BLOODHUNTER
Titel: SONS OF THE ABANDONED
Label: Distortion Music Group
Spieldauer: 44:59 Minuten
VÖ: 12. Juni 2026
NERVOSA dürfte für viele Fans von knackigen Thrash- und Extreme-Metal-Ballersongs ein Begriff sein – und genau dort war auch die Stimme von BLOODHUNTER, Diva Satanica (geboren am 25. Juni 1988 in A Coruña, Galicien), eine Zeit lang aktiv. Zwischen 2020 und 2022 stand sie bei NERVOSA am Mikro und ist auf dem Album “Perpetual Chaos” (2021) zu hören. Doch ihre Geschichte reicht weiter zurück: Bereits von 2015 bis 2019 war sie bei OUTREACH aktiv und steuerte dort Growls für das Album “Ephemeral Existence” (2019) bei. Seit 2012 ist sie Frontfrau von BLOODHUNTER und prägt den Sound der Band maßgeblich. Mit ihr entstanden die Releases “Bloodhunter” (2014), “The End Of Faith” (2017), das Live-Album “Live In Madrid” (2020), “Knowledge Was The Price” (2022) sowie nun “Sons Of The Abandoned” (2026). Darüber hinaus taucht ihr Name immer wieder in der Szene auf: Sie war unter anderem mit zusätzlichen Vocals bei KAMELOT (2019) zu hören und steuerte Gastbeiträge für Bands wie HOLY MOSES (“Invisible Queen”, 2023), ANEUMA (“Under The Spell”, 2025) und APES OF GOD (“Misanthropy”, 2018) bei. Bevor sie sich komplett auf die Musik konzentrierte, startete Diva Satanica ihre Karriere 2007 als Alternative Model und arbeitete als Model-Merch für verschiedene internationale Extreme-Metal-Bands – ein Background, der ihre starke visuelle Präsenz bis heute prägt.
Jetzt veröffentlicht die Sängerin mit BLOODHUNTER, der 2008 gegründeten spanischen Melodic-Death-Metal-Band, ihr neues Album “Sons Of The Abandoned”. An ihrer Seite stehen Dani Arcos (Gitarre), Guillermo Starless (Gitarre), Fabián Tejeda (Bass) und Adrián Perales (Drums). Ich nehme mir die Platte vor, die am 12. Juni 2026 über ROAR – A Division of Reigning Phoenix Music erscheint – nicht zuletzt, weil der Vergleich mit ARCH ENEMY, ONCE HUMAN und THE AGONIST neugierig macht. Wie Diva Satanica kommen auch BLOODHUNTER aus Galicien und haben sich über die Jahre mit ihrer starken Live-Präsenz in der Extreme-Metal-Szene etabliert. Ihre Musik verbindet rohe Aggression mit Melodie, Groove und einem erzählerischen Anspruch. Bereits seit den frühen Tagen – etwa seit dem Demo “The First Insurrection” (2013) – ist Diva Satanica für die Lyrics verantwortlich, während das Songwriting von Fenris aka Dani Arcos stammt – so war es zumindest bis zum letzten Album. Beim neuen dürfte es ähnlich sein, bestätigt ist das bislang allerdings noch nicht.
Zu den klaren Trademarks der Band gehören Themen rund um Macht, menschliche Abgründe, Mythologie und Transzendenz sowie das Wechselspiel aus Härte und Atmosphäre. Über die Jahre wurde das Songwriting hörbar stärker, der Stil geschärft und erweitert – ohne dabei die aggressive Basis aus den Augen zu verlieren. Mit “Sons Of The Abandoned” greifen BLOODHUNTER Themen wie Identität, Verletzlichkeit, persönliche Kämpfe sowie den Preis auf, den es kostet, seinen eigenen Weg zu gehen. Inhaltlich geht es um innere Dämonen, toxische Umfelder, generationale Entfremdung und Orientierungslosigkeit in einer von Individualismus und oberflächlichen Werten geprägten Welt. Im Song ‘The Path That Never Ends’ gibt es zudem einen Gastbeitrag von Laura Guldemond (BURNING WITCHES), während ‘The Night Is Darker Before The Dawn’ als instrumentales Stück auf dem Album vertreten ist. Wie sich das alles musikalisch und im Gesamtbild zusammensetzt, checken wir jetzt.
“Like A Beast” – angriffslustig und bissig – eröffnet ‘The Devil’s Own’ auf “Sons Of The Abandoned”, der neuen und sehnsüchtig erwarteten Platte von BLOODHUNTER. Mit nicht minder scharfen Reißzähnen legen die Galicier den Nackenbrecher ‘The Outspoken’ nach und haben für ‘Threshold Of Hell’ keinen Geringeren als Fernando Ribeiro gewinnen können. Der MOONSPELL-Derwisch bringt noch mehr Feuer und ein paar okkulte Vibes in die Nummer – sehr geile Collab! Der melodische Aspekt kommt in ‘Ephemeral Youth’ gut zur Geltung. Diva Satanica setzt ihre Stimme brutal gut ein, ebenso bockstark zocken Dani und Guillermo ihre Klampfen, während die Rhythmus-Fraktion um Fabián und Adrián den Takt vorgibt. Aggressiv nach vorne geht es in ‘Sons Of The Abandoned’, das einen Hauch symphonischer Vibes besitzt. Infernalisch in der Gangart und grantig in den Vocals knallt ‘No One Beats Death’ in eure Trommelfelle, die in ‘Code Aeternam’ ebenfalls einer wuchtigen, wenn auch andersartigen Klanggewalt ausgesetzt werden – facettenreicher geht es fast nicht. Apropos Facetten: ‘The Path That Never Ends’ hat derbe OSDM-Vibes, die Growls lassen den Boden vibrieren und die Clearvocals von Hexe Laura Guldemond setzen einen starken Kontrast dazu. ‘The Night Is Darker Before The Dawn’ ist die bereits angesprochene instrumentale Nummer, die ein bisschen Pause vom deftigen Beschuss bietet – der aber schon in ‘Masters Of Deceive’ zurückkehrt und in ‘Human Insecticide’ seinen finalen Höhepunkt erreicht.
BLOODHUNTER liefern mit “Sons Of The Abandoned” ein verdammt starkes Album ab, das scharfkantigen Melo Death mit einer Portion Thrash- und Death-Metal-Vibes verbindet. Die Band schafft dabei den Spagat zwischen modernem Sound und Old-School-Attitüde ziemlich souverän und streut immer wieder starke Akzente ein – etwa durch die atmosphärischen Klaviermomente oder die gezielt eingesetzten melodischen Parts, die dem Album zusätzliche Tiefe verleihen, ohne den Druck herauszunehmen. Dazu kommen mit Fernando Ribeiro und Laura Guldemond zwei richtig starke Gäste, die dem ohnehin schon facettenreichen Album nochmals zusätzliche Würze verpassen. BLOODHUNTER präsentieren sich auf “Sons Of The Abandoned” fokussiert, bissig und abwechslungsreich – eine Platte, die ordentlich nach vorne geht, aber trotzdem genug Details mitbringt, um auch nach mehreren Durchläufen spannend zu bleiben.
Tobi Stahl vergibt 8,5 von 10 Punkten


