EINHERJER – LIFEBLOOD

EINHERJER

Titel: LIFEBLOOD

Label: NORSE MUSIC

Spieldauer: 50:09 Minuten

VÖ: 19. Juni 2026

Die 1993 gegründete Viking Metal Institution EINHERJER präsentiert ihren zehnten Longplayer “Lifeblood”. Die neue Platte folgt auf die aktuelle, neunte Studioscheibe “North Star” (2021) sowie das Konzertalbum “Norse and Dangerous (Live… From the Land of Legends)” aus dem folgenden Jahr.

Die norwegischen Pioniere kombinieren Black-Metal-Elemente und Viking Einflüsse mit klarem Gesang, hymnischen Chören und dem Einsatz von Folk-Metal-typischen Instrumenten. Mit „Lifeblood“ melden sich Einherjer eindrucksvoll zurück und die Scheibe ist gleichzeitig Rückblick/Innehalten sowie ein kraftvolles Statement und ein packender Ausblick in eine vielversprechende musikalische Zukunft. Thematisch geht es um Verwurzelung, Zugehörigkeit, Identität und die unsichtbaren Verbindungen zu Vergangenheit, Herkunft und Geschichte.

Musikalisch bleibt die Band ihrer Linie treu, ohne sich auf ihren Lorbeeren auszuruhen. Schon der epische Opener `Bloodborn´ zieht den Hörer mit seiner Mischung aus klassischem Heavy Metal mit Black- und Viking-Metal-Einflüssen, Eingängigkeit, Härte und Atmosphäre sowie mit kraftvollen Wikingerchören in diese mystische Welt hinein. Dabei steht auch der Albumtitel, den ich mit “Lebensader” übersetzen würde, für Kontinuität, Erinnerungen und die Echos derjenigen, die vor uns kamen.

Das Meer, die Gezeiten und die Kräfte der schroffen Natur der Westküsten spiegeln sich in der Musik wieder. Man meint förmlich, das Meer und die Wellen zu hören, den Wind und die Kälte zu spüren und genau das macht ein gelungenes, atmosphärisches Album doch aus.

`At The Threshold´ ist ein rhythmischer Ohrwurm mit fast schon power-metal-artigem Chorus, während `Gone´ ruhiger, emotional und beinahe nachdenklich daherkommt. Es folgen zwei Tracks mit norwegischen Lyrics, darunter die halbakustische Single `Dei Så Ser` (in etwa: Ich sehe Dich) über den Übergang und die Verbindung von Leben und Tod, während `Arr For Arr´ (dt.: Narbe für Narbe) wie auch das grandiose `Saltworn Runes´ dann doch deutlich härter zu Werke geht.

EINHERJER setzen auf stimmungsvolle, dichte Klanglandschaften und ausladende Texturen genauso wie auf Härte und Power. Songs wie die großartigen `Malstrøm` und `The Eternal North´ zeigen diese epische Wucht besonders deutlich und wirken ebenso dynamisch und ernergiegeladen wie strukturiert und durchdacht und sind dabei enorm unterhaltsam und abwechslungsreich. Es gibt diese Alben “wie aus einem Guss”, auch ein Qualitätsmerkmal, aber es gibt auch Scheiben wie “Lifeblood”, vielseitig und facettenreich und dennoch organisch, harmonisch, im Flow und in sich stimmig.

Auch die Produktion überzeugt, der Sound ist klar, transparent und druckvoll und gleichzeitig so dicht, dass er die rohe Energie, Power und Dynamik nicht behindert. Zudem gefällt mir der vermittelte Gedanke von unterschwelligen Strömungen, die unser Ich bestimmen und in der Schwere des Erbes verankert sind, jedoch nicht in der Vergangenheit verharren, sondern motivieren, selbst seine individuellen Spuren zu hinterlassen.

EINHERJER festigen und bestätigen mit “Lifeblood” ihren Ruf als eine der bestimmenden Größen des Norse Heavy Metal und beweisen mit ihrem zehnten Album Präsenz, Relevanz und Potential. Sie liefern eine fokussierte und durchdachte Leistung mit starken, vielseitigen Songs. Eine geerdete, reife Reflektion über kulturelles Erbe und nordische Wurzeln, unverkennbar EINHERJER,  entschlossen, atmosphärisch und in der Schwere des Erbes verankert, aber niemals zu stark an die Vergangenheit gebunden, sowie musikalisch kurzweilig und mit der perfekten Balance aus Härte und Atmosphäre.

Michael Gaspar vergibt 9 von 10 Punkten