CHALICE – DIVINE SPEAR

CHALICE

Titel: DIVINE SPEAR

Label: Dying Victims Productions

Spieldauer: 48:23 Minuten

VÖ: 27. Februar 2026

Alter Falter!

Was für ein Schritt nach vorne.

Der Vorgänger „Trembling Crown“ der finnischen Metaller CHALICE war ja schon ein mächtiges Stück Musik. Aber heute, gut fünf Jahre später, legen sie mit „Divine Spear“ noch einmal noch stärker nach.

In Finnland, das ist bekannt, sind die Winter lang. Lang und kalt. Dunkel und still. Doch, horch! Aus der Dunkelheit kommen Klänge voller Magie, voller Licht und Schatten. Und voller Wärme.

Da sind die vielen stillen, harmonischen Intros, das längste ´Mare Imbrium´ verwöhnt mit Sounds, die ich bei CHALICE bisher noch gar nicht mal so oft wahrnahm, hier aber immer wieder durchkommen. Ich meine Gitarrensounds, die an die folkloristisch orientierten Bands der Marke Hällas und Wytch Hazel erinnern. Damit man aber nicht direkt eingelullt wird folgt direkt ´Dwell Of A Stellar Trance´. das ist der genaue Gegensatz. So hart und ruppig, fast schon schwarzmalend, sind mir CHALICE auch noch nicht untergekommen.

Nun sind die Grenzen ausgelotet. Nun kann befreit aufgespielt werden. Etwa mit ´Hollow Curtain´, das zeitgenössische Epik mit orientalistischen Tonfolgen paart. Akustische Klänge leiten in ´The Pact´ ein. Erst einmal in Fahrt, stampft die Nummer in Accept-Manier durch die Winterlandschaft. ´Age Ethereal´ klingt tatsächlich wie Manowar zu Zeiten, als denen Musik noch wichtiger war als Image und Outfit. Epischer Metal in Reinkultur, dramatisch, düster dräuend und dennoch ein Licht in dunkler Winternacht. Ein wenig erinnert dieser Song an Zeiten, als im Winter die Menschen in der Stube saßen, im Kerzenlicht, der Ofen sorgte für Wärme. Bei der Arbeit erzählten sich die Menschen Geschichten. Ihr kennt unsere Märchen. Die sind nicht immer harmlos. Am Ende aber gehen sie meist gut aus. Im Mittelteil dann findet sich auch wieder so ein Wytch Hazel Moment. Nicht nur so einer. Ein wirklich schöner.

Nach dem Titelsong, der klassisches Achtziger-Feeling verbreitet, ´Empyrian Liturgy´ geht mit seiner leicht psychedelischen Note, der Flöte und kleinen musikalischen Puzzleteilen noch zehn Jahre zurück. Ideenmäßig schöpfen sie hier mal wieder so richtig aus den Vollen. Um noch einmal das Bild zu bemühen von der düsteren Stube in früheren Zeiten. Ich fühle mich mit dieser Scheibe wie ein Reisender, der eingeladen wird ´In From The Cold´. Ich darf die Wärme genießen, die Geschichten, die Lieder. Die Reise endet mit ´Alioth´, die ruhigste Nummer der Scheibe, gefühlvoll, sehnsuchtsvoll, schwelgerisch.

Alter Falter! Was für ein Zauber, was für eine Magie. Und das Jahr fängt erst an.

 

Mario Wolski vergibt 9,5 von 10 Punkten