EXHORDER – Mourn the Southern Skies

EXHORDER

Titel: Mourn the Southern Skies

Label: NUCLEAR BLAST / WARNER

Spieldauer: Minuten

Nur der unrealistischste Fantast konnte ernsthaft erwarten, dass Exhorder fast 30 Jahre nach “Slaughter In The Vatican” und insbesondere dem bahnbrechenden Monster “The Law” noch einmal die unfassbare Intensität und Wucht dieser brachialen Thrashbratzen würden entfachen können. Daher versteigen sich Vinnie LaBella und Kyle Thomas auch gar nicht erst zu einem halbgaren, zum Scheitern verurteilten Versuch, sondern nehmen den Groove ihres 1992er Klassikers und mischen diesen mit teils sludgigen, an Down gemahnenden Nola-Vibes (“Asunder” oder “Arms Of Man”). Heraus kommt dabei ein noch immer absolut explosives Gemisch, Kyle Thomas lässt in dem ein oder anderen Refrain noch den Hooligan aus sich heraus (“Hallowed Time”) und hat auch mit über 50 noch ordentlich Dampf auf den Stimmbändern, während die auf LaBellas Riffs basierende Gitarrenarbeit weiter Kreissägenpotenzial besitzt (zumal der Gitarrensound genauso knallt, wie man es sich bei Sacred Reich gewünscht hätte). Und Obacht: da gibt es ja auch noch das superbe “My Time”, “Beware The Wolf” oder die olle Maschinengewehrsalve “Ripping Flesh”, die jeden Thrashomaten um den Verstand bringen sollten. So richtig vom Leder ziehen Exhorder jedoch im Midtempo, in dem man noch immer jeder anderen Band gentleman-like die Kauleiste zu polieren versteht. Dabei klingt sporadisch der melodische Ansatz von Kyle Thomas´ ehemaligem Baby Floodgate nach und man kann spannender Weise auch nachvollziehen, wie nachhaltig das gerade im Downtempo alles zermalmende “The Law” auch Spuren im Doom hinterlassen hat (etwa bei den Ungarn Magma Rise: “Yesterday´s Bones”). Dabei wünschte man sich nach einer Weile jedoch bei dem einen oder anderen Song, in dem Thomas sich von der schieren Wucht der Riffs übermannen lässt, packendere Hooks (stellvertretend: “All She Wrote”). Der elefantöse Titeltrack rechtfertigt mit seinen epischen Südstaaten-Vibes gone Thrash Doom dann jedoch knappe acht Punkte für eine starkes Comeback-Album. Auf dem nächsten Album sollte man noch mehr Mut beweisen und Thomas letztgültig von der Leine lassen, damit er sein melodisches Gespür einfließen lassen kann.

obliveon vergibt 8 von 10 Punkten