NOCTURNUS A.D.  – Noch lange nicht am Ende

NOCTURNUS A.D.  – Noch lange nicht am Ende

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Mike Browning gilt als einer derjenigen, die die frühe Death Metal Szene bei den frühen MORBID ANGEL, bei INCUBUS und natürlich bei NOCTURNUS als Sänger und Drummer ordentlich mitgeprägt hat. Lange hatte man hierzulande kaum etwas gehört, bis letztes Jahr ein neues Album erschien. Nach wieder einem vergangenen Jahr, war dann an der Zeit mal nachzuhören wie es im unheiligen Hause BROWNING eigentlich aussieht und etwas über Vergangenheit und Zukunft zu reden.

Die ständige Diskussion darum, wer den Death Metal denn eigentlich erfunden hat, kommentiert MIKE folgendermaßen:

Das ist eine wirklich schwierige Frage. Für die meisten würden wohl POSSESSED als erste Death Metaller gelten aber es gab zur gleichen Zeit auch andere Bands, die genauso heavy wie POSSESSED waren. ONSLAUGHT zum Beispiel waren so eine und sie hatten zur gleichen Zeit ihr Demo rausgebracht. Wahrscheinlich gab es noch unzählige kleine Bands, die ihr Zeug noch vor den beiden veröffentlicht hatten. Eine eindeutige Antwort wird es darauf wohl niemals geben.

Zu dir und NOCTURNUS A.D.. Zwischen dem letzten regulären NOCTURNUS Album “Thresholds” und  der aktuellen “Paradox” Scheibe sind  27 Jahre vergangen. Was hast du all die Jahre getrieben?

 

Ja das war eine verdammt lange Zeit. Direkt nach “Thresholds“ bin ich zu ACHERON gegangen. Wir haben zusammen eine EP und ein Single veröffentlicht. Von 1996-1998 war ich mit in Freunden in einigen kleinen, lokalen Bands unterwegs und 1999 hab ich AFTER DEATH gegründet, aus denen dann schließlich NOCTURNUS A.D. wurden. Ich hab also nie aufgehört Drums zu spielen. Eigentlich hätten wir NOCTURNUS heißen sollen aber Lou Panzer hat mir 1992 den namen gestohlen und ihn für sich eintragen lasse. Also konnte ich ihn nicht nutzen … Also war die logische Konsequenz AFTER DEATH und ab dann NOCTURNUS A.D.

 

Du hast also nie daran gedacht, mit der Musik aufzuhören?

Nein, ich liebe es Musik zu erschaffen und habe meine Bands niemals als meinen Job betrachtet. Die Musik ist immer mein kreatives Outlet gewesen, bei dem ich meine Ideen umsetzen und Geschichten erzählen kann. Zum Glück musste ich nie Musik machen, um zu überleben. So kann ich immer dann etwas machen, wenn mir danach ist und ich musste mich nie nach irgend einer Deadline richten.   

 

Deine Geschichten drehen sich immer schon um Science-Fiction Themen. Was macht das so faszinierend für dich?

Schon als Kind und Jugendlicher waren Sci-fi und Horrorstories einfach das Größte für mich!  Ich hab alles verschlungen was mit Sci-fi zu tun hatte. Comic books und Science Fiction Bücher und natürlich jede Menge Filme und TV Sendungen die irgendwie mit Sci-fi oder Horror zu tun hatten. Wir hatten ja damals kein Internet oder Handies, noch nicht mal CDs oder DVDs, also bin ich die örtliche Bibliothek gelaufen, um neuen Lesestoff zu finden. Und so hab ich mich daran gewöhnt solche Sachen zu lesen… mein Leben lang. Eins meiner Lieblingsbücher, das beide Themenbereiche kombiniert war “Inferno” von Larry Niven und Jerry Pournelle, So eine Art Sc-fi Version von “Dantes Inferno“.

 

Daneben tauchen aber auch immer anti-religiöse , anti-christliche Themen bei dir auf. Ist dir das immer noch wichtig?

