BOTTLED
Titel: FRANKFURT
Label: German Democratic Recordings
Spieldauer: 75:49 Minuten
VÖ: 30. Oktober 2025
Gleich vorweg, das Instrumental zum Start, ´The Bottle Rages On´, zitiert nicht die fast gleichnamige Nummer von Deep Purple. Obwohl ich solches bei Lesen der Trackliste fast erwartet habe.
Leider ziemlich spät, doch besser spät als nie, so las ich über diese neue Scheibe aus der Ostmetal-Schmiede. Dafür stolperte ich dann tatsächlich in einem Heft über lobende Worte eines werten Kollegen. Jetzt sind BOTTLED aus Frankfurt an der Oder endlich auch bei mir eingetroffen.
Das Trio BOTTLED fand sich 1987 zusammen in der Besetzung Dobbi Dobberstein (v., b.), Thomas Romberg (g.) und Kay Gesche (dr.). Irgendwie gehörten sie da schon einer neuen Generation innerhalb des DDR Metal an. Mit ihrer wilden Mischung aus Thrash und Fun Punk huldigten sie Vorbildern wie D.R.I., Sodom, Carnivore und Tankard. Ein paar Auftritte und 1989 ihr erstes Demo „Don’t Sleep Till Tunnelstreet“ folgten. Mehr zur Geschichte erfährt man im, wie bei GDR üblich, im recht dicken Booklet.
Seit 2020 ist Dobbi als Merulas Turdus Bassistin bei der Death-Doom-Band Rost & Borke. Und Anfang 2024 treibende Kraft, BOTTLED wiederzubeleben. Im Sommer 25 ging es mit neuen Songs und neuem Drummer, Torsten Schlauß, ins Studio. „Frankfurt“ ist das gelungene Ergebnis. Dem wurde auf der CD das damalige Demo hinzugefügt. Das nenne ich eine sinnvolle Zugabe. Um es vorweg zu nehmen, nicht nur klingt das Demo mehr als professionell und nicht wie befürchtet nach Garage. Und ich kann natürlich ein wenig vergleichen die Musik von damals und von heute.
Aus dem Bauch heraus würde ich sagen, der Anteil an Thrash und Punk geht heute gegen Null. Dennoch klingen BOTTLED immer noch höchst altmodisch. Ich würde ihren aktuellen Sound fast Proto Thrash nennen. Allerdings macht der mir echt gute Laune. Zum einen, weil sich BOTTLED nicht ganz selbst ernst zu nehmen scheinen. Zum anderen, weil zwischen all dem Spaß, immer auch ernste Untertöne verstecken. Selbst eine offensichtlich auf Fun getrimmte Nummer wie ´Baptized In Beer´ kommt mit Zeilen wie „Born in the Gutter, grown up without fear, smash fascism, baptized in beer„. Diese Haltung kommt immer wieder durch.
Doch neben der Haltung, vor allem zählt die Musik. BOTTLED hantieren mit stählernen Blues Rock Riffs in ´The Bitter Truth´. ´Wrong Hood´ hingegen kommt mit einer gut geölten Motörhead-Note. ´Please Die!` hingegen würde ich dafür schon Manowarsche Epik nachsagen. Diese angenehm warme Mischung zieht sich komplett durch die neuen Songs. Zwischen denen stecken auch zwei Cover. Vor allem Leonard Cohens ´Everybody Knows´ haben sie sich auf ihre ganz eigene Weise zu Eigen gemacht. Das war bei ´Rock Hard´ von Fallout eher nicht nötig. Immerhin war das die Band vor Carnivore. Da muss ich wieder feststellen: Wieder was gelernt.
Wie gesagt, das Demo ist da weit grober. Dennoch auch mit viel Spaß an der Freude versetzt. Die Idee zu ´Icecream´ kam wohl im Englischunterricht. Und zu ´Beer!´ beim gemeinsamen Gläserleeren. Die Cover waren hier auch gut gewählt. Mutig vor allem ´Wenn Ich ein Junge Wär´ von Nina Hagen. Diese war ja nach dem Verlassen der DDR eher unerwünscht. Man bekam ja nicht mal den „Farbfilm“ zu hören.
Das größte Grinsen aber erzeugte bei den neuen Songs der böse sarkastische Text von ´Mein Erster Tag In Der Fleischfabrik´. Das ist wirklich großes Kino. Genauso groß, wie das Zitat in ´S.U.B. (Sumpf Und Bier)´ vom Demo, dass wirklich jeder für sich selber entdecken sollte.
„Frankfurt“ ist eigenwillig. „Frankfurt“ ist aus der Zeit gefallen. Es geht ins Ohr. Es ist kunterbunt. Eine Entdeckung für Leute, die es urwüchsig wollen und nicht von der Stange. Liebhaber von Schlagermetal und Sabaton verbrennen sich hier Finger und Ohren. Ansonsten dürfte wirklich jeder hier etwas finden.
Ich dachte ja eigentlich, dass die Geschichte des Metals in der DDR fast auserzählt ist. Irrtum. Da habe ich ganz nebenbei noch neues Altes auf die Ohren bekommen. Ob da noch mehr in den Archiven wartet? Und ich warte natürlich noch auf eine Reunion von Biest.
Mario Wolski vergibt 9 von 10 Punkten


