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KEEP IT TRUE LEGIONS 2026 – Ein Rückblick

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08 – 09. August 2026

Eventzentrum, Geiselwind

 

Obschon es das „Keep It True“-Festival bereits seit über zwanzig Jahren gibt, lässt Oli Weinsheimer sich immer wieder neue Varianten dieses Formats einfallen, die auch außerhalb der eigentlichen Zentrale in Lauda-Königshofen für mächtig Furore sorgen. Nach dem KIT-RISING, das während Corona entstand und nächstes Jahr in der Würzburger Posthalle bereits in die sechste Runde geht, kommt nun ganz neu das KIT-LEGIONS hinzu. Hier erfüllt Oliver sich den lang gehegten Wunsch ein vergleichsweise großes Event, mit großen Namen, in einer großen Location zu veranstalten und dies ist ihm wahrlich gelungen. Aber lest selbst…

PROLOG:

Das Eventzentrum in Geiselwind ist ein riesiges Areal direkt an der A3 und entsprechend leicht zu erreichen. Für den Stau hinter Würzburg bei der Anfahrt kann ja keiner was unddass die Autobahnauffahrt bei Abfahrt Sonntagnacht wegen eines Schwertransportes gesperrt ist, ist dann auch persönliches Pech. Ich hätte ja noch eine weitere Nacht bleiben können, aber musste leider am nächsten Tag, wenn auch etwas übermüdet, arbeiten.
Der ungewöhnliche Umstand, dass nicht wie sonst üblich Freitag und Samstag, sondern Samstag und Sonntag zum Tanz aufgespielt wird, hat aber den Vorteil, dass einige Fans nach dem Party.San oder Brutal Assault, die am gleichen Wochenende stattfinden, noch nach Geiselwind pilgern, um auch am Sonntag kurzerhand weiterzufeiern. Allerdings trägt dieses Festival-Superwochenende auch dazu bei, dass insgesamt nicht so viele Besucher in Geiselwind sind, wie es das großartige Billing verdient hätte. In der 4000 Zuschauer fassenden Halle versammeln sich grob geschätzt an beiden Tagen zwischen zwei und drei Tausend Metalheads. Dies hat jedoch den Vorteil, dass man es trotz der enormen Hitze gut dort aushalten kann. Bei ausverkauftem Haus wäre dies wohl nicht der Fall gewesen, da die vorhandene Klimaanlage anscheinend nicht richtig funktioniert.
Die Eventhalle ist ein wirklich beeindruckender Bau, mit einer sehr hochwertigen Ausstattung, in der man von überall einen unverbauten Blick auf die riesige Bühne hat. Vorgeschaltet befinden sich der Biergarten im Freien, der bei dem Kaiserwetter natürlich sehr gut besucht wird. Dort findet Samstagnacht auch die Aftershowparty statt. Gleich hinter dem Eingang gelangt man in eine weitere große Halle, die den riesigen Metal Market beherbergt. Die knappe Zeit zwischen den Bands verbringe ich fast komplett hier, denn Metal Merchants wie Helle (Underground Power Records), Bernie (Metalizer Records) oder Andi (Battlecry Records) haben nicht nur den wirklich heißen Scheiß im Sortiment, sondern sind einfach die nettesten Kerle, mit denen man sich stundenlang über Gott, die Welt und natürlich Metal unterhalten kann. Letzteres gilt auch für die Dutzenden lieben Menschen, denen man vor allem im KIT-Kontext immer wieder begegnet. Das viel zitierte Familientreffen findet hier wirklich statt und macht dieses Wochenende ganz besonders…
…was natürlich auch für das Billing gilt, denn dieses liest sich wie ein „Who is who“ des US-Metal. Wäre der ursprünglich geplante Samstagsheadliner QUEENSRYCHE noch am Start gewesen, hätte das natürlich perfekt gepasst, aber auch so klingen Namen wie Crimson Glory, Jag Panzer, Armored Saint, Metal Church und Savatage wie Musik in den Ohren eines jeden Genreliebhabers. Und dass Saxon ein adäquater Ersatz sind und immer zu hundert Prozent abliefern, ist auch klar und schmälert das einmalige Gesamterlebnis in keiner Weise. Darüber hinaus gibt es nämlich noch eine bunte Mischung aus jungen und etwas älteren Undergroundcombos, die das Lineup komplettieren und eine Menge Spaß machen. Wer genau was geboten hat, erfahrt Ihr in unserem ausführlichen Festivalreport von unserem Redakteur Alex Fähnrich.

