AVALAND – CHEMICAL POETRY

AVALAND

Titel: CHEMICAL POETRY

Label: STORYTIUM SAS

Spieldauer: 63:40 Minuten

VÖ: 30. Oktober 2026

AVALAND wurde 2020 als ein vollständig immersives, theatralisches Live-Erlebnis inspiriert von Acts wie The Alan Parsons Project, Avantasia, Winger und Savatage konzipiert und gegründet. Der Sound verbindet orchestrale Arrangements und Metal-Oper-Storytelling mit dynamischem Rock und Heavy/Power Metal. Dahinter stehen die beiden Leadsänger Adrien G. Gzagg und Jeff Kanji sowie Gitarrist Lucas Martinez, Camille Souffrons am Bass und Drummer Léo Mouchonays.

Mit ihrem neuen Album “Chemical Poetry”, produziert von Joost van den Broek (Epica, Powerwolf, Sabaton, Ayreon, Blind Guardian), setzt die Band nun ihre Metal-Oper-Saga fort. Nach den Veröffentlichungen von “Theater Of Sorcery” (2021) und “The Legend Of The Storyteller” (2023) ist die neue Scheibe das dritte Kapitel im Opus und Fantasy-Kosmos der Band.

Ihr einzigartiger Stilmix ist im Power-, Heavy- und Symphonic-Metal verwurzelt, den sie mit theatralischem Flair, orchestraler Opulenz, düsteren Melodien, Swing- und Jazz-Elementen sowie subtilen elektronischen Akzenten, diesen typischen üppigen Chor-Arrangements und einem Hauch Death Metal verbindet.

Für ein ausführliches Eintauchen in die Geschichte fehlte mir zwar ein wenig die Zeit, aber die musikalische Umsetzung ist inspirierend und beeindruckend, oft in Duett-Passagen und/oder Dialog-Form wie beim grandiosen `Fate´, aber auch mal in schlichteren Power Metal-Bangern. Über die Musik hinaus können Fans übrigens die fortlaufende Saga von AVALAND, die sich über Alben, Songs und Story-Fragmente erstreckt durch monatlich auf World Anvil (einer Plattform, die Tools zum Erstellen, Organisieren, Speichern und Teilen von Fantasy-Welten bietet) veröffentlichte neue Kapitel weiterverfolgen.

Am Beispiel der Singleauskopplung `Face The Eternal´ wird die eindrucksvolle und aufwändige musikalische und inhaltliche Umsetzung deutlich. Musikalisch verbindet die Single umfassende Erzählkunst mit klassischen Elementen, 80s Sound und einem mitreißenden Synthie-Solo von Joost van den Broek sowie den für die Band charakteristischen Chören sowie einer Prise Melodic Death Metal Riffs und Vocals, die den Track veredeln. In diesem düster-dramatischen Abschnitt ihrer Fantasy-Geschichte trifft der Protagonist Aylan Wilstorm in den Necrolands auf den Tod, der in der facettenreichen Mythologie von AVALAND eine sanfte Anführerin und eine Tochter der Zeit ist, gerecht, weise und still. Verkörpert wird sie folgerichtig von Helle Bohdanoca (IGNEA) als Gastsängerin, die ihre brutalen Growls entfesselt, die im eindrucksvollen Kontrast zum Klargesang der beiden Frontmänner stehen.

`Beauties & Beasts´ kommt dagegen im Stil einer Revue mit Swing, Blechbläsern und Chören daher. Und eigentlich strebt alles auf den Höhepunkt, das epische, über zwölf Minuten umfassende, facettenreiche Kernstück `Trinity´, übrigens erneut inklusive einiger Growls, hinaus, auf den mit `Fallen Leaves´ und den atmosphärischen Abschluss `Faded Away´ aber noch zwei weitere fulminante Kracher folgen.

Auch wenn die genannten Trademarks wie beinahe immer bei solchen Konzeptwerken ein wenig auf Kosten der Songdienlichkeit und Griffigkeit gehen und mir sich hier ein wenig viel im Stil eines Musicals oder Musikfilms abspielt, setzen AVALAND im Bereich der Metal-Oper auch mit ihrer neuen Platte Maßstäbe in Sachen Detailverliebtheit, Opulenz und Musikalität. Wer sich darauf einlässt erhält ein gut einstündiges, nachhaltiges, vielschichtiges Epos mit einigen Stücken, die auch für sich alleine stehend eine mehr als gute Figur abgeben.

Michael Gaspar vergibt 8,5 von 10 Punkten