CRIPPLED BLACK PHOENIX – SCEADUHELM

CRIPPLED BLACK PHOENIX

Titel: SCEADUHELM

Label: SEASON OF MIST

Spieldauer: 66:20 Minuten

VÖ: 17. April 2026

Das britische Projekt CRIPPLED BLACK PHONIX bezeichnet seine Musik gerne als „endtime ballads“, vielschichtige Stücke, die vergleichsweise lang, dynamisch und aufwändig gestaltet sind, was für Live-Auftritte oft zusätzliche Musiker erfordert. Laut Gründer Justin Greaves geht hier jedoch die Relevanz und Kreation der Songs vor deren späterer Bühnentauglichkeit. So listet der Wikipedia-Beitrag über die Band satte 27 ehemalige (Live-)Mitglieder auf.

Der facettenreiche, spannende Sound der Band wird in die unterschiedlichsten Genres eingeordnet, oft werden sogar neue Bezeichnungen dafür kreiert. Am ehesten wird man dem New Artrock zugeordnet, aber auch Einflüsse aus Progressive Rock, Post-Rock, Alternative Rock und Synthie Rock sind allgegenwärtiger Bestandteil des eigenständigen, außergewöhnlichen Mixes, erweitert durch Stoner Doom sowie Psychedelic Rock, Space Rock und Folk Rock Versatzstücke. Auf der Homepage der Band sind zudem die Bezeichnungen „Stoner Prog“ und „Freak Folk“ und auf der Seite ihres Labels „Macabre Rock“ und „Progressive Post Rock“ zu finden.

Bereits diese kurze Einordnung macht deutlich, welch stilistische Bandbreite, kreative Vielseitigkeit und verschiedenartigen Kompositionen der Hörer auch von der neuen Studioscheibe „Sceaduhelm“ erwarten darf. Der Longplayer wurde zwischen 2023 und 2025 in den Chapel Studios in Lincolnshire, dem Kapsylen Studio in Stockholm sowie House Of Foto in Louisville aufgenommen. Für die Produktion zeichnete Justin Greaves höchstpersönlich verantwortlich. Um den Mix kümmerte sich Iver Sandøy im Solslottet Studio im norwegischen Bergen, während Magnus Lindberg in Stockholm für das Mastering verantwortlich zeichnete.

Während sich die früheren Werke von CRIPPLED BLACK PHOENIX oft mit kollektiven Traumata oder historischer Gewalt auseinandersetzten, beschäftigt „Sceaduhelm“ sich mit dem, was zurückbleibt: Müdigkeit, Erinnerung, Mitschuld und die stille Last des Überlebens. Die Lyrics von fünf der zwölf neuen Tracks stammen von der zweiten Sängerin Belinda Kordic, die übrigen teilen sich Ryan Michael Patterson sowie Justin Storms.

Zwischen cinematischen Soundgewittern, ruhigen Passagen, wütenden Ausbrüchen, schnellen Parts, träumerischen, elektronischen Klangwänden und den verschiedensten weiteren Elementen verbietet es sich eigentlich auf einzelne Songs einzugehen, aber dennoch seien einige Anspieltipps genannt.

An erster Stelle die treibende Vorabauskopplung mit weiblichem Gesang `Ravenettes´, dann der achteinhalbminütige Rocker `No Epitaph – The Precipice´ mit Johnny Cash artigen Vocals, langen Instrumentalpassagen von Gitarre und Hammond und noisigem Finale sowie der grandiosen, mysteriös-poppigen Single `Colder And Colder´.

Fazit: Musik mit Spannung, Zerbrechlichkeit und emotionaler Tiefe, radikal, gradlinig und mit einer klaren künstlerischen Vision umgesetzt. Sicher kein Easy Listening, aber wer sich darauf einlässt wird mit einer nachhaltigen, stimmigen, kurzweiligen Scheibe belohnt, die über die gesamte Spielzeit spannend bleibt und mit jedem Durchlauf neue Facetten offenbart.

Michael Gaspar vergibt 8,5 von 10 Punkten