DYMYTRY – FIVE ANGRY MEN

DYMYTRY

Titel: FIVE ANGRY MEN

Label: AFM Records

Spieldauer: 40:44 Minuten

VÖ: 26. Januar 2024

Von Psy-Core habe ich bisher noch gar nichts gehört. Mir war wohl der Name bekannt, aber das ich bewusst Songs aus dieser Sparte gehört habe? Nö, bisher nicht. Erst die gemeinsame Scheibe der tschechischen Metal-Formation DYMYTRY mit HÄMATOM machte mich hellhörig und neugierig. Da bot es sich an, dass DYMYTRY ihr zweites komplett englisches Album “Five Angry Men” im Januar 2024 veröffentlichen. Ihre erste Scheibe in englischer Sprache war ihr Hitalbum “Revolt”, dass international und national durchweg gut bis sehr gut bewertet wurde. Die Notwendigkeit von englischen Songs zeigt sich in den Shows, die sie mit Pantera oder Lordi gezockt haben – die schon internationales Publikum anziehen. Außerdem spielten sie vor 13.000 Leuten in der restlos ausverkauften Prager O2 Arena und im Januar steht ihre erste Headliner-Tour außerhalb Tschechiens an.

Ich bin sehr gespannt was mich auf und mit “Five Angry Men” von DYMYTRY erwartet und ob die Masken-Männer tatsächlich wütend sind und sich auf einer Art Metal-Kreuzzug befinden, wie es im Begleittext des Albums zu lesen ist.

Sänger Alen Ljubić sagt über “FAM”:

Der Titel ‘Five Angry Men‘ nimmt unser wildes Image aufs Korn, thematisiert auf satirische Weise aber auch die zunehmende Zerstörung der Erde durch Menschenhand“, erklärt er und fügt hinzu: Gleichzeitig nehmen wir uns selbst nicht übermäßig ernst, obwohl man aufgrund unserer Optik etwas anderes vermuten könnte. Dymytry hat viele unterschiedliche Facetten, zu denen sowohl ernste als auch humorvolle Songs gehören. Zudem werden in unseren Shows jede Menge Entertainment geboten und Partys zelebriert.

Produziert wurde die Scheibe von Kristian Kohle (u.a. Powerwolf, Hämatom) in seinem Kohlekeller Studio, das Artwork stammt von Steven Harrison, die Booklet-Fotos hat Alen Ljubić höchstpersönlich geschossen.

Mit ´Enemy List´, das bereits als Single veröffentlicht wurde und für das ein Video produziert wurde, eröffnet das Quintett die Platte und thematisiert Online-Mobbing, das leider immer mehr zunimmt. ´Everything Is Black´ steigert die Intensität und bietet Passagen zum gepflegten Moshen und Headbangen an – zieht euch die Songs rein, es lohnt sich. In ´Wake Me Up (Before We Die)´, das nicht ganz so kantig ist wie seine Vorgänger, gibt es Passagen mit ein bisschen Sprechgesang, die sich aber gut anhören und zum gesamten Setting des Tracks passen. Ein Cover haben die Tschechen auch auf “Five Angry Men” gepackt und ich muss gestehen dass ich das Original nicht kenne, mir aber diese Album Version durchaus gefällt und so ist ´Legends Never Die´ die erste Psy-Core Ballade die ich höre und ich finde sie, wie bereits erwähnt, sehr gut.

Jetzt würde ich aber gerne wieder gepflegtes Geballer hören und werde erhört, denn `Three Steps To Hell´ ist angepisst-knackig und ´In Death We Trust´ gehen DYMYTRY ebenfalls energiegeladen zur Sache – so macht mir Psy-Core Spaß. Der Banger ´Dead Living Dead´ drückt das Gaspedal nochmal richtig durch, denn ´1939´ thematisiert sorgenvoll und emotional die aktuellen Geschehnisse im Hinblick auf 1939, dem Jahr, in dem der Zweite Weltkrieg begann. Nach ´The Revenant´ kommt der experimentelle Titeltrack und Schlussakkord ´Five Angry Men´ und schreddert los, was das Zeug hält um dann scharf abzubiegen Richtung Rap Song mit Metalelementen – andersrum würde mir der Song besser gefallen und trotzdem schaffen es DYMYTRY, dass ich das Ding mag.

Gute 40 Minuten (und weitere Hördurchgänge) liegen hinter mir und die Art Psy-Core, die Alen “A.L.” Ljubic (Vocals), Jiri “DYMO” Urban (Guitar), Jan “GORGY” Gorgel (Guitar), Artur “R2R” Mikhaylov (Bass) und Milos “MILDOR” Meier (Drums) kredenzen, gefällt mir richtig gut. Das liegt einerseits am Sound der Tschechen, der nicht übertrieben elektronisch klingt und andererseits an den Texten, die kritische Dinge ansprechen und nicht aalglatt sind, wie die manch anderer Kapellen in diesen Tagen. Wer bisher “Angst” vor diesem Genre hatte kann beruhigt sein, denn trotz der “komischen” Genrebezeichnung und den Dingen die manch ein Trueheimer zu wissen glaubt, sind DYMYTRY ein richtig cooler Akt der was zu sagen hat und moderne Rockmucke raushaut die Bock macht.

Ich schließe meine Review mit einem (augenzwinkernden) Zitat von Dymytry-Frontmann, der “Five Angry Men” so zusammenfasst:

Mitunter benötigt man fünf hässliche Antihelden, die die hässliche Realität zwar nicht beschönigen, sie aber immerhin in ansprechende Songs kleiden.

Tobi Stahl vergibt 8 von 10 Punkten