verträumt agieren. Das aber mit Zwischentönen, die den Traum zu einem Alptraum verwandeln. Schmerzvoll kreischt eine Gitarre. Bedrohlich treibend erfolgt ´Landing On A Dream´. Hier spukt es. Die Hexen tanzen zum Sabbat. Mensch und Satyr gibt sich dem Bacchanal hin. Oberon und Titania tanzen ums Feuer. Ein Sommernachtstraum, in dem Puck Mensch und Geister foppt.
Man kann die Musik kaum beschreiben. Zu vieles passiert. Ungewohntes und Neues, wie es scheint und doch so alt wie Rockmusik sein kann. Ein Zaubergarten aus Klängen, Harmonien und Dissonanzen. Manches klingt schlicht und ist so komplex wie das Leben. Anderes erscheint kompliziert und verkopft und ist so einfach wie das Leben.
Kurz vor Schluß mein Highlight. ´Can I Watch´ klingt für mich wie eine finstere Country Ballade, so als ob Johnny Cash noch einmal tief aus dem Grabe zu uns singt. Mit ´The Futurist´ haben die Niederrocker dann ihren längsten Song vom Album als Single ausgekoppelt. Das muss man sich erst mal trauen. Doch so viel sei verraten, die Nummer ist es allemal wert. Hier trifft Jazz auf Rock, Minimal Music auf Rock, Drama auf Gefühl.
„Zeitgeist On The Run“ ist nichts für Zwischendurch. Das will erhört werden. Erarbeitet. Mit Konzentration und Zeit. Und dann entfaltet dieses Werk erst Recht seine Wirkung.
Mario Wolski vergibt 9 von 10 Punkten


