CARNIVORE A.D. – TRANSMUTATION

CARNIVORE A.D.

Titel: TRANSMUTATION

Label: Apostasy Records

Spieldauer: 17:43 Minuten

VÖ: 27. März 2026

CARNIVORE war eine Thrash-Metal- und Hardcore-beeinflusste Band aus New York City/USA, die 1982 von Sänger und Bassist Peter Steele † 2010, Gitarrist Stan Pillis und Schlagzeuger Louie Beateaux gegründet wurde und mit weiteren Mitgliedern wie den Gitarristen Keith Alexander † 2005 und Marc Piovanetti ihren rohen, aggressiven Sound prägte. Die Band veröffentlichte mit “Carnivore” (1985) und “Retaliation” (1987) zwei einflussreiche Alben, die bis heute als Kultklassiker gelten und mit provokanten Texten sowie einer kompromisslosen Mischung aus Thrash, Hardcore und düsteren Themen für Aufsehen sorgten, bevor sich die Band Ende der 80er Jahre auflöste und Peter Steele später mit TYPE O NEGATIVE internationale Bekanntheit erlangte. Ein Trademark von CARNIVORE waren die Kostüme, die bewusst provokant und postapokalyptisch aussahen – coole Bühnenoutfits, die an die Mad-Max-Welt erinnerten. Wie genial muss das ausgesehen haben, wenn die Band in Leder- oder Fellbekleidung, schweren Stiefeln sowie auffälligen Schulterpanzern mit Metallnieten oder Stacheln die Bühne rockte! Besonders Peter Steele fiel mit großen, oft DIY-wirkenden Schulterpanzern und seinem imposanten Auftreten auf, was dem Kultstatus der Truppe zusätzlichen Boost verlieh.

1983 wurden ‘Predator’ und ‘World War III & IV’ komponiert (Peter Ratajczik) und während eines Gigs im Juni 1983 live gezockt, mit eben jenen Kostümen. 1985 nahm man das selbstbetitelte Debüt “Carnivore” auf, mit mehrdeutigen Lyrics, die für Aufsehen sorgten. Die Langrille erschien über das noch heute sehr aktive und erstklassige Label Roadrunner Records Ende 1985. 1986 stieg Keith Alexander aus der Band aus und lebt seit 2005 infolge eines Radunfalls nicht mehr. 1987 folgt “Retaliation” als zweites und letztes Album, denn danach stieg Marc Piovanetti aus (02/1988), um bei den CRUMBSUCKERS zu spielen, infolgedessen lösten sich CARNIVORE auf. Knapp ein Jahr später gründete Peter Steele TYPE O NEGATIVE, die bis zu ihrem zweiten Album stilistisch und inhaltlich noch deutlich durch CARNIVORE geprägt waren. Mitte der 90er gab es ein paar Reunion-Minitourneen, überwiegend im Osten der USA, und zehn Jahre später spielte man zwei Gigs in Deutschland, genauso wie 2007 im Rahmen einer Tour.

Infobox:
CARNIVORE A.D. – “Transmutation” erscheint in mehreren streng limitierten Formaten: Neben grün/schwarz marmoriertem Vinyl, grün/weißem Ink-Spot-Vinyl und Neon-Grün-Vinyl (jeweils 100 Exemplare weltweit, Gatefold inklusive Textblatt und ausschließlich über Bandcamp erhältlich) gibt es schwarzes Vinyl (300 Exemplare weltweit, davon 20 über Bandcamp), eine schwarze Audiokassette (50 Exemplare weltweit) sowie eine Jewel-Case-CD (500 Exemplare weltweit, 20-seitiges Booklet). Zusätzlich ist das Album als digitaler Download in 24-bit/44,1 kHz erhältlich und liegt jeder physischen Variante bei.

