ENSLAVED
Titel: MID
Label: NUCLEAR BLAST RECORDS
Spieldauer: 43:23 Minuten
VÖ: 30. Oktober 2026
Seit ziemlich genau dreieinhalb Dekaden glänzen Norwegens Metal-Ikonen ENSLAVED mit ihrem kreativen, einzigartigen Black/Progressive Sound. Gegründet 1991 von Ivar Bjørnson und Grutle Kjellson, erschien im Sommer 1992 das Demo “Yggdrasill“, gefolgt vom legendären Mini-Album “Hordanes Land“ (1993) und dem Debü-Full-Length-Dreher “Vikingligr Veldi“ im Frühjahr des Folgejahres.
Nun erscheint also “MID“, das siebzehnte Studioalbum in der bewegten Bandgeschichte, eine erneute Erweiterung des musikalischen Horizonts, eine organische Entdeckungsreise sowie eine weitere natürliche Phase der Weiterentwicklung und der Erneuerung.
Stillstand ist Rückschritt und so ist der Albumtitel “Mið“, ein altes nordisches Wort für „Zentrum“ oder „Mittelpunkt“ Synonym für einen weiteren, wenn auch nicht revolutionären so doch wohl bedachten und ausgereiften Neubeginn. Eine mystisch-brachiale und zugleich wunderschöne Scheibe, die den Fokus auf Harmonien und Dialoge wirft, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Menschen und zwischen Bandmitgliedern, die instinktiv und vertrauensvoll ein mitreißendes Album erschaffen.
Vor allem drei sehr unterschiedliche Tracks haben sich zu meinen Albumfavoriten entwickelt: der wuchtig-sperrige Brocken `Mountain´, das treibend-melodische Achteinhalb-Minuten-Epos `Parting´ sowie das facetten- und kontrastreiche `Tales Of Trees´ mit seinem epischen Chorus zwischen harten und ruhigen, schwebenden Passagen und Hammondsounds.
Zudem bringen zwei Gäste sowohl musikalische als auch folkloristisch-traditionelle Farbtupfer ein, die sich nahtlos in ein ausgewogenes, vielseitiges Album einfügen. Der samische Sänger Johan Sara Jr trägt mit seiner schamanischen Gesangstechnik, die sowohl in Nordamerika als auch in Sibirien und Skandinavien verbreitet ist, zur besonderen Faszination von `I Am Ice´ bei, während `Spirit Helper´ in Kollaboration mit Kevin Kicking Woman entstanden ist, einem Ältesten der Blackfeet Nation, der mit indianischen Gesängen und typischen Klänge der indigenen US-Bevölkerung im heutigen Montana diesen Track bereichert.
Insgesamt ein homogener Silberling wie aus einem Guss, aber eben doch so abwechslungsreich und musikalisch vielseitig sowie mit packenden Spannungsbögen und vielen Tempi, Stimmungs- und Lautstärkewechseln versehen, um nachhaltig zu sein und über lange Zeit interessant zu bleiben: typisch und zeitlos, komplex und fließend, akzentuiert und gekonnt.
Michael Gaspar vergibt 8,5 von 10 Punkten


