FLESHCRAWL
Titel: EPITOME OF CARNAGE
Label: Distortion Music Group
Spieldauer: 47:52 Minuten
VÖ: 12. Juni 2026
Illertissen – keine Weltstadt, aber die Heimat des FV Illertissen. Kenner der unteren Fußballligen haben den Namen sicher schon gehört, auch im DFB-Pokal war man bereits vertreten. In der Champions League haben die bayerisch-schwäbischen Einwohner aber ebenfalls jemanden am Start – zumindest sehe ich das so – und dieser Teilnehmer der Eliteliga heißt FLESHCRAWL. Die Death-Metal-Truppe wurde im Frühjahr 1987 eben dort, im idyllischen Illertissen, von Stefan Hanus und Bastian Herzog gegründet. Zunächst war man unter dem Namen MORGÖTH aktiv, doch 1990 wechselte man musikalisch deutlich in extremere Gefilde und trat kurzzeitig unter dem Namen SUFFOCATION auf – die gab es allerdings bereits in den USA, weshalb eine erneute Namensänderung notwendig wurde. So entstand schließlich FLESHCRAWL.
Der Blick zurück führt nach 1991: Damals veröffentlichte man die 7″-EP “Lost In A Grave” über Morbid Records – das erste Lebenszeichen von FLESHCRAWL. 1992 wurde bei Black Mark Production ein Vertrag unterzeichnet, im Montezuma Studio in Stockholm das Debütalbum “Descend Into The Absurd” aufgenommen und veröffentlicht. Bei “Impurity” ersetzte Mike Hanus Gero Schmitt an der Gitarre – die Platte wurde im Unisound Studio unter der Leitung von Dan Swanö aufgenommen. Hier eine kleine (Eckpfeiler-)Auflistung, wie es nach “Impurity” weiterging:
- 1995 Veröffentlichung von “Bloodsoul” und weitere Festigung des kompromisslosen Death-Metal-Sounds
- 1997 Erscheinen von “Bloodred Massacre”, das FLESHCRAWL internationale Aufmerksamkeit im Death-Metal-Underground einbrachte
- Ende der 1990er Jahre umfangreiche Europa-Tourneen mit VADER und KATAKLYSM sowie Festivalshows mit CANNIBAL CORPSE und DARK FUNERAL
- 2000 Veröffentlichung von “As Blood Rains From The Sky – We Walk The Path Of Endless Fire” – bis heute eines der wichtigsten Alben der Bandgeschichte
- 2001 Veröffentlichung von “Soulskinner” sowie weitere internationale Tourneen und Festivalauftritte
- 2002 Auftritt beim Wacken Open Air und erste Japan-Tour im Vorprogramm von HYPOCRISY
- 2004 Veröffentlichung von “Made Of Flesh” als kompromisslose Fortsetzung des eingeschlagenen Death-Metal-Weges
- 2007 Rückkehr mit dem druckvollen Album “Structures Of Death”
- 2019 Veröffentlichung des neunten Studioalbums “Into The Catacombs Of Flesh”
- 2022 Rückkehr auf internationale Festivalbühnen nach der pandemiebedingten Pause
- 2026 Veröffentlichung des zehnten Studioalbums “Epitome Of Carnage”
Im Hier und Jetzt angekommen wollen wir die Lupe auf “Epitome Of Carnage” legen, das am 12. Juni 2026 über DMG erscheinen wird und dessen schickes Artwork aus der Feder von Simon Bossert stammt. Ich bin sehr gespannt darauf, was Bastian Herzog (Drums, Vocals), Manu Markowski (Bass), Apu Justin Reisch (Guitars), Christian Kalbrecht (Guitars) und Borisz Sarafutgyinov (Vocals) in ihrem blutigen Fleischeintopf angerichtet haben. Insgesamt teilen sich 12 Tracks eine Spielzeit von gut 47 Minuten.
