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KINGSMASH – Vom Keller in die Welt hinaus: “The Heart Remains at Home”

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KINGSMASH legen mit “The Heart Remains at Home” ein Debüt vor, das direkt ordentlich Druck macht. Fette Riffs, starke Hooks und Refrains, die sich ziemlich schnell festsetzen, sorgen dafür, dass man nach dem ersten Durchlauf direkt nochmal reinhört. Entstanden ist das Ganze aus einem Kellerprojekt während der COVID-Zeit – inzwischen steht da aber eine Band, die deutlich mehr will als nur im Schwarzwald zu bleiben. Ich habe mit Michael von KINGSMASH darüber gesprochen, wie aus der Idee ein Album wurde und wo die Reise hingehen soll.

Tobias:
Servus in den Schwarzwald zu KINGSMASH, freut mich, dass unser Interview klappt und du mir meine Fragen beantwortest. Wo erwische ich dich gerade, und was machst du, wenn du keinen knackigen Rock zockst?

Michael:
Hallo Tobias, freut mich auch sehr und vielen Dank für das Interview! Du erwischst mich gerade bei mir zuhause. Was ich mache, wenn ich keinen knackigen Rock zocke?! Einen langweiligen, geregelten 8-Stunden-Job – zumindest noch so lange, bis ich von der Musik leben kann.

Tobias:
Wenn man eure Geschichte kennt, ging das Ganze ja als Kellerprojekt unter “MIKE AL HAIR” los und bestätigt das Klischee “typischer” Rockbands und deren Gründung. Wann war der Punkt erreicht, an dem klar war: Das muss raus aus dem Keller, ins Studio und auf die Bühne?

Michael:
Da muss ich ein bisschen ausholen. Ich mache schon recht lange Musik und habe schon seit meiner Jugend immer in verschiedenen Bands gespielt. Allerdings waren das immer “nur” Coverbands. Ich habe dann aber mehr und mehr gemerkt, dass mir “covern” keinen allzu großen Spaß mehr macht. Und so habe ich für mich den Entschluss getroffen, endlich eigene Songs zu schreiben. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon ein paar Songideen im Kopf, die ich dann – wie du richtig sagst – sehr klischeehaft bei mir zuhause im Keller ausgearbeitet habe. Als dann ein kleines Repertoire an Songs “fertig” war, habe ich anhand dieser Demo-Aufnahmen versucht, eine Band zusammenzustellen. Mit Severin, Ralf und Atze war sehr schnell klar, dass die ideale Bandbesetzung gefunden war. So konnte es weitergehen.

Tobias:
Wie kommt man auf “MIKE AL HAIR” und dann auf KINGSMASH – das ist ziemlich harter Stoff als Bandnamen und wandelt zwischen “Wahnsinn” und Genialität?

Michael:
MIKE AL HAIR ist quasi mein bürgerlicher Name, nur eben ganz anders geschrieben. Den genialen Bandnamen KINGSMASH hingegen verdanken wir unserem Schlagzeuger Severin. Wir hatten eine sehr lange Liste mit – teilweise – mehr oder weniger ernsthaften Namensvorschlägen. Als Severin dann mit KINGSMASH ankam und wir erfreulicherweise festgestellt hatten, dass der Name sogar noch “frei” war, war sofort klar, dass die Namenssuche beendet ist.

Tobias:
Der Schwarzwald ist nicht als Wiege des Rocks bekannt, eher durch Tannenzäpfle, Uhren und leckeren Schinken. Wie seid ihr denn zum Rock gekommen, und was hat euch vor der typischen Musik bewahrt – und habt ihr Vorbilder, die eventuell selbst aus dem Schwarzwald kommen?

Michael:
Wie ich feststellen muss, hast du ein eher konservatives, um nicht zu sagen veraltetes Bild vom Schwarzwald. Aber kein Problem! Sei versichert, Rock und Metal haben längst den Weg in die Tiefen des Schwarzwaldes gefunden.

Tobias:
Wie sehr prägt eure Herkunft euren Sound, wenn überhaupt?

Michael:
Natürlich sind wir alle sehr stolz und froh, in so einer schönen Gegend wie dem Schwarzwald zu leben, aber den Sound beeinflusst unsere Herkunft allenfalls am Rande – wenn überhaupt.

Tobias:
Mit “Black Forest Power Rock” habt ihr schon eine bemerkenswert eingängige und klare Richtung vorgegeben. Jetzt ist das Debüt richtig fett und rockig geworden – seid ihr selbst überrascht von der guten Resonanz, oder habt ihr es nicht anders erwartet?

Michael:
Ja, da sprichst du einen guten Punkt an. Unsere erste EP “Black Forest Power Rock” hat durch die Bank ausschließlich sehr gute Kritiken bekommen, was uns natürlich sehr gefreut hat. Tatsächlich hat dies jedoch auch einen gewissen “Druck” aufgebaut. Mit dem Album wollten wir natürlich die gleiche Qualität an Songs und die gleiche gute Produktion wie auf unsere erste Veröffentlichung abliefern. Über die bisher sehr guten Resonanzen zum Debütalbum freuen wir uns sehr.

Tobias:
Euer Sound atmet starke Hooks, Druck und hat einen Rock’n’Roll-Drive. Trotzdem: Welche Bands oder Einflüsse haben euch dabei am meisten geprägt?

