GRAVETY
Titel: OF CULTS AND CHAOS
Label: Barhill Records
Spieldauer: 46:09 Minuten
VÖ: 05. Juni 2026
Die saarländischen Epic-, Heavy- und Doom-Metaller GRAVETY ziehen mit “Of Cults And Chaos” über Barhill Records/Cargo Records zum dritten Mal in die Schlacht. Bereits auf ihrem Debüt “Into The Grave” (2012) zeigte die Band eine Vorliebe für klassischen Heavy Metal, epische Geschichten und atmosphärische Klangwelten. Mit “Bow Down” (2021) gelang den Saarländern dann ein deutlicher Schritt nach vorne: Der Epic-Metal-Anteil rückte stärker in den Fokus, Fantasy- und Sword-and-Sorcery-Einflüsse prägten das Album, das von vielen als klare Steigerung zum Debüt bewertet wurde und erstmals auf Vinyl erschien. Das zweite Werk ist aktuell weiterhin erhältlich. Heute besteht GRAVETY aus Kevin Portz (Vocals), Philipp Albert und Gernot Gebhard (Guitars), Simon Schmitt (Bass) sowie Lukas Didion (Drums). Mehrere Mitglieder teilen die Liebe zu klassischem Heavy Metal – BLACK SABBATH und SAVATAGE tauchen mehrfach unter den Lieblingsbands auf –, aber auch zu Filmen, Gaming und allem rund ums Musikmachen. Das dürfte kaum Zufall sein, denn für Album Nummer drei verabschieden sich GRAVETY zunehmend von Schwert-und-Zauberei-Themen und wenden sich, inspiriert von H.P. Lovecraft sowie John Carpenters “Apocalypse Trilogy”, düstereren Geschichten voller Kult-Rituale, kosmischem Horror und unheilvoller Atmosphären zu. Laut Band ist “Of Cults And Chaos” doomiger, schwerer und bedrohlicher als alles zuvor Aufgenommene.
Hinter GRAVETY steht ohnehin mehr als Musik: 2019 erhob sich laut Bandlore die verfluchte Entität Cryptor aus den Tiefen der Saar, nachdem sie lange gefangen gehalten wurde. Cryptor erwählte GRAVETY als seine Bearers Of Steel, um Geschichten über vergessene Welten und übernatürliche Mächte zu erzählen. Passend dazu zeigt das Cover von Velio Josto das Maskottchen Cryptor bei einem uralten Ritual zur Beschwörung der Great Old Ones. Aufgenommen, gemischt und gemastert wurde das Album von Gitarrist Gernot Gebhard im eigenen Studio, während Patrick W. Engel das Vinyl-Mastering übernahm. Die Children Of The Grave dürfen sich freuen: “Of Cults And Chaos” erscheint auf farbigem und schwarzem Vinyl, als CD sowie digital. ‘Lament For The Unknown’ eröffnet “Of Cults And Chaos” erzählerisch und wahnsinnig spannungsgeladen, ehe Spoken Words in eine düstere Beschwörung übergehen, die sich auf Cthulhu, R’lyeh und uralte Schrecken aus dem Lovecraft-Universum bezieht. Der vorgetragene Schwur wird im Chorus wieder aufgegriffen und sorgt dafür, dass die unheilvolle Atmosphäre sofort greifbar wird. Schwer doomig und episch erhebt sich ‘Cryptor’s Calling’, während beschwörende Vocals die Geschichte um die uralte Entität Cryptor weiterspinnen. Einst aufgrund eines alten Grolls unter dem Fluss Savarus gefangen gehalten, sprengt Cryptor seine Ketten und kehrt zurück. Die harschen und fordernden „Rise! Cryptor rise!“-Chöre verstärken den düsteren Sog zusätzlich – atmosphärisch, bedrohlich und verdammt stark umgesetzt.