So viel zur kleinen historischen Info über CARNIVORE, die seit 2017 als CARNIVORE A.D. auftreten und über deren EP “Transmutation” wir heute sprechen. CARNIVORE A.D. besteht aus den NYC-Hardcore- und Metal-Virtuosen Baron Misuraca (Gesang & Bass – ex-SHEER TERROR), Chuck Lenihan (Gitarre – ex-CRUMBSUCKERS) und Joe Cangelosi (Schlagzeug – ex-KREATOR, WHIPLASH, MASSACRE), und natürlich unterstützt Mitbegründer und Original-Drummer Louie Beateaux die drei Mucker, die die Wurzeln und die energiegeladene Musik von Peter Steele ehren. Wichtig hierbei ist, dass man das mit Respekt, mit Liebe und Ehre macht, und genau das macht das Trio. Nach vielen Live-Auftritten haben CARNIVORE A.D. ihre erste EP “Transmutation” am Start, die als MC, CD, digitale Variante und in verschiedenen Farben auf Vinyl veröffentlicht wird – mit einer Spielzeit von fast 18 Minuten, die sich ein Intro und vier Songs teilen. Mir liegt die neon-grüne Variante als Rezensionsexemplar vor, danke an Apostasy Records an dieser Stelle. Die Farbe des Vinyls passt perfekt zum von Simon Bossert (Bossert Medien) designten Artwork. Für Recording, Engineering und Mixing war Jörg Uken in seinem Soundlodge Studio zuständig. Auch toll sind die Worte von Louie Beateaux, die auf dem doppelseitig bedruckten Inlay zu lesen sind, checkt das ab, indes hören wir in das neue Material rein, mit folgendem Zitat im Hinterkopf:

“Man kann sich CARNIVORE A.D. wie ein renommiertes Restaurant vorstellen, dessen Chef vor Jahren verstorben ist, dessen Rezepte aber weiterleben und die Leute dort immer noch essen gehen wollen, statt selbst zu kochen. Und Chef Pete hätte nichts dagegen, denn seine Freunde bereiten alles mit Liebe zu.” – Louie Beateaux

Los geht es mit dem ‘Prologue’, der mit seiner düsteren Atmosphäre ein bisschen auf die folgenden Tracks vorbereitet – die Spoken Words sind hierbei ein cooles Feature. Nach dem ‘Vorspiel’ geht es mit Vollgas und “voll in die Fresse” Thrash los – ‘Transmutation’ kicks ass, aber vom Allerfeinsten. In ‘I Stand Alone’, einem atmosphärischen und nachdenklichen Song über Trauer und Verlust, gehen CARNIVORE A.D. zunächst ruhig zu Werke, um kurz vor dem Ende deutlich wütender zu werden. Der Moshpit-Hammer ‘Social Decomposition’ wurde als Single ausgekoppelt und bekam ein Video spendiert – die Meinungen zur Nummer reichen von “Mind blowing” über “Goosebumps”, “Killer Tune” und “Absolute Madness” bis zu “This is fucking excellent” – dem schließe ich mich an und empfehle euch, die Nummer anzuhören und das Video zu streamen. Räudig, undergroundig, mit kompromisslosen Gitarren, satten Drums und giftigen Vocals ranzt ‘Mine Is the Hand’ aus den Lautsprechern und hinterlässt den Geschmack von “rottigem” Club im Untergrund, flackerndem Licht und Menschen in schwarzer Kleidung, die gepflegt zur Mucke headbangen.

“Transmutation” ist ein verdammt starkes, kompromissloses Brett, das mit Wucht, Atmosphäre und Spielfreude überzeugt und sich eine entsprechend bockstarke Wertung verdient. Auch wenn ich zur Gründungszeit von CARNIVORE gerade einmal fünf Jahre alt war und zum ursprünglichen Sound nicht viel sagen kann, macht das, was CARNIVORE A.D. hier kredenzen, brutal Bock auf mehr und ebenso darauf, den – keineswegs despektierlich gemeint – Urvater der Truppe näher kennenzulernen.

Tobi Stahl vergibt 9 von 10 Punkten