EINAR SOLBERG – THE CONGREGATION ACOUSTIC

EINAR SOLBERG

Titel: THE CONGREGATION ACOUSTIC

Label: INSIDE OUT/SONY MUSIC

Spieldauer: 63:55 Minuten

VÖ: 16. Februar 2024

EINAR SOLBERG, Frontmann der norwegischen Prog Rock Hasardeure LEPROUS, veröffentlichte im vergangenen Jahr sein erstes Soloalbum “16“. Anfang 2022, noch in den Wehen der Corona-Pandemie, unternahm er jedoch noch ein weiteres spannendes und vollkommen anderes musikalisches Abenteuer.

Für eine spezielle Live-Stream-Performance interpretierte er den kompletten “The Congregation” Dreher seiner Band, nur mit Piano und seiner unverwechselbaren Stimme. Nun hat dieser einzigartige und einmalige Auftritt sein offizielles Audiorelease unter dem Titel “The Congregation Acoustic“ erfahren.

Und das ohne Bearbeitung oder Korrektur in der Post-Produktion, sondern so roh, unverfälscht und „unperfekt“ wie es eben nur live und bei einem einmaligen Unterfangen geht. „The Congregation“ ist das vierte Album der Norweger und wurde am am 25. Mai 2015 veröffentlicht. Es ist die letzte Scheibe mit dem langjährigen Gitarristen Øystein Landsverk, der bis dahin auf allen Leprous-Alben zu hören war, und das erste Werk ohne Schlagzeuger Tobias Ørnes Andersen, der durch Baard Kolstad ersetzt wurde, und mit Simen Daniel Børven am Bass.

Wenngleich der unverwechselbare Gesang des Frontmanns das dominierende Element des Bandsounds ist und die meisten Tracks mit seinem großen Stimmumfang bestimmt, während die Gitarren nur selten die Melodien übernehmen, bezeichnet Solberg die Scheibe als das eigentlich am wenigsten für eine solche Umsetzung geeignete Leprous Album. Doch ein wenig Herausforderung muss ja auch immer sein und das Ergebnis nennt er gewohnt selbstkritisch, bescheiden und skandinavisch tiefstapelnd „überraschend ok“.

Der Protagonist performt die elf Tracks vom Opener `The Price´ bis zum abschließenden `Lower´ in der originalen Albumreihenfolge, mal fragil und zerbrechlich, mal kraftvoll und inbrünstig und das stets mit maximalem Enthusiasmus und voller Passion und Emotionalität, die auch mal Pausen zulassen und eine extreme Spannung und Dynamik erzeugen.

Dabei beschränken sich die Ansagen Solbergs auf einige Begrüßungs- und Zwischenworte, die Publikumsreaktionen auf wenige Zwischenrufe, einen warmen Begrüßungsbeifall und den wohlverdienten, tobenden Schlussapplaus. Ansonsten wird der Musik und ihrer Magie und der Intensität ihrer Darbietung ein würdiger Rahmen und der nötige Raum gegeben.

Unter dem Strich eine einzigartiges, fesselndes, forderndes und gut einstündiges Hörerlebnis, bei dem es aber sicher nicht schadet, wenn man ein zumindest kleines Faible für Leprous und vor allem das prägnante, unverwechselbare Organ des Fronters übrighat.

Michael Gaspar vergibt 9 von 10 Punkten