Wind, Donner und Krähen eröffnen ‘The Forgotten Village’, ehe zwischen schweren Drums und Gitarren Glockengeläut ertönt. Headbanger können den Groove dankbar mitnehmen, denn der frisst sich schnell in die Ohren. Die ohnehin intensive Nummer gewinnt im Verlauf zunehmend an Wucht, während die Vocals räudiger werden und die Instrumente immer mehr Feuer entfachen. Inhaltlich erzählt der Song von der Suche nach einer neuen Heimat, dem Ruf eines Kults und der Hingabe an einen neuen Gott, ehe Chaos, Gewalt und Blutvergießen endgültig übernehmen. Die Eröffnung von ‘Bane In The Black Cloud’ besitzt durchaus IRON-MAIDEN-Vibes, ehe Spoken Words von ewigem Schlaf, kaltem Hass und Schatten erzählen, die sich auf die Ankunft von Ur-SaQaac vorbereiten. Danach setzt Kevin Portz’ Gesang ein und hält die bedrohliche Stimmung hoch. Im letzten Teil der über sechseinhalb Minuten langen Nummer zündet GRAVETY dann nochmals ordentlich und serviert knackigen Heavy Metal mit atmosphärischen Elementen. Als eine von drei Vorab-Singles wurde ‘Cosmic Truth’ veröffentlicht und entpuppt sich schnell als verdammt knackiger Banger mit einem Riffing, das absolut Bock macht. Trotz aller Wucht fehlen die ruhigeren Momente nicht, wodurch die Nummer zusätzlich an Tiefe gewinnt. Inhaltlich kreist der Song um kosmische Wahrheiten, Wahnsinn, Macht, Wissen und den Versuch, menschliche Grenzen zu überwinden, bis Tod und Wiedergeburt zum Schlüssel für den Aufstieg in eine andere Dimension werden. Mit ‘Outpost 31’ folgt die nächste klare Referenz an John Carpenters “The Thing”. Erneut eröffnet eine Erzählstimme und zitiert R. J. MacReady, den Hubschrauberpiloten der US-Station 31, während kleinere Soundeffekte die Atmosphäre zusätzlich greifbarer machen. Dazu gesellen sich creepy Voices und gewohnt qualitativ starke Underground-Kost, die den unheilvollen Charakter der Nummer durchgehend hochhält. ‘Brotherhood Of Sleep’ verneigt sich deutlich vor John Carpenters “Prince Of Darkness” und beginnt zunächst ruhig mit einer Erzählstimme über Traumübertragungen, die keine Träume sein sollen. Mit der Zeit werden die Drums fordernder, die Gitarren zunehmend wuchtiger, bevor GRAVETY wieder Luft für Atmosphäre schaffen. Die Nummer lebt von dunklen Geheimnissen, unheilvollen Andeutungen und einer Stimmung, bei der man ahnt: Das hier nimmt kein gutes Ende. Mit ‘Into The Mouth Of Madness’ folgt eine weitere Verbeugung vor John Carpenter. Die Saarländer fahren hier nochmals ihre Trademarks aus Heavy, Epic und Doom Metal auf, während die Reise nach Hobb’s End immer tiefer in den Wahnsinn führt und Vernunft zunehmend keine Rolle mehr spielt. Ein starker Song, der atmosphärisch funktioniert und die düstere Ausrichtung von “Of Cults And Chaos” nochmals unterstreicht.
Mit “Of Cults And Chaos” liefern GRAVETY ihr bislang stärkstes Album ab und beweisen eindrucksvoll, dass der Schritt weg von klassischen Sword-and-Sorcery-Themen hin zu kosmischem Horror, düsteren Kulten und unheilvollen Geschichten genau der richtige war. Die Saarländer verbinden Heavy-, Epic- und Doom-Metal mit starken Atmosphären, spannenden Erzählungen und Riffing, das immer wieder verdammt viel Bock macht. Trotz aller Schwere wirkt das Album nie eintönig, sondern lebt von seinen Wechseln zwischen Druck, Epik und ruhigeren Momenten. Dass GRAVETY hörbar gereift sind, zeigt sich nicht nur im Songwriting, sondern auch darin, wie selbstverständlich Lovecraft, John Carpenter und die eigene Cryptor-Lore miteinander verschmelzen. GRAVETY ziehen zum dritten Mal mit ihrem bislang schärfsten und eindrucksvollsten geschmiedeten Stahl in die Schlacht und kehren mit einer Ausbeute von neun verdammt starken Songs zurück, die nun an ihre Children Of The Grave weitergereicht werden.
Tobi Stahl vergibt 9 von 10 Punkten


