THE HALO EFFECT, PAIN – `Halos Over Europe 2025` Tour, Köln

THE HALO EFFECT – PAIN – BLOODRED HOURGLASS

18. Januar 2025

Essigfabrik, Köln

Viele Metalheads machen sich an diesem klirrend kalten Samstagabend im Januar 2025 auf nach Köln-Deutz, um in der Essigfabrik dem Gig der ersten Headliner-Tour der schwedischen Melodic Death Metaller THE HALO EFFECT beizuwohnen, die mit ihrem neuen Longplayer „March Of The Unheard“ im Gepäck anrücken. Und auch die Wahl von Peter Tägtgrens elektrometallischer Allzweckwaffe PAIN als Special Guest erweist sich als guter Griff der Tourplaner, ist doch der Abend bereits seit Wochen restlos ausverkauft.

BLOODRED HOURGLASS

Doch den Anfang in der zu noch recht früher Stunde bereits sehr gut gefüllten Halle macht zunächst das finnische Groove/Melodic Death Metal Sixpack BLOODRED HOURGLASS, die hier und heute mit ihrem doch ein wenig gleichförmigen Death Metal deutlich besser zur Geltung kommen als im Sommer 2023 im Vorprogramm von Nightwish.

Mit der Power von drei Gitarren, die allerdings ein wenig im nicht perfekten Sound verlorengehen, macht die Truppe durchaus Spaß und Betrieb auf der Bühne, drei, vier, fünf Mann bangen synchron um die Wette und spielen und solieren durch wuchtige Songs wie `Waves Of Black´ und `Nightmares Are Dreams Too´, was von den vielen früher Besuchern mit viel Applaus, Bewegung in der Masse und bereits dem ersten Circle Pit des Abends belohnt wird.

PAIN

Wer zu PAIN geht weiß, was er bekommt, denn Peter Tägtgren liefert seit den Neunzigern seinen ganz eigenen Sound ab, der Genregrenzen ignoriert, mal ballert und mal hochmelodisch daherkommt. Ja ich weiß, der Bandkopf ist vielleicht nicht der beste Sänger im Metalsektor aber Spaß hat bisher jede einzelne seiner Shows gemacht,  denn unwiderstehliche Tracks gibt es bei PAIN jede Menge. Zur Songqualität gesellten sich in Köln auch jede Menge Tägtgren Fans, die an diesem Abend ordentlich feiern wollten, also los.

Den Anfang des dreizehn Songs und über 60 Minuten umfassenden Sets machten `It’s Only Them`, `Don’t Wake the Dead` vom aktuellen “I Am“ Album sowie `Call Me`, bei dem der aktuelle Gitarrist Svalle, nach gewollter Unterbrechung, die Rolle des Sabaton Sängers Joakim, also dessen Gastvocals, übernimmt.  Souverän ist wohl das Wort, das den Gig  beschreibt, denn Tägtgren und seine Mannschaft wissen wie sie die Painheads in Wallung bekommen. Dazu gehört die gewohnte Optik, von der Zwangsjacke, über das beleuchtete Plexiglas Schlagzeug, die Schutzanzüge beim neuen, live wesentlich härteren Track `Go With The Flow`und natürlich der berühmt berüchtigte Bademantel, beim sofort zum Fanliebling avancierten Pandemiesong `Party In My Head`. Und PAIN schrecken auch vor  Plüschgitarre, Alienkostüm und Bällen im Publikum nicht zurück. Neben den optischen Gimmicks  gibt es aber auch die gewohnten High Quality Songs, quer durch die PAINsche Karriere. `Zombie Slam`, `Suicide Machine`, `Same Old Song`, `The Great Pretender`, `Have a Drink on Me` ( wie immer auf dem Hocker und mit Cowboyhut, zu dem Peter auch mal eine humorige Ansage macht:  “Do you guys like some blues? No? Then fuck you.“) Am Ende gibt es noch das neu in die Setliste gerutschte `Let Me Out` und, wie könnte es anders sein, `Shut Your Mouth`!

THE HALO EFFECT

Die Göteborger steigen mit dem Titelsong ihres aktuellen Zweitwerks, das sie nun in die Lage versetzt einen abendfüllenden Headliner-Gig zu spielen, in ihren etwa 70-minütigen Auftritt ein. Die Band präsentiert sich aufgeräumt, erwartungsfroh, spielfreudig und als eingespielte Einheit. Die ihnen momentan und auch an diesem Abend entgegenschwappende Welle aus Zuneigung, Begeisterung und Erfolg nehmen sie spür- und sichtbar mit einem Mix aus Ungläubigkeit, Verlegenheit und purer Freude auf.

Apropos aufgeräumt: vom ersten Moment an nützen die Musiker den Platz auf der doch sehr viel Raum bietenden, nur spartanisch und an den Seiten mit technischem Equipment belegten Bühne, insbesondere Mikael Stanne ist viel unterwegs und animiert die Anwesenden. Doch das wäre eigentlich gar nicht nötig, denn die Fans nehmen Tracks wie das grandiose Dreierpack `Detonate´, `Conditional´ und `Cruel Perception´ begeistert auf, gehen mit und stehen einfach nicht still.Der erste Stagediver muss beim vierten Song `The Needless End´ vom beinahe etwas überrascht wirkenden Sicherheitspersonal in Empfang genommen werden. Die Setliste beinhaltet neun Songs vom Debüt ”Days Of The Lost”, dessen Titeltrack den regulären Teil fulminant abschließt. Manchmal hört man Song/Single eines Albums und spürt sofort, dass das Teil etwas Besonderes ist und wünscht sich, es in der Livesituation zu erleben. `What We Become´ ist so ein Fall auf der aktuellen Platte und erweist sich folgerichtig als einer der Abräumer des Abends.

Während des Intros der Zugabe guckt Fronter Mikael sich vom Fotograben aus an, ob den seine Mannen auch alles richtig machen und nachdem die letzten Töne des hymnischen `Shadowminds´ dann verklungen sind, möchte noch niemand so recht nach Hause gehen und die Band wird minutenlang zu den Klängen des Outros und darüber hinaus abgefeiert.

 

Text Michael Gaspar, Sven Bernhardt

Photo Credits: Sven Bernhardt