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„Leave Me In Hell“ – Ein Nachruf auf CONRAD „CRONOS“ LANT

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Kaum konnte sich die Musiklandschaft halbwegs vom Ableben des Rose Tattoo Frontmanns Angry Anderson erholen, ereilte uns sehr unvorhergesehen die nächste derbe Hiobsbotschaft: Cronos ist tot! Bei „Angry“ war es nach der Vorgeschichte im August mit abgebrochener Tournee leider noch halbwegs absehbar. Doch jene Meldung kam wie ein Gewittersturm aus heiterem Himmel; erschien doch erst Anfang Mai mit „Into Oblivion“ ein neues VENOM Album und auch zwei exklusive Gigs beim Sweden Rock in Juni und dem norditalienischen Luppolo In Rock im Juli 2026 wurden noch gespielt. Am ersten Oktober verbreiteten seine Angehörigen die traurige Nachricht dann offiziell über Social Media; Conrad Thomas Lant – so sein bürgerlicher Name – verstarb wenige Tage zuvor im Alter von gerade einmal 63 Jahren.

Seien wir ehrlich: es war wohl nicht immer ganz einfach, mit ihm zusammen zu arbeiten. In den letzten Jahren gab es dann letzten Endes auch parallel drei Versionen der britischen Legende: VENOM (mit Cronos), VENOM INC. (am Schluss nur noch mit Zweitsänger Tony Dolan) und MANTAS/ABADDON VENOM, die erst im April dieses Jahr auf dem Keep It True in Lauda-Königshofen eine glorreiche Feier zum 45. Jahrestag ihres Zöglings „Welcome To Hell“ inklusive unzähligen Gastmusikern feierten, eigentlich ein paar Monate zu früh. Man arbeitete am Ende getrennt; und hat dennoch gemeinsam Geschichte geschrieben. Mit Alben, die das Metal Universum für immer auf den Kopf stellen sollten. Und „Welcome To Hell“ – erstmals auf die Menschheit im Dezember 1981 losgelassen – allen weit voran…

Doch kaum war das Debüt via Neat Records auf dem Markt, schoben die damals spätpubertären Chaoten – seinerzeit alle drei gerade einmal zwischen 19 und 22 Jahre alt –  im Folgejahr gleich das nächste Album hinterher, das einem ganzen Genre gleich noch seinen Namen verpasste: „Black Metal“. Härter, schneller und lauter als VENOM? Anfang der 80er unvorstellbar! Beeinflusst vom britischen 77er Punk – die Sex Pistols waren große Vorbilder von Cronos –  und den ersten NWOBHM Acts, hoben VENOM all das bestehende Gemisch auf ein neues, noch wahnsinnigeres Level. Ohne übrigens trotz der ganzen Klischees an das zu glauben, über was sie sangen… Am Ende galten sie als einer der größten Einflüsse einer kleinen kalifornischen Garagenband namens Metallica, bis die Revolution ihre eigenen Kinder fraß. VENOM gerieten Mitte der 80er zusehends ins Hintertreffen, während Thrash Metal Truppen aus Übersee immer größer wurden und auch erste Death Metal Acts begannen, neue, noch derbere Härtegrade auszutesten. Cronos probierte es zwischendurch auch als Solokünstler im fast schon melodischen Heavy Metal Sektor; um dann Mitte der 90er wieder mit VENOM – zuerst in Originalbesetzung – zurückzukehren. Doch schnell gab es erneute interne Querelen, weshalb er am Ende das letzte verbleibende Urmitglied der „Originalband“ blieb.