 

TAG 1:

Der Samstag beginnt um 14 Uhr mit HUNGER. Die polnische Band hat dabei die undankbare Aufgabe, ein Festival zu eröffnen, bei dem viele Besucher noch mit Anreise, Zeltaufbau und erster Flüssigkeitsversorgung beschäftigt sind. Davon lässt sich die Truppe allerdings wenig beeindrucken. Vielmehr präsentiert man klassischen Heavy Metal mit ordentlich Spielfreude und sorgt bereits am frühen Nachmittag dafür, dass die ersten Köpfe bangen. Mit Songs wie ‚The Writ‘, ‚Masquerade‘ und ‚Midnight Warrior‘ und einem ordentlichen Sound, wissen die Youngster die perfekten Rahmenbedingungen gut zu nutzen. Als besondere Überraschung gibt es zudem eine Version von Judas Priests ‚Ram It Down‘.

Weiter geht`s mit den ebenfalls aus Polen stammenden AQUILLA, die mit ihrem traditionellen Heavy Metal hervorragend in das KIT-Universum passen, aber optisch alles andere als bieder wirken. So werden reichlich Leder, Patronengurte, Sonnenbrillen, bunte Tücher und sogar Cowboyhüte aufgetragen. Die Band spielt sich mit viel Bewegung durch ihr Set und erntet dafür zunehmend wohlwollende Reaktionen aus dem Publikum. Genau das unterscheidet u.a. das KIT-Klientel von anderen Festivalbesuchern: Die Leute feiern auch die kleinen Bands gnadenlos ab. Zum Dank gibt es mit ‚Robot Man‘ am Ende noch eine Verbeugung vor den Scorpions.
Anschließend übernehmen SINTAGE aus Leipzig. Wer nach Aquilla denkt, dass das Energielevel jetzt erst einmal sinkt, hat die Rechnung ohne die Ostdeutschen gemacht. Mit ‚Ramming Speed‘ geht es direkt mit Vollgas los. Sänger Randy, in seinen knappen Lemmy-Gedächtnis-Jeansshorts, nutzt die große Bühne komplett, während die Gitarristen eher wild bangend auf ihren Positionen verharren. Songs wie ‚Prisoned By The Dark‘, ‚Blood Upon The Stage‘, ‚Street Law‘ und ‚Cutting The Stars“‘ treffen ziemlich genau das, was das KIT-Publikum hören will: geradlinigen, melodischen und kraftvollen Heavy Metal, ohne unnötigen Schnickschnack. Spätestens beim Rausschmeißer ‚One With The Wind‘ ist klar, dass Sintage ihren Job mehr als ordentlich erledigen.

Mit RIOT CITY betritt danach die erste wirklich namhafte Band die Bühne des Eventzentrums. Im KIT-Circus sind die Kanadier bekannt wie bunte Hunde und treten entsprechend selbstsicher auf. Vor allem Frontmann Jordan Jacobs hat die Menge von Beginn an gut im Griff und beeindruckt einmal mehr durch seine tierische Sirene, an der sich allerdings teilweise ein wenig die Geister scheiden. Der Mann ist fraglos talentiert, aber übertreibt es zuweilen ein wenig in den Höhen. Songs wie ‚Livin‘ Fast‘, ‚Burn The Night‘, ‚Tyrant‘, ‚Eye Of The Jaguar‘ und ‚Halloween At Midnight‘ sorgen trotzdem für reichlich Bewegung vor der Bühne. Dazu kommt ein Drumsolo bei „Burn The Night“, bevor mit „Severed Ties“ und „In The Dark“ endgültig die letzten Reserven mobilisiert werden.

