ENTIERRO – THE GATES OF HELL

ENTIERRO

Titel: THE GATES OF HELL

Label: Independent

Spieldauer: 29:09 Minuten

VÖ: 19. Oktober 2023

Spanischer Bandname? Macht neugierig. Her damit!

Aber, es sie kommen weder aus Spanien noch aus dem Süden Amerikas. ENTIERRO sind in Connecticut zu Hause und im Heavy Metal daheim. Ich darf nämlich feststellen, das sind nicht ganz Unbekannte. Die Band hat schon eine längere Diskographie. Und die Namen der beteiligten Musiker  könnte man auch schon gehört haben. Zumindest Gitarrist Victor Arduini (Arduini/Balich, Ex-Fates Warning) ist da zu nennen. Sänger Christopher Taylor Beaudette kennt man vielleicht von Kings And Liars oder Kingdom Of Sorrow. Der zweite Gitarrist heißt Christopher Begnal. Neu an den Drums ist Dave Parmelee (One Master, Sperm Donor) zu finden. Da darf man schon gute Qualität erwarten.

Kennt Ihr das? Man ist im Auto unterwegs, irgendwo auf dem Land. Vor einem schließen sich die Bahnschranken. Es dauert nicht lang, da kommt ein Zug gefahren. Ganz am Anfang eine Lokomotive. Ein echter Blickfänger. Knallig rot, vielleicht mit „Rallye-Streifen“ und Heckspoiler. Das weckt die Aufmerksamkeit. Wie die Eröffnung der Scheibe, dem Titeltrack. Ein schweres Riff zum Einstieg, dann geht das Tempo hoch und ordentlich Druck im Kessel erzeugt. Ein wenig kommt die Nummer wie Power Doom. Düster und dunkel aber in gehobener Geschwindigkeit. Dazu kommt der tiefergelegte, druckvolle aber melodische Sänger.

Der erste Waggon zieht ebenso die Blicke auf sich. Sind da die Seiten doch mit farbigen Graffiti gestaltet. So auch der folgende Song. ´Walk Away´ ist allerdings weniger doomig. Eher würde man das mit rockig beschreiben können. Christopher erinnert mich hier tatsächlich ein wenig an Glenn Danzig. Nur was Stimmfarbe betrifft und Intonation, das wird aber wohl von dieser Rock’n’Roll-Note befördert. ´Vencerán´ ist der nächste Song. Auch der entsprechende Waggon zieht Blicke auf sich. Ganz in gelb und rot ziert ihn ein großer Stier. Der spanische Text nennt „Patria“ und „Muerte“ und ruft kriegerisch und siegesgewiss, wir werden siegen. Der schönste Wagen des Zuges, wenn er nicht so schnell vorbeigefahren wäre, würde man die Kamera noch in die Hand nehmen. Das aber ist der Vorteil eines Tonträgers, man kann ihn so oft hören, wie man mag.

Nun, wie der Zug gerade erst halb vorbei gefahren ist, auch auf der EP folgen noch drei Songs. Ganz viele Kesselwagen ermüden das Auge. Andererseits, seine wir froh, dass die auf der Schiene unterwegs sind und nicht vor uns gleich die Straße blockieren. Die drei folgenden Lieder sind genau auf so hohem Niveau. Sie stechen aber dann nicht mehr so ins Auge, man könnte sagen (und ja, es ist vielleicht etwas ungerecht), es fehlen hier die Höhepunkte. Das soll nicht das Gesamtbild schmälern. Nein, das ist schon hohe Kunst. Andere Bands wären froh, einen Song wie das aggressive ´Umibozu´ zu schreiben. Vielleicht bleibe ich einfach am Bahnübergang stehen, um auf den nächsten Zug zu warten. Oder ich drücke die Wiederholungstaste.

Mario Wolski vergibt 7,5 von 10 Punkten