Seitdem ich vierzehn war ,habe ich mich immer für das Okkulte interessiert. Mittlerweile habe ich eine ziemlich große Sammlung von über 600 metaphysischen und okkulten Büchern, zusammengestellt. Für mich persönlich ist es so: je mehr ich darüber lerne, desto tiefer stecke ich da drin. Man kann also sagen: ja, es ist eins der Sachen, die mich mein Leben lang begleiten weil sie mich immer interessiert haben.

Dein aktuelles Album “Paradox” geht wieder zurück an den Anfang und erinnert, nicht nur von der Optik wesentlich stärker an das NOCURNUS Debüt “The Key“ als an “Thresholds”.

Klar, “Paradox’ ist die Fortführung  der “The Key” Story und einige Songs werden auch textlich wietergeführt.  Da ich auf “Thresholds” nur die Drums übernommen hatte, wurden auch die Texte nicht weitergeschrieben, wie ich es eigentlich schon von Anfang an, also beim Schreiben für “The Key“  geplant hatte. Als ich dann endlich die Chance dazu hatte, habe ich da natürlich vollständig ausgenutzt.  

Wie schwierig war es eigentlich für sich wieder bei einem Plattenlabel unterzukommen?

Es war überraschend einfach! Wir haben nur einen einzigen Demosong aufgenommen und sofort mehrere Labels, die uns kontaktierten und signen wollten. Profound Lore (die aktuelle Plattenfirma) waren eine logische Wahl. Ich hatte ein paar Dinge, die ich für NOCTURNUS A.D. haben wollte: Ein vernünftiges Budget für die Aufnahmen, einen guten Vertrieb, Geld für Werbung und für ein Video. (Das Video zu ‘Apotheosis’ könnt ihr unten sehen.) Von den Labels, die uns Angebote gemacht hatten, gab es nur ein paar wenige, die diese Bedingungen vertraglich festschreiben und auch erfüllen konnten. Profound Lore sind einfach ein richtig gutes Label. Sie haben alles getan, was sie versprochen hatten und mehr!

Wie siehst du denn die Zukunft für die NOCTURNUS A.D. Dieses Pandemie-Jahr ist ja alles andere als günstig für Musiker.

Stimmt, ich glaube, es gibt niemanden, der nicht auf die eine oder andere Weise betroffen ist. Ich hab einen regulären Job und bin ganz gut da durch gekommen, also bin ich wesentlich weniger betroffen als die meiste anderen Leute. Die Band schon eher. Wir sollten dieses Jahr eigentlich einige Festivals in den USA und auch in Europa spielen. Die sind natürlich allesamt auf den nächsten Sommer verschoben. Ich hoffe wirklich, dass sie stattfinden können. Also bleibt uns jetzt nichts anderes als zu proben und weiter Musik zu schreiben. Wir haben fünf neue Tracks für das nächste Album bereits fertig und ich arbeite gerade am sechsten

Du hast ja auch Texte über Zeitreisen gemacht. Wenn du in deinem Leben etwas rückgängig machen könntest, was wäre das?

Als ich damals bei MORBID ANGEL war und Trey zusammen mit meiner damaligen Freundin erwischt habe, würde ich vielleicht aus heutiger Sicht anders reagieren und ihn nicht so übel zurichten, wie damals. Weil das ja schließlich mein Aus bei MORBID ANGEL bedeutete. Wer weiß, wenn ich ihm damals nicht den Arsch versohlt hätte, wohin das mit uns hätte führen können.

Aber egal. Ich hab Glück und möchte mich einfach bei all den Menschen bedanken, die mich über die Jahre hinweg unterstützt haben und glaubt mir. Das war noch nicht das Ende.

Das ist doch wohl auch zu hoffen!

 

Interview: Sven Bernhardt

Videostream:

 

Fotos mit Genehmigung von Mike Browning Foto 2 von Martin Mayer