Dem Auftritt von LEATHER NUNN haben nicht wenige Festivalbesucher entgegengefiebert. Die Band aus Jacksonville, Florida, war bereits in den goldenen Achtzigern aktiv und brachte 1986 mit „Take The Night“ lediglich ein Studioalbum heraus. Genau dieses Album entwickelt sich über die Jahre zu einer begehrten US-Metal-Rarität. Die exklusive Europa-Reunion in Geiselwind ist deshalb ein echtes Geschenk für alle Underground-Fanatiker. Mit Sänger Wade Williams und Gitarrist Jerry Brewer stehen immerhin zwei Musiker auf der Bühne, die bereits an „Take The Night“ beteiligt waren. Das Set konzentriert sich entsprechend stark auf das Material des Kultalbums: ‚Fool’s Way Out“, der Übersong ‚Leather Nunn‘, ‚Take The Night‘ und ‚You’re The One‘ eröffnen den Reigen, bevor mit ‚Keep The Dream Alive‘ und ‚Driving Me Wild‘ weitere Raritäten ausgepackt werden. ‚Take Me Back‘, ‚Ride Forever‘ und ‚Mental Asylum‘ bilden schließlich den Abschluss. Bis auf die halbnackte Nonnentänzerin gibt es keine übertriebene Show, stattdessen ehrlichen US-Metal und eine Band, die sichtlich Spaß daran hat, diese längst vergangene Ära noch einmal aufleben zu lassen. Genau solche Momente machen das „Keep It True“ aus…

…und ein weiterer soll folgen: JAG PANZER gehört zu den Bands, deren Name im Zusammenhang mit dem „Keep It True“ eigentlich keiner weiteren Erklärung bedarf. Mit Harry „The Tyrant“ Conklin am Mikrofon und dem Fokus auf das inzwischen vierzig Jahre alte Debüt „Ample Destruction“ wird hier eine weitere Zeitreise geboten. ‚Licensed To Kill‘, ‚Warfare‘, ‚Symphony Of Terror‘, ‚Harder Than Steel‘ und ‚Generally Hostile‘ werden vom Publikum textsicher begleitet. Conklin zeigt dabei, weshalb er auch Jahrzehnte später noch zu den markantesten Sängern der Metal-Szene gehört. Der zweite Fixstern im Jag Panzer-Universum ist Gitarrist und Bandgründer Mark Briody, der sichtlich Freude daran hat, seine Kultriffs in die Halle zu schmettern und massenweise Plektren in die vorderen Reihen zu werfen. Der Mann ist die Großzügigkeit in Person, was er einmal mehr unter Beweis stellt, indem er signierte „Ample Destruction“-Poster kostenlos an die Fans verteilt. Mit „Shadow Thief“ wird schließlich ein würdiger Schlusspunkt unter einen großartigen Auftritt gesetzt.

CRIMSON GLORY hatten bereits beim letzten KIT-RISING in Würzburg zu überzeugen gewusst. Allein der Name dieser Band löst bei Freunden des klassischen US-Power-Metal eine ganze Reihe von Emotionen aus. Die Mischung aus melodischem Metal, progressiven Elementen und der mystischen Atmosphäre, die Crimson Glory seit jeher umgibt, ist wie geschaffen für die Geiselwinder Bühne. Das Set bietet entsprechend reichlich Klassiker: ‚Valhalla‘, ‚Dragon Lady‘, ‚Lady Of Winter‘, ‚Where Dragons Rule‘, ‚Painted Skies‘, ‚Burning Bridges‘, ‚Masque Of The Red Death‘, ‚Azrael, ‚Lost Reflection‘ (inklusive Midnight-Reminiszenz), ‚Lonely‘ und ‚Red Sharks‘ stehen auf der Setlist. Leider fehlt einmal mehr mein Lieblingsstück ‚Heart Of Steel‘, aber man kann nun mal nicht alles haben. Neues Material vom aktuellen Album fand ebenfalls kaum statt, was auf Grund der Klassikerdichte und Festivalsituation absolut verständlich ist. Bei einer künftigen Headlinertour, mit mehr Spielzeit, wird sich das hoffentlich ändern. In dieser Form sind Crimson Glory jedenfalls eine Macht.

