FIRTAN
Titel: HELIOS
Label: AOP Records
Spieldauer: 63:27 Minuten
VÖ: 02. Oktober 2026
FIRTAN wurden vor über zehn Jahren gegründet und haben sich seitdem in der deutschen Extreme-Metal-Szene einen Namen gemacht. Durch ihre dynamischen Liveshows ging es dabei auch über die Grenzen Deutschlands hinaus. Das aktuelle Line-up besteht aus Phillip Thienger (Vocals, Lead-Gitarren), Oliver König (Bass), David Kempf (Schlagzeug), Chris S. (Gitarren), Klara Bachmair (Violine) und Lukas Massinger (Gitarren). Im Oktober 2026 erscheint mit „Helios“ das fünfte Studioalbum der Band und zugleich der Nachfolger von „Ethos“ aus dem Jahr 2024. Nach ‚The Hierophant Way‘ feat. James Dorton von NE OBLIVISCARIS wurde mit ‚Ascension‘ bereits die zweite Single veröffentlicht. Die „Helios“-Tour bringt das neue Material anschließend auch auf die Bühne. Der Titel „Helios“ steht für die Sonne und damit sinngemäß für den Weg zur Erleuchtung – allerdings nicht als Flucht, sondern als Eroberung. Es geht darum, zur stärksten und klarsten Version seiner selbst zu werden, während eine Welt voller Ablenkung und Verfall dagegenhält. Musikalisch verbinden FIRTAN die rohe und atmosphärische Gewalt des Black Metal mit der Schwere des Death Metal. Akustische und elektrische Violine, verschiedene weitere akustische Instrumente, ritualistische Chants und analoge Synthesizer erweitern den Sound und treffen auf komplexe Riffs sowie überraschende musikalische Wendungen. Aufgenommen, gemischt und gemastert wurde „Helios“ mit Markus Stock in der Klangschmiede Studio E, der zusätzlich Synthesizer beisteuert. Das Coverfoto stammt von Luis González Palma, für Layout und Design zeichnet Oliver König verantwortlich, die Zeichnungen kommen von David Kempf und die Bandfotos von Oliver König und Kathrin Told. Bei ‚The Hierophant Way‘ übernimmt James Dorton von NE OBLIVISCARIS und BLACK CROWN INITIATE die Gastvocals, während Christian Höll von VINSTA bei ‚Shadows of a Dawn Unborn‘ Sopransaxofon beisteuert. Gut 63:20 Minuten stehen auf dem Programm – also reichlich Zeit für mich, zusammen mit FIRTAN „Helios“ Stück für Stück unter die Lupe zu nehmen, in ihren schwarzen und schweren Sound einzutauchen und die musikalische Reise von der Dunkelheit in Richtung Licht anzutreten. Mal schauen, was der fünfte Silberling der deutschen Schwarzmetaller in meinen Gehörgängen anrichtet.
60 Sekunden, das ist die Spieldauer des Intros ‚Himsa‘, das die Ohren mit feinen Violinenklängen umschmeichelt und nahtlos in ‚Kalikas Tongue‘ übergeht. Der zweite Song ist dann kein Ohrenschmeichler mehr, hier geht es zu 100 % düsterer und gehaltvoller zu. Zwar setzt Streicherin Klara Bachmair weiterhin tolle Akzente, die Bühne gehört aber den tiefen Growls von Sänger Phillip Thienger und seinen Mitstreitern an den Instrumenten. Nach dem Spoken-Word-Intro wird ‚Ambrosia‘ zu einer durchaus wütenden Nummer, die im Verlauf beschwörende Passagen und pechschwarzes Feuer aus den Boxen strömen lässt. In ‚Solis Currus‘ halten FIRTAN die symphonischen und pechschwarzen Segel unbeirrt auf Kurs, es gibt aber auch diese Phasen, in denen das Wasser ruhig wirkt – das passiert dann, wenn die Violine ihr Solo hat und die gespenstisch tiefen gutturalen Gesänge sie untermalen. Nach dem ersten Viertel, also vier der zwölf Songs von „Helios“, ist ‚Ascension‘ der Opener des zweiten Abschnitte. Warum ich das so beschreibe? Nun, die Seven-Minute-Hymne startet einladend à la: Setz dich hin, mach es dir bequem, bevor wir dir die Haare neu verföhnen. Sicher, das Lied lebt nicht einzig durch seine extreme Gangart, auch die etwas zurückhaltenden Parts und dezent eingesetzten Female Vocals tragen maßgeblich zum Gesamtbild von ‚Ascension‘ bei. Die Singleauskopplung beschreibt den Weg aus der Dunkelheit und Gefangenschaft hin zu Licht, Erkenntnis und der Rückbesinnung auf das eigene Wesen. Schmerz und Zweifel werden dabei zu Prüfungen auf dem Weg nach oben, während der Erzähler die Dunkelheit hinter sich lassen und die eigene innere Kraft wieder freisetzen will.
