EDENBRIDGE – SET THE DARK ON FIRE

EDENBRIDGE

Titel: SET THE DARK ON FIRE

Label: Steamhammer

Spieldauer: 53:26 Minuten

VÖ: 16. Januar 2026

EDENBRIDGE aus Österreich sind mit ihrem 12. Studioalbum am Start – und das vier Jahre nach “Shangri-la”, das damals noch bei AFM Records erschien. Die Zeiten ändern sich, und so kommt “Set The Dark On Fire” am 16. Januar 2026 bei Steamhammer raus. Wenn wir 26 Jahre zurückgehen und auf die Debütscheibe “Sunrise in Eden” schauen, die bei Massacre Records erschien, wird deutlich, welche großartige musikalische Entwicklung die Band durchlaufen hat. Die “Label-Rückkehrer” wollen mit “Set The Dark On Fire” in neue Soundwelten vordringen, ohne dabei ihre bewährten Trademarks zu verlassen. Das soll durch einen deutlich härteren Grundsound geschehen, der zur lyrischen und visuellen Ausrichtung des Quintetts um Sängerin Sabine Edelsbacher und Komponist, Gitarrist und Keyboarder Lanvall passt.

Apropos: Das aktuelle Line-up besteht aus Sabine Edelsbacher (Vocals), deren Stimme den charakteristischen Klang der Band maßgeblich prägt. Lanvall bedient eine beachtliche Anzahl an Instrumenten, darunter Lead- und Rhythm-Gitarre, Acoustic Guitars, Piano, Keyboards, verschiedene Saiteninstrumente sowie diverse traditionelle Instrumente. Für den Rhythmus sorgen Johannes Gral (Drums) und Steve Hall (Bass), während Sven Sevens (Lead Guitar) das melodische Fundament bereichert.

Lanvall:

Mit “Set The Dark On Fire” bleiben wir uns stilistisch absolut treu, haben aber – in Zusammenarbeit mit unserem langjährigen Mixing- & Mastering-Engineer Karl Groom (Threshold) – an einigen wichtigen Stellschrauben im Gitarren-, Bass- und Schlagzeugbereich gedreht. Das Ergebnis ist unser energetischstes und härtestes Album bislang. Gleichzeitig sorgt Karl wie gewohnt für einen kristallklaren Mix, der jedes Detail transparent zur Geltung bringt.

Sabine:

Die Songs haben mich stimmlich herausgefordert – von den tiefsten Tiefen bis in die luftigsten Höhen, um anschließend wieder in die Tiefen abzutauchen. So, wie sich Leben eben gestaltet. Ich möchte mit Stimme berühren, weil ich glaube, dass Berührtsein heilsam ist, auch für mich selbst. Während der Aufnahmen stellte sich eine neue Mühelosigkeit ein, die mich selbst überrascht und begeistert hat. Seitdem lade ich diese bewusst in meinen Alltag ein und genieße es. Möge sich diese Qualität auch auf die Hörer des Albums übertragen. Viele Herausforderungen ließen sich mit mehr Leichtigkeit besser bewältigen.

Das Cover und das gesamte Artwork stammen von Schlagzeuger Johannes Gral, der die visuelle Gestaltung des Albums vollständig übernommen hat. In seiner Bildsprache verbinden sich typische EDENBRIDGE-Elemente wie Sanftheit, Kraft, Tiefe und Emotionalität zu einem eindrucksvollen Gesamtkonzept. Lassen wir nun aber die Musik sprechen und für Bilder in unseren Köpfen sorgen.

Bereits im Opener ‘The Ghostship Diaries’ zeigt sich Lanvalls Faible für Longtracks – wenn auch noch nicht so ausgeprägt wie im späteren Verlauf des Albums. Mit einer Laufzeit von etwas mehr als sechs Minuten startet der Song zunächst recht knackig, bevor er sich zum Finale hin deutlich doomiger entwickelt. Der Refrain wurde mehrfach gelayert, was für einen dichteren, volleren und breiteren Gesamtsound sorgt. Die Singleauskopplung zu ‘Cosmic Embrace’ inklusive bildstarkem Video erschien bereits im September 2025 und konnte eine beachtliche Anzahl an Views verzeichnen – auch mir gefällt das Video richtig gut. Die Orchestrierung passt 1a zum Anspieltipp, der dazu aufruft, sich von (inneren) Blockaden zu lösen. Auch ‘Where The Wild Things Are’ wurde als Single samt Video veröffentlicht. Hier gefällt mir das Video sogar noch besser, da es wundervolle Landschaften, wilde Pferde und so manchen persönlichen Sehnsuchtsort zeigt. Wundervoll sind zudem die folkigen Parts, besonders im Zusammenspiel von Gesang und akustischer Gitarre.