 

Als Samstagsheadliner war ursprünglich Queensryche geplant, was zum Who-is-who des USM auch perfekt gepasst hätte. So muss mit SAXON halt ein NWOBHM- und gleichsam KIT-Urgestein ran. Biff Byford und seine Mannschaft müssen also nicht lange um die Aufmerksamkeit des Publikums buhlen. Das Set spannt einen Bogen durch die lange Karriere der Briten: ‚Hell, Fire And Damnation‘, ‚Power And The Glory‘, ‚Dogs Of War‘, ‚Solid Ball Of Rock‘, ‚Sacrifice‘, ‚Madame Guillotine‘ und ‚Broken Heroes‘ sind ebenso vertreten wie „Motorcycle Man“, ‚The Eagle Has Landed‘, ‚Dallas 1 PM‘ und ‚Heavy Metal Thunder‘. Gerade im letzten Teil des Sets hat man das Gefühl, dass immer eine weitere Steigerung erfolgt, obwohl dies eigentlich unmöglich erscheint: ‚Strong Arm Of The Law‘, Wheels Of Steel‘ und schließlich der Zugabenteil mit ‚Crusader‘, ‚747‘ und Princess Of Night‘, bei dem es sogar zu einem Moshpit und Crowdsurfing kommt. In dieser Form sind die unverwüstlichen Briten einfach unschlagbar und schließen einen rundum gelungenen ersten Festivaltag perfekt ab.

 

TAG 2:

Nach einer viel zu kurzen Nacht lasse ich das Frühstück ausfallen und gehe gleich zum nahegelegenen Truckstopp, um mich mit einem deftigen Mittagessen für den bevorstehenden, langen Tag zu rüsten. Die Hitze scheint heute noch krasser als gestern zu sein, so dass ich mich mit zusätzlichem Wasser und einem Eis am Stiel von der Tanke umme Ecke ausrüste. In der Halle erwarten mich zunächst die üblichen Verdächtigen, mit Storys über ihre Japan-Reisen, Kämpfe mit Schwarzbären und gemeinsame Konzertschlachten aus der Vergangenheit (You know who you are!).

Pünktlich um 13:50 Uhr stehen die FRONT ROW WARRIORS auf der Bühne und stimmen das noch etwas spärliche Publikum auf die heutige Hitzeschlacht ein. Mit Richie Seibel (u.a. Them) und Stef Binnig (u.a. Septagon) sind zwei gute alte Bekannte am Start, die mit ihrer Tasten- bzw. Saitenkunst viel Qualität in den Sound des Sextetts einbringen. Dies gilt auch für Sängerin Elkie, die mit ihrer kraftvoll-melodischen Stimme und ihrem souveränen Stageacting zu überzeugen weiß. Mit ‚Cast A Spell‘, ‚Fantastic‘, ‚Running Out Of Time‘, ‚Wheel Of Fortune‘, ‚The Holy‘, ‚Don’t Think The Night Is Over‘, ‚Chasing Shadows‘ und ‚New Horizons‘ wird ein Set geboten, das sich stärker auf eingängige Melodien und große Refrains konzentriert. Stilistisch heben sich die Schwaben damit vom Rest des Billings ab und sorgen für eine willkommen Abwechslung.

