BULLET – KICKSTARTER

BULLET

Titel: KICKSTARTER

Label: Steamhammer/SPV

Spieldauer: 39:12 Minuten

VÖ: 09. Januar 2026

BULLET: sechs Buchstaben, die für mich den Spruch „Liebe auf den ersten Blick“ definieren. Als im Frühjahr 2006 ihr Debütalbum „Heading For The Top“ erschien, war ich mit meinen damals 15 Lenzen noch spinatgrün hinter den Ohren und gerade frisch Abonnent des Rock Hard geworden. Die Lobpreisungen eines Götz K., ein Blick auf das Albumcover und ein Probehören auf dem beiliegenden Sampler im Heft ließen nur eines zu: das ist der neue, heiße Scheiß, der die alten Götter zwar mit Herzblut ehrt, aber ihren Spirit würdevoll ins neue Jahrtausend manövriert.

Seitdem hat mich der Mythos BULLET nie wieder losgelassen. Sei es ihr kultiger Volvo Bus aus den 60ern, den ich selbst mehrmals von innen bestaunen durfte, jedes neue Album, das mit Hochspannung erwartet wurde und nach Release monatelang heiß drehte, ihre unzähligen, schweißtreibenden Shows, auf denen ich in den letzten nunmehr fast 20 Jahren eskalieren durfte oder ein paar Abstecher zu ihrem eigens veranstalteten Muskelrock Festival in Südschweden. BULLET sind einfach Kult. Doch es ist in den letzten Jahren ruhiger um die Vollblut Rock’n’Roller aus Växjö geworden. Fast acht Jahre – so viel wie nie zuvor zwischen zwei Langrillen – liegen zwischen dem Vorgänger „Dust To Gold“ und „Kickstarter“.

Die Frage zu stellen, ob sich das Warten gelohnt hat, würde wohl an Blasphemie grenzen. Wo BULLET draufsteht, ist BULLET drin. Mit einem Snare Schlag und dem darauf folgenden, markanten Riff eröffnet der Titeltrack eine knapp 40-minütige schwermetallische Rock’n’Roll Orgie, die vollkommen außer Konkurrenz steht und nach vorne prescht, dass die Schwarte kracht. Hätten AC/DC in den frühen 80ern Heavy Metal gespielt, sie hätten BULLET geheißen. Oder hätten sich ACCEPT eben Brian Johnson ausgeborgt. Eine fette Prise Judas Priest der frühen 80er in den Twin Leads und abgeschmeckt mit der Rotzigkeit alter Rose Tattoo…
Vergleiche sind einerseits schön und gut für Unwissende, doch es sind eben BULLET. Ihre Söhne im Geiste, ihr Vermächtnis mit eigener, schwedischer DNA und einer herzerwärmenden Reibeisenstimme. Einzeln Tracks hervorzuheben fällt mir bei „Kickstarter“ fast genauso schwer, wie es für Gitarrist Hampus (O-Ton) beim Songwriting der Fall war, „einfache, prägnante und dennoch nicht platte Riffs“ zu schreiben. Jeder Song überzeugt mit eigenem Charme; sei es nun ein Midtempo Hardrocker wie ´Keep Rolling´ oder ´Night Falls Down´, Riffbomben der Marke ´Open Fire´ mit geilem 80er Metal Solo, das live als Steilvorlage für Publikumsanimationen geeignete ´Strike At Night´ oder bissige Uptempo Headbanger wie ´Avenger´ und ´Chained By Metal´. Hier zündet ein Feuerwerk das nächste. Die Produktion – transparent, warm, druckvoll und vor allem ECHT (!) – veredelt eines der besten Studioalben, die das aktuelle Jahrzehnt überhaupt zu bieten hat.

BULLET sind DIE Gralshüter des bereits vor über 40 Jahren von Rock Goddess besungenen „Heavy Metal Rock’n’Roll“: ehrlich, authentisch, leidenschaftlich und aus voller Überzeugung bis zum Anschlag. Wäre die Welt gerecht, hätten sie seit mindestens zehn Jahren einen kommerziellen Erfolgsstatus irgendwo zwischen Airbourne und Sabaton. Mir bleibt keine andere Wahl, als für „Kickstarter“ mit Freudentränen in den Augen die volle Punktzahl (+1 für die Spinal Tap Fans unter Euch) zu zücken… Und jetzt her mit den Tourdaten für eine ausgedehnte Stippvisite durch Mitteleuropa!

Marius Gindra vergibt 10 von 10 Punkten