‘Blood Dominion’ – gleich im Auftakt scheppert’s gewaltig, ein volles Death-Brett in die Fresse – und das auch lyrisch, in einer Welt der Blutherrschaft ohne Mitleid oder Mitgefühl für andere. Böse wird’s in ‘Chapel Of Guts’ – einer Kapelle, in der es den Eingeweiden an den Kragen geht. Ich bin mir sicher: Wenn die blutgetränkte Nummer live auf anwesende Deathheads niederballert, gibt’s auch ein bisschen Rumoren in den Eingeweiden – spätestens wenn der Bass zuschlägt und die Vocals einschlagen. Der Priester der Toten ist Thema in ‘Grave Messiah’. Hier möchte ich die Gelegenheit nutzen, um Borisz Sarafutgyinov zu loben – diesen grantigen Rotz bekommt nicht jeder so geil hin. Man spürt fast, wie die Organe aus den Lautsprechern quillen. Weiter geht’s mit ‘Embers Of Wrath’, einem Lied, das sich um Zorn, Schmerz, innere Zerstörung und Gewalt als Folge von Hoffnungslosigkeit dreht und ein düsteres Bild von Menschen malt, die gebrochen, ausgebrannt und vom Leben gezeichnet sind. Bedrückend, aber mit gnadenlos starken Riffs ausgestattet, ist die Nummer bis hierhin mein Favorit.
Wie eine Walze kommt ‘Committed To Suffer’ über euch, drückt euch in Couch, Sessel oder gar an die Wand und feuert permanent schwere Gitarrensalven und Drumbeats auf euch ab. ‘Reign Forever’ lädt zum gepflegten Massen-Nacken-Yoga ein, denn live muss das Ding einfach zünden und entsprechend gezockt werden. Instrumental geht’s in ‘Chronicles Of Bloodshed’ weiter, bevor ‘Rebuilt From Flesh’ euch nach den instrumentalen Sekunden direkt in den Arsch tritt und sich ‘Orphan God’ nahtlos in die Liste der urgewaltigen FLESHCRAWL-Hymnen einreiht. Die Jungs an den Instrumenten liefern in ‘Path Of Thorns’ eine bockstarke Performance ab. Gerade der Kontrast zwischen deftigem Geballer und den etwas ruhigeren Momenten ist stark inszeniert. Zeitgeschehen kann man in ‘Heralds Of Death’ finden, denn die Todesboten sind in vielen Ländern aktiv und bringen den Tod mit sich. Das Finale ‘Of Fire And Flesh’ ist im selben blutigen Wasser geboren wie seine Vorgänger – zurücklehnen und genießen ist angesagt, bevor man die Repeat-Taste drückt, um sich das böse Ding vom Album direkt nochmal reinzuziehen.
FLESHCRAWL liefern mit “Epitome Of Carnage” genau das ab, was man sich von einer erfahrenen Death-Metal-Instanz erhofft: kompromisslose Härte, tonnenschwere Riffs, wuchtige Drums und eine düstere Atmosphäre, die sich wie ein blutiger Schleier über die gesamte Spielzeit legt. Die Band bleibt ihren Old-School-Wurzeln treu, wirkt dabei aber weder angestaubt noch ideenlos. Stattdessen knallt einem hier ein ehrliches, direktes und brutal ehrwürdiges Death-Metal-Brett entgegen, das sowohl langjährige Fans als auch Freunde der härteren Gangart problemlos abholen dürfte.
Besonders stark ist dabei, dass FLESHCRAWL trotz aller Gewalt und Aggression immer wieder genügend Dynamik und Atmosphäre einbauen, damit die knapp 47 Minuten nicht eintönig wirken. Die Mischung aus walzenden Midtempo-Passagen, aggressiven Attacken und den grantigen Vocals von Borisz Sarafutgyinov funktioniert hervorragend und zeigt eine Band, die genau weiß, wie Death Metal zu klingen hat. “Epitome Of Carnage” ist keine Neuerfindung des Genres – will es aber auch gar nicht sein. Stattdessen zelebrieren FLESHCRAWL ihre Stärken mit voller Überzeugung und liefern ein Album ab, das böse, roh und verdammt effektiv aus den Boxen drückt.
P.S.: Auch nach allen 12 Tracks bleibt ‘Embers Of Wrath’ mein persönlicher Favorit des Albums. Das Lied dreht sich um Zorn, Schmerz, innere Zerstörung und Gewalt als Folge von Hoffnungslosigkeit und malt ein düsteres Bild von Menschen, die gebrochen, ausgebrannt und vom Leben gezeichnet sind. Bedrückend, aber mit gnadenlos starken Riffs ausgestattet, entfaltet die Nummer genau die Atmosphäre, die “Epitome Of Carnage” insgesamt so stark macht.
Tobi Stahl vergibt 8,5 von 10 Punkten