Die Schweden von SACRED waren mir zuvor gänzlich unbekannt, was sich an diesem Tag schlagartig ändern soll. Zunächst fällt mir Bassist Robin Utbult auf, den ich schon mit Vicious Rumors live gesehen habe. Ein absoluter Profi also, der hier mit Freunden aus seiner Heimat gemeinsame Sache macht. Spätestens mit ‚Queen Of The Reich‘ von Queensryche überzeugen mich die Göteburger auf ganzer Linie, vor allem die beiden Gitarristen und Sänger Gustav Blide. Es gibt ja auch nicht allzu viele Vocalisten, die den jungen Geoff Tate imitieren können. Aber auch das eigene Material, wie z.B.  ‚Cast A Spell‘, ‚Fantastic‘, ‚Running Out Of Time‘, ‚Wheel Of Fortune‘, The Holy‘, ‚Don’t Think The Night Is Over‘, ‚Chasing Shadows‘ und ‚New Horizons‘ weiß absolut zu begeistern. Nach dem Auftritt habe ich mir folgerichtig das aktuelle Album „Fire To Ice“ umgehend besorgt.
Anschließend benötige ich leider dringend einen „dehydration break“, so dass ich die brasilianischen TRAVAO leider komplett verpasse.

Pünktlich zu SACRED STEEL, die kurzfristig für die ausgefallenen Void eingesprungen sind (die wiederum für Pentagram spielen sollten) bin ich dann wieder in der Halle. Die Schwaben gehören schließlich zu den deutschen Bands, die sich dem traditionellen Heavy Metal nicht nur verschrieben haben, sondern ihn mit einer gehörigen Portion Pathos und Aggressivität zelebrieren. ‚Metal Is War‘ ist dabei natürlich das passende Statement zum Auftakt. ‚The Sign Of The Skull‘, ‚Open Wide The Gate‘, ‚Battle Angel‘, ‚Wargods Of Metal‘, ‚Ritual Supremacy‘, „The Watcher Infernal“, ‚Sacred Bloody Steel‘ und ‚Heavy Metal To The End‘ machen aus dem Auftritt eine wahre Lehrstunde in Sachen deutscher True Metal. Durch das Programm führt einmal mehr ein unverwüstlicher und bestens aufgelegter Gerrit Mutz.

Was nun folgt, muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: 1. Metal Church, 2. Armored Saint, 3. Savatage. Wie soll man das überleben? Zudem bei dieser Höllenhitze?! Nun, Jag Panzer haben uns gestern nochmal bescheinigt, dass wir „harder than steel“ sind und das müssen wir nun unter Beweis stellen.

Kaum eine Band verkörpert den Spirit unserer Musik mehr als METAL CHURCH. Allein der Bandname: Die einzige Kirche, auf die sich wohl alle Anwesenden einigen können. Die Band um Mastermind Kurdt Vanderhoof präsentiert sich runderneuert und kann durch die neue Rhytmussektion, bestehend aus Ken Mary (Fifth Angel, Flotsam And Jetsam) am Schlagzeug und Dave Ellefson (ex-Megadeth) am Bass, mit Fug und Recht als Allstar-Truppe bezeichnet werden. Der wichtigste Neuzugang ist aber wohl Sänger Brian Allen (ex- Vicious Rumors), der es schafft, sowohl die Klassiker aus der David Wayne-, als auch (mit Abstrichen) die aus der Mike Howe-Ära, gut rüberzubringen. ‚Ton Of Bricks‘, ‚Start The Fire‘, ‚Fake Healer‘, ‚Gods Of Wrath‘, ‚Badlands‘ und ‚Watch The Children Pray‘ versetzen die Menge in Ekstase. ‚Dead To Rights‘, der Titeltrack des neuen Albums, fällt wenigstens nicht negativ aus der Reihe und das Double aus ‚Beyond The Black‘ und ‚Metal Church‘ ist ganz einfach der Inbegriff von Heavy Metal.