Michael:
Für mich als Sänger und Gitarristen steht immer der komplette Song im Vordergrund. Ein Hammer-Gitarrenriff alleine macht noch keinen guten Song, es muss alles ineinandergreifen und die gewisse Eingängigkeit wird bei uns auch immer großgeschrieben. Wenn ich aus dem Stegreif Künstler nennen sollte, die mein Songwriting maßgeblich beeinflusst haben, wären da auf jeden Fall SCORPIONS und SOCIAL DISTORTION zu erwähnen.

Tobias:
Der Opener ‘Infernal Fire’ ist ein Brett vor dem Herrn. War das von Anfang an als Auftaktnummer gedacht, oder hat sich das im Studio ergeben?

Michael:
Der Song war schon von Anfang an als Opener vorgesehen. Heute musst du den Hörer sofort abholen. Intros oder lange Songaufbauten funktionieren heutzutage einfach nicht mehr. Der Opener muss direkt knallen – und das tut er.

Tobias:
Auch ‘Devil Inside Your Head’ und ‘The War Of The Angels’ gehen gut nach vorne und haben ordentlich Heavy-Anteile. Wolltet ihr bewusst härter starten, oder hat sich das einfach so entwickelt?

Michael:
Die Reihenfolge der Songs ist ganz bewusst so gewählt.

Tobias:
Mir hat es besonders das verdammt gute ‘The War Of The Angels’ angetan – ist das eure deftigste Nummer?

Michael:
Oh, vielen Dank, das freut uns, dass dir der Song so gut gefällt! Vom “Härtegrad” und der Geschwindigkeit kann man ‘The War Of The Angels’ schon als die deftigste Nummer bezeichnen.

Tobias:
Mit ‘Sparrow’ und dem Titeltrack ‘The Heart Remains At Home’ zeigt ihr dann auch die melodische Seite. Wie wichtig ist euch diese Balance zwischen Härtegrad und Eingängigkeit?

Michael:
Die Mischung zwischen Härte und Gefühl ist uns sehr wichtig! Wir wollen ein abwechslungsreiches und – natürlich im Rahmen des Power-Rocks – vielseitiges Album präsentieren.

Tobias:
Der Titeltrack hat ja auch eine gewisse emotionale Note. Was steckt hinter “The Heart Remains at Home”?

Michael:
Natürlich schwingt bei solchen Songs bzw. Texten wie “The Heart Remains At Home” immer eine gewisse emotionale und auch autobiografische Note mit.

Tobias:
Songs wie ‘The Wild Girl’ oder ‘I Don’t Know Where To Go’ gehen ordentlich nach vorne und sind extrem eingängig. Denkt ihr beim Schreiben schon daran, wie die Nummern live funktionieren?

Michael:
Ein klares Ja! Das ist der Grund dafür, dass wir kaum langsame Songs bzw. Balladen im Repertoire haben. Wir sind eine Live-Band und die Songs müssen live funktionieren. Da eignen sich flotte Songs einfach am besten.

Tobias:
Am Ende steht mit ‘Dragonslayer’ nochmal ein richtig starker Rausschmeißer – keine Ballade, sondern Vollgas bis zum Schluss. War euch wichtig, das Album genau so abzurunden und eben keine Ballade auf die Platte zu packen?

Michael:
Wie bereits erwähnt, haben wir einfach nicht sonderlich viele langsame oder balladeske Songs in petto. Unsere Power-Ballade “Afar We Are” haben wir bereits auf unserer ersten EP veröffentlicht. Daher war klar, dass auf dem Album keine Ballade sein wird. Den Song ‘Dragonslayer’ als Album-Rausschmeißer zu nehmen, war eine ganz bewusste Entscheidung.

Tobias:
Ihr habt mit dem Debüt ein starkes Fundament gelegt und definitiv das Potenzial, vom Schwarzwald aus über Deutschland hinaus die Welt zu rocken. Was sind eure nächsten Ziele – und wo wollt ihr mit KINGSMASH hin?

Michael:
Vielen Dank für das Kompliment! Unsere nächsten Ziele hast du bereits in deiner Frage formuliert. Vom Schwarzwald aus über Deutschland hinaus die ganze Welt zu rocken, ist unser Ziel. Aber Spaß beiseite: Natürlich möchten wir unser neues Album gerne live präsentieren – am liebsten auf tollen Festivals.

Tobias:
Zum Abschluss – die letzte Frage habe ich euch bewusst offengelassen: Habt ihr noch ein paar Worte zum Schluss an eure Fans und alle, die “The Heart Remains at Home” gerade für sich entdecken?

Michael:
Vielen Dank an alle, die uns auf unserem bisherigen Weg unterstützt haben, und “herzlich willkommen” an alle, die uns gerade neu entdecken.

Zum Abschluss möchte der Autor dieses Interviews sagen und festhalten, dass KINGSMASH mit “The Heart Remains at Home” ein druckvolles Rock-Brett zünden, bei dem der Schwarzwald-Kuckuck ordentlich mitrockt – ein Debüt mit ordentlich Wucht und Potenzial weit über die Landesgrenzen hinaus. Die Aussage zur “Wiege des Rocks” im Schwarzwald war natürlich augenzwinkernd gemeint und bezieht sich auf die klassischen Qualitätsmerkmale der Region – umso schöner ist es, wenn Rock und Metal inzwischen ihren festen Platz gefunden haben und künftig ebenfalls zu den Markenzeichen der Region zählen.

Interview: Tobias Stahl
Photocredit: Promo/Kingsmash