Zu VENOM kam ich tatsächlich erstmals über die Plattensammlung meines Vaters mit etwa 14/15. Der gute Mann – gleicher Jahrgang wie Conrad – hat das in den frühen 80ern mal eine Zeit lang für gut befunden, sich dann ab einem gewissen Punkt jedoch von dem „ganzen Krach“ abgewandt, wo es immer nur um härter, lauter und schneller ging. Als er mir seine drei Vinyls von „Welcome To Hell“, „At War With Satan“ und „Eine Kleine Nach(t)musik“ (legendäre spanische Fehlpressung) irgendwann überließ, schoss er sich vorerst natürlich erst einmal ein fettes Eigentor; denn genau diese Scheiben dröhnten ihm dann in aller Regelmäßigkeit aus dem Zimmer seines Sprösslings, der natürlich noch Zuhause wohnte, entgegen. Also auch hier: Danke, Papa! Heute lachen wir gemeinsam drüber…

Ich selbst hatte 2011 beim Christmas Metal Meeting in Lichtenfels, 2012 auf dem Bang Your Head!!! und 2013 beim Party.San die Ehre, ihn mit VENOM live zu bewundern. Die Show von 2013 blieb mir nach der abenteuerlichen Heimfahrt von 2011 – mit halb versagenden Bremsen eines schrottigen Opel Corsa B mitten im Frühwinter zwischen Oberfranken und Rheinhessen – ganz besonders in Erinnerung. Obwohl ich nur als Tagesbesucher und hauptsächlich für VENOM anreiste, parkte ich nach Ankunft meine Karre damals direkt auf dem Zeltplatz. Der Tag sollte schnell zur dezent alkoholgetränkten Partysause werden und natürlich haute es mich beim Co-Headliner Carcass dank unbedachter Crowdsurfing Aktionen ohne Dämpfer mit dem Ellenbogen auf den betonierten Boden. Ein Indianer kennt keinen Schmerz; und deshalb war natürlich keine große Zeit für Sanis und „so einen Schwachsinn…“. Ausbluten lassen und VENOM schauen. Sie kamen, sahen und siegten. Nach der Aftershowparty folgte dann in den frühen Morgenstunden ein bemitleidender Blick der Einsatzkräfte. Einmal Verband drum, ausschlafen und wieder heimwärts… Es pochte noch tagelang, krankmelden auf der Arbeit am Montag war ein absolutes Tabu (gerade hatte ich erst die unbefristete Übernahme bekommen…). Und trotzdem: es war’s wert. Ich war zu dem Zeitpunkt 22; und es sollte doch tatsächlich das letzte Mal sein, dass ich ihn lebend vor mir sah. Mit tatsächlich guter Erinnerung trotz ein paar Atü auf dem Kessel…

Mit dem Ableben von Cronos zerplatzt für immer die Hoffnung, eines Tages doch noch einmal alle drei Paten des extremen Metal auf eine Bühne zu bekommen. Doch ich werde nicht müde, auf Lebzeiten zu behaupten, dass „Welcome To Hell“ mein subjektiv liebstes Extreme Metal Album aller Zeiten bleibt. Bei aller Liebe: keine Slayer, keine Celtic Frost, keine Morbid Angel oder Death, keine Overkill Scheibe und kein verdammtes Teutonic Thrash Metal Album dieser Welt – ja nicht einmal die alten Sodom Meisterwerke und schon gar kein norwegisches Black Metal Album der frühen 90er – bringen Aggression, Wahnsinn, neue Härtemaßstäbe und Nonkonformität so derbe rumplig, liebenswert und „perfekt unperfekt“ auf den Punkt wie „Welcome To Hell“.

Auch für mich als Bassist in einer kleinen Underground Band – unseren Sound titulieren wir selbst als „Old School Extreme Metal“, während die meisten von Black/Thrash sprechen – war und ist Conrad Lant mit seinem erschaffenen „Bulldozer Bass Sound“ nach Lemmy die zweite große Inspiration, wieso ich dieses Ding immer wieder aufs Neue in die Hand nehme…

REST IN FUCKING POWER, CRONOS (1963 – 2026) & „Danke!!!“ für einen der wichtigsten Wendepunkte in der Musikgeschichte… Ohne Dich wäre es wahrscheinlich niemals härter geworden!!!

 

Text: Marius Gindra

Photo Credits: Sven Bernhardt