“‘Where The Wild Things Are’ transportiert in den Melodien und im Instrumentarium eine irisch-keltische Atmosphäre. Inhaltlich thematisiert der Song die Erde als lebendiges Wesen, das sich in der weiblichen Urkraft der Figur Aleen manifestiert.”, heißt es in der Info zum Lied, das Sabine Edelsbacher so kommentiert:

Aleen verkörpert eine echte Verbundenheit mit den Elementen und damit mit der Naturkraft der Erde. Routine ist nicht ihr Ding. Sie lebt eine verführerische Lebendigkeit, die ihresgleichen sucht. Mögen immer mehr Menschen diese Kraft in sich erkennen und zum Ausdruck bringen.

85 Sekunden dauert das instrumentale Zwischenspiel ‘Tears Of The Prophets’, das in die stampfende Nummer ‘Our Place Among The Stars’ übergeht. Zu Beginn ist der Song düster, entwickelt sich aber zu einer klangvollen Ballade mit leicht “gospeligen” Vibes. Tempo und Härte bringt der Titeltrack ‘Set The Dark On Fire’ ins Spiel, der den geneigten Headbanger aus der Reserve locken dürfte, aber auch ruhige Passagen zum “Durchatmen” bietet. Als befeuere er die Dunkelheit und rocke nach vorn, sagt Sabine über den Titelsong:

Als brückenbauende Kraft im Musikuniversum stehen wir für Transformation statt Eskalation. Wir verstehen uns als Beobachter des äußeren Geschehens und widmen uns dem Hintergründigen – der inneren Entwicklung und der eigenen Wirkkraft. Wenn draußen Chaos herrscht, verwickle dich nicht, sondern geh zum Nullpunkt ins Zentrum. Die Feuerkraft der Sonne steigt unmittelbar auf als Erkenntnis und Inspiration. Verbunden mit deiner inneren Sonne erhebst du dich wie Phönix aus der Asche.

Ein bisschen James-Bond-Titelsong-DNA findet man in der Ballade ‘Bonded By The Light’ durchaus wieder – ich glaube, Tina Turner applaudiert und jubelt von ihrer Wolke aus. Nach der ruhigen Nummer folgt mit ‘Divine Dawn Reveal’ ein weiteres Zwischenspiel, das wohl als Intro für ‘Lighthouse’ dient. Zumindest finden sich hier die gleichen “exotischen” Klänge wie im druckvollen, mit orientalischen Vibes ausgestatteten ‘Lighthouse’. Diese klangliche Vielfalt, die bislang auf “Set The Dark On Fire” vorherrscht, gefällt mir ausgesprochen gut.

Das Herz des Albums ist der vierteilige Longtrack ‘Spark Of The Everflame’, der mit 13 Minuten Spielzeit die gesamte Bandbreite des EDENBRIDGE-Soundkosmos umfasst. Mit dem Intro ‘Let Time Begin’ geht es los, ‘The Winding Road To Evermore’ ist ein eingängiger Symphonic-Melodic-Metal-Track, der in ‘Per Aspera Ad Astra’, ein klangvolles, 120 Sekunden langes Zwischenspiel, übergeht. Schon der Titel des letzten Parts – ‘Where It Ends, Is Where It Starts’ – deutet an, was ich empfinde, wenn die letzte Note von ‘Spark Of The Everflame’ beziehungsweise “Set The Dark On Fire” verklungen ist:

“Das muss ich gleich noch einmal hören und mich erneut ins EDENBRIDGE-Abenteuer stürzen, um die klangvollen Melodiebögen, den wundervollen Gesang und die schnellen, druckvollen Momente zu genießen.”

EDENBRIDGE liefern mit “Set The Dark On Fire” ab, was man sich als Fan erwartet und ein bisschen mehr: fette Songs, starke Melodien und einen tollen Sound, der an den richtigen Stellen Gas gibt, aber auch die ruhigen Passagen bieten kann. Das macht das Album abwechslungsreich.Klasse verbinden die Österreicher knackige Riffs und raumgreifende Gitarrensoli mit symphonischen Orchesterklängen und ein paar Instrumenten, die man im Metal eher selten hört – Hackbrett, Swarmandal, Monochord und sogar eine elektrische Sitar. Sabine Edelsbachers warmer Stimme hört man gerne zu, sie sorgt dafür, dass EDENBRIDGE jederzeit klar erkennbar bleiben. Wer bei symphonischen Arrangements normalerweise eher die Nase rümpft, sollte hier trotzdem mal ein Ohr riskieren – “Set The Dark On Fire” hat genug Power, Gefühl und Details, um auch Skeptiker abzuholen.

Tobi Stahl vergibt 8 von 10 Punkten