DEATHWARDS – REALMS OF SIN

DEATHWARDS

Titel: REALMS OF SIN

Label: Sepulchral Voice Records/High Roller Records

Spieldauer: 41:59 Minuten

VÖ: 30. Oktober 2026

Aus der chilenischen Stadt Rancagua (Region O’Higgins) kommen DEATHWARDS, die ihre eigene Fassung von Death/Thrash Metal aus dem südamerikanischen Undergeround an die Oberfläche bringen und das über Sepulchral Voice Records bzw. hierzulande mittels High Roller Records. Seit ihrer Gründung im Jahr 2017 haben sich DEATHWARDS voll und ganz den Abgründen von Necromancy und Deathlore verschrieben. Nach den beiden Demos „Towards Death“ (2018) und „Rehearsal MMXIX“ (2019) sowie der Zusammenstellung „In Deathlore 2017-2019“ steht nun der erste vollwertige Longplayer an: „Realms of Sin“ heißt ihr Debütalbum. Für die kompromisslose Schlachtplatte zeichnet sich das Vierergespann um The Magus (Gesang, Leadgitarre, Texte), The Penance (Schlagzeug, Musik), The Usurper (Rhythmusgitarre, Musik) und The Condemned One (Bass) verantwortlich. DEATHWARDS widmen sich auf „Realms of Sin“ Dantes Inferno und schicken den Hörer auf Reisen mit biblischer Symbolik und mittelalterlicher Verdammnisvisionen. Sie sezieren die Abgründe von Schuld, Wollust, Völlerei, Gier, Zorn, Häresie, Gewalt, Betrug und Verrat bis hin zum spirituellen Zusammenbruch und göttlichen Gericht, alles im Mantel des rohen Death/Thrash Metal der späten 80er-Jahre. An der Reglerfront setzt das Equinox Studio auf eine organische, druckvolle Produktion, die jedes Detail einfängt, ohne den dreckigen Underground-Charakter zu opfern. Visuell wird das Werk durch ein handgemaltes Öl-Artwork von Jorge Olavarria abgerundet.

Hören wir also rein in „Realms Of Sin“ und sehen, ob DEATHWARDS hier tatsächlich Gift und Galle spucken und alten, ungeschliffenen Todesstahl abliefern. Bereits nach den ersten Noten von ‚Sting Of Guilt (Limbo)‘ steht fest, dass das Material der Chilenen extrem roh und ungeschliffen aus den Boxen schrammelt. Egal ob Vocals oder Instrumente – alles klingt wie ein rostiges Messer, das unbarmherzig in den Gehörgängen herumwühlt. Thematisch greifen DEATHWARDS hier den ersten Kreis aus Dantes Göttlicher Komödie auf. Der Limbo dient als Aufenthaltsort für tugendhafte Nicht-Christen und ungetaufte Kinder, die dort zwar keine physischen Qualen wie Feuer oder Folter erleiden, aber in ewiger, unerfüllter Sehnsucht verharren, weil ihnen der Zugang zum Paradies verwehrt bleibt. In ‚Supplicum (Lust)‘ wird die Gangart noch ungehobelter, rauer und dreckiger. Bleiben wir bei der Story, sind wir nach dem Vorhof (Limbo) nun in der eigentlichen Verdammnis angelangt. Im zweiten Kreis büßen die Seelen der Wollüstigen, die Verstand und Vernunft ihrer hemmungslosen Begierde untergeordnet haben. Ihre Pein besteht aus einem peitschenden, unerbittlichen Höllensturm (bufera infernalis), der ewig andauert, die Sünder rastlos durch die Finsternis schleudert und sie natürlich auch gegeneinander krachen lässt – genau so, wie sie sich zu Lebzeiten von ihren ungezügelten Leidenschaften hin- und herreißen ließen. Während ‚From Bread To Stone (Gluttony)‘ geht es ab in den dritten Höllenkreis der Völlerei. Wo bei Dante eiskalter Schlammregen auf die Maßlosen niedergeht, fetzen DEATHWARDS gnadenlose Riffs, brettharte Drums und die entsprechend zackigen Vocals in diesem Nackenbrecher raus!

Nach Höllenkreis III ist natürlich IV am Start und der gehört den Geizigen und Verschwendern in ‚Gold In The Abyss (Greed)‘. Hier hauen DEATHWARDS zunächst ein etwas längeres Intro in eure Synapsen, um anschließend ihre Riff-Brocken abzufeuern. Knapp unter drei Minuten hat ‚Sullen Blood (Wrath)‘ an Spielzeit, genau richtig zum Moshen im Pit und um das Thrash-Gewitter zu genießen. ‚Unbound From Divine Omnipotence (Heresy)‘ gehört storytechnisch den brennenden Sarkophagen der Ketzer, musikalisch gibt es weiter voll in die Fresse. In ‚The Sore Weight Of Repentance (Violence)‘ plätten euch DEATHWARDS mit nervenzerfetzenden Gitarren, kompromisslosen Vocals und hinterlassen Schutt und Asche – brutal, kompromisslos und direkt in die Magengrube! Ein bisschen gedrosselter ist das Tempo in ‚Worms Of Malebolge (Fraud)‘, aber nur zum Start, danach gibt’s wieder fieses Fressengewemmse nach Art des Hauses! Spoken Words gibt’s im knapp unter zwei Minuten langen Lied ‚The Innermost Chasm (Treachery)‘, in dem es um den neunten und tiefsten Höllenkreis geht, jenen der Verräter. Am tiefsten Punkt des Abgrunds thront der Fürst der Finsternis, Lucifer höchstpersönlich, und so gehen DEATHWARDS in ‚Lawless Fire (Lucifer)‘ auch zur Sache. Es erwartet euch ein gottloses Riff-Inferno und hasserfüllte Vocals – rasend, böse und absolut Trommelfell vernichtend. Das Soundfeature gegen Ende ist creepy in XL-Form! Als Zugabe riegelt ‚The Black Key (Bonus Track)‘ die Höllenpforten ab, und zwar mit feurigem Old-School-Gehacke und unbarmherzigem Underground-Geballer – ein würdiger, roher Schlusspunkt, der den Sack ohne jegliche Kompromisse zumacht.

Auch wenn dieser Artikel erst nach Halloween erscheint, ist „Realms Of Sin“ ein fetter Beitrag zu Death-Metal-Alben, die sich Horror und Wahnsinn widmen. DEATHWARDS zelebrieren ihren Höllenritt entlang Dantes Inferno mit einer unbarmherzigen Gangart, bei der die Instrumente wie ein rostiges Messer ungeschliffen in den Gehörgängen herumwühlen. Auch wenn die Songs streckenweise recht ähnlich klingen und Abwechslung vor allem durch fiese Soundfeatures entsteht, macht das bösartige Konzept gepaart mit rohem Old-School-Gehacke diese Einschränkung locker wett. Wer Bock auf einen blutigen, kompromisslosen Brocken Todesstahl hat, kommt hier voll auf seine Kosten.

Tobi Stahl vergibt 8 von 10 Punkten