Mit knapp unter fünf Minuten Spielzeit ist ‚Wide Open Eye‘ nicht nur eine „kompakte“, nervenzerfetzende und rasiermesserscharfe Moshpit-Nummer, sondern auch die Gelegenheit, ordentlich Nacken-Yoga zu betreiben. Der Titeltrack ‚Helios‘ bietet sich super an, um die instrumentale Leistung des Sextetts zu loben, das es versteht, auch ohne durchgehende Gesänge mitzureißen – das Lied ist aber natürlich nicht rein instrumental, die Growls kommen angeraunzt, so viel ist sicher. Nach ‚The Form Revealed‘, das ebenso knallt wie ‚Wide Open Eye‘, eröffnet ‚Revealing Prana‘ das letzte Viertel der Platte. ‚The Hierophant Way‘ und das finale BATHORY-Cover ‚Man of Iron‘ gab es bereits als Singles. ‚The Hierophant Way‘ mit James Dorton beschäftigt sich mit dem Weg zur inneren Wandlung und der Suche nach Erleuchtung. Licht und Dunkelheit, innere Dämonen und die eigene Wiedergeburt stehen sich gegenüber, während der „Hierophant Way“ den Pfad zu einer neuen, stärkeren Version des eigenen Selbst beschreibt. Die Bilder von goldenem Licht, dem Verlassen der inneren Finsternis und der „arcane shrine of the hyperborean“ verleihen dem Song dabei eine mystische und ritualistische Note. Über ‚Man of Iron‘, die Verbeugung vor einer Band, die wie kaum eine andere die Entwicklung von Black Metal und später auch des epischen Viking Metal geprägt hat, muss eigentlich nicht viel gesagt werden. ‚Shadows of a Dawn Unborn‘ liegt als Song 11 zwischen diesen beiden bockstarken Nummern, weiß sich aber mühelos zu behaupten!
„Helios“ ist für mich ein richtig starkes Album geworden, mit dem FIRTAN ihren schwarzen und schweren Sound auf eine verdammt interessante Art und Weise weiterführen. Die Violine ist dabei für mich ein ganz wichtiger Bestandteil, denn sie sorgt immer wieder für diese besonderen Momente zwischen Wucht, Melancholie und den düsteren Klangwelten der Band. Dazu kommen die tiefen Growls, die starken Gitarren, die drückende Rhythmusfraktion und die immer wieder eingestreuten ruhigeren Passagen. Gerade diese Wechsel machen die Platte für mich spannend und geben ihr mehrere Stimmungsebenen. Die Female Vocals dürfen für meinen Geschmack trotzdem gerne noch öfter zum Einsatz kommen, denn auch diese Facette passt richtig gut zu FIRTAN. Technisch gibt es an der gesamten Mannschaft absolut nichts zu mäkeln und auch das BATHORY-Cover ‚Man of Iron‘ ist richtig geil aufgemacht. Mein Favorit ist ‚Shadows of a Dawn Unborn‘, das mit den Female Vocals und Christian Höll von VINSTA an seinem Sopransaxofon einen ganz besonderen Touch hat. „Helios“ ist damit für mich ein Album, das seine Wirkung vor allem dann entfaltet, wenn man sich auf diese Mischung aus schwarzer Wucht, Violine, Melancholie und den ruhigeren Momenten einlässt. FIRTAN haben hier ordentlich einen rausgehauen.
Tobi Stahl vergibt 9 von 10 Punkten