Können ARMORED SAINT das noch toppen? Wer die Saints schonmal live erlebet hat, weiß, dass dies nur eine rhetorische Frage sein kann, die definitiv mit Ja beantwortet wird. Es gibt einfach keine bessere Liveband: Zwei Gitarristen, die permanent in Bewegung sind und sich den Arsch abspielen; ein Drummer, der hinter seinem Kit zwar fast verschwindet, aber stets das Powerhouse im Hintergrund ist; ein Bassist, der unter Tourette zu leiden scheint, weil er jeden Ton der Musik mit dem ganzen Körper durchlebt und ein Sänger, der mit seiner Stimme und seiner total sympathischen Art die Herzen berührt. Den Rest erledigen Göttergaben wie ‚March Of The Saint‘, ‚End Of The Attention Span‘, ‚Human Vulture‘, ‚Last Train Home‘, ‚Win Hands Down‘, ‚Hit A Moonshot‘, ‚Creepy Feelings‘, ‚Aftermath‘, ‚Can U Deliver‘ und ‚Reign Of Fire‘. Der emotionale Höhepunkt ist dabei ‚Aftermath‘, bei dem John Bush plötzlich von der Bühne verschwindet und irgendwo mitten in der Halle auftaucht und „So let it be felt…“ intoniert. Wer hier keine Gänsehaut hat, der muss scheintot sein. Was für ein Triumphzug … und ein weiterer soll folgen:

Bereits den ganzen Tag sieht man hunderte von Leuten mit Sava-Shirts und die Besucherzahl erscheint deutlich höher als am Vortag. Dass die Band der eigentliche Wunschkandidat der Veranstalter ist, hat sich bereits im Vorfeld herumgesprochen. SAVATAGE sind lange Zeit einer der großen Namen, die dem „Keep It True“ noch fehlen. In Geiselwind wird dieser Wunsch endlich erfüllt. Leider ist Jon Oliva gesundheitsbedingt wieder nicht dabei und wird gleich durch zwei junge Keyboarder ersetzt. Allerdings gibt es einen Einspieler von Jon beim Video zu ‚Believe‘, wo er und sein verstorbener Bruder Criss auf die große Leinwand geholt werden. Manche finden das kitschig, andere ergreifend. Ich gehöre zu Letzteren. Die Setliste lässt kaum Wünsche offen, auch wenn einige Old-School-Fans natürlich den ein oder anderen Klassiker, wie z.B. ‚The Dungeons Are Calling‘ vermissen. Dafür gibt es reichlich anderen Stoff zum Abfeiern: ‚Morphine Child‘, ‚Dead Winter Dead‘, ‚Jesus Saves‘, ‚Lights Out‘, ‚Taunting Cobras‘, ‚Unusual‘, ‚Handful Of Rain‘ ‚Prelude To Madness‘ und „Warriors“, das von Chris Caffery astrein gesungen wird. Aber auch Zak Stevens macht seine Sache wirklich gut, obschon die hohen Screams bei ‚Sirens‘ oder ‚Power Of The Night‘ ein wenig spartanischer ausfallen. Dafür bringt er seine eigenen Bandclassics wie`Edge Of Thorns` oder Chance‘ perfekt rüber und spätestens ‚Gutter Ballet‘ und die Zugabe ‚Hall Of The Mountain King‘ sprengen alle Nackenmuskeln und Stimmbänder. Das ist einfach erste Sahne und ein absolut würdiger Headliner. Um kurz vor elf ist dann leider Schluss. Die Halle leert sich schnell und viele treten den Heimweg an, so auch ich.

EPILOG:

An diesem Wochenende haben wir live erlebt, wie aus Legionen Legenden werden. Das „KIT-Legions“ war ein absolut denkwürdiges Festival, das niemand jemals vergessen wird, die oder der dabei war. Für mich persönlich steht es in einer Reihe, mit Highlights wie dem Metal Hammer-Festival 1985, den Dynamo-Festivals in den Achtzigern und Neunzigern und den besten KIT-Festivals in Lauda-Königshofen und Würzburg. Ich hoffe sehr, dass es nicht bei diesem einen Mal bleibt und dass Oli Weinsheimer und sein Team irgendwann noch einmal diese wirklich coole Location in Geiselwind mit einem ähnlich starken Billing heimsuchen werden. Herzlichen Dank an alle, die dieses Event so besonders gemacht haben, allen voran den Bands, Metal Merchants, Besuchern und natürlich der KIT-Crew!

 

Text & Photo Credits: Alex Fähnrich

Titelbild: Sven Bernhardt