KREATOR – Krushers Of The World Tour

KREATOR – CARCASS – EXODUS – NAILS

Grugahalle, Essen

04. April 2026

 

KREATOR  in der Gruga. Das war ein klassisches Heimspiel für KREATOR, die hier in den 80ern ihren Aufstieg in die Liga der Thrash-Titanen begannen. Und klar war die Warteschlange, schon lange vor Einlass verdammt lang. Zur Verstärkung hatten Mille und seine Band mit CARCASS und EXODUS noch zwei großen Namen und den Opening Act NAILS mitgebracht um das heimatliche Publikum aus den Socken zu hieven.

NAILS

Die Opener NAILS sind hungrig an diesem Abend und dreschen ihren von Hardcore, Thrash und Crust beeinflussten Sound in das zuvor weitgehend nichtsahnende Volk. Dabei machen NAILS keine halben Sachen, sprich Gitarrist und Shouter Todd Jones sowie seine beiden Mitstreiter geben mehr als nur ordentlich Gas und ziehen mit metzelnden Nackenbrechern wie `You Will Never Be One Of Us`, `Endless Resistance`, `Wide Open Wound` oder auch `Scum Will Rise` die Halle auf ihre Seite und liefern eine ziemlich beeindruckende und vor Energie strotzende erste halbe Stunde ab. Todds Frage, ob die Thrashfans denn bei der nächsten NAILS  Show wiederkämen, wird von vielen Kehlen mit einem eindeutigen „Ja“ beantwortet. Viel mehr kann man als Supportact nicht erreichen.

 

EXODUS

Die Thrash-Legenden EXODUS  gehen an diesem Abend nicht auf Nummer sicher. Denn in ihrem nur acht Songs umfassenden Set (warum sind die Bay Area Veteranen eigentlich vor CARCASS an der Reihe?) bringen sie gleich vier Songs von ihrem neuen und ungewohnt melodischen Album “Goliath“ unter, dessen Cover auch das riesige Backdrop dominiert.   So startet die Bay Area Crew nach dem “We Will Rock You“ Intro gleich mit `3111`, bevor sie direkt `Bonded By Blood` nachlegt. Im Zentrum der Show ist der zurückgekehrte Fronter Rob Dukes, der hier offenbar seinen Traum lebt und sich  über jede Reaktion der Fans freut.

`Deathamphetamine“ heizt die Stimmung weiter an und sowohl Circle Pits und Wall of Death kommen zu ihrem Recht, auch wenn einige Old School Menschen sich mit den Songs der „neuen“ EXODUS etwas schwer tun. Der Titelsong des neuen Albums kommt sinister aus den Speakern und Rob Dukes animiert das Publikum. Erstaunlicherweise funktioniert sogar der „Ejo!“ Mitsingpart, wie einst bei Queen.  Natürlich erteilen EXODUS  der Gruga, noch ihre `A Lesson in Violence, und rufen zum anschließenden `Toxic Waltz`. Das Gary Holt mit einem`Reign In Blood `Auszug einleitet. Bemerkenswert übrigens, mit wieviel Power Schlagzeuger Tom Hunting, die ganze Zeit auf die Felle drischt, hat er doch vor gar nicht langer Zeit erst seine Krebs OP überstanden.

Mit der Übernummer `Strike Of The Beast` beenden EXODUS  den Auftritt, den sie sicher als Erfolg für sich verbuchen können, auch wenn er zum Teil zumindest ungewöhnlich war.

 

CARCASS

Nun erklimmt das englische Grindcore-Groovemonster CARCASS die inzwischen gut gefüllte Grugahalle. Optisch eher mal locker und fluffig gekleidet, gehen die musikalischen Chirurgen um Frontman Jeff Walker und Gitarrist Bill Steer auch gleich in die Vollen mit `Unfit for Human Consumption`. Der Sound ist okay, aber da wäre noch ne ganze Menge Luft nach oben gewesen. Stand man z.B. links vorne, konnte man den Gitarristen auf der rechten Seite nur erahnen, schade. Aber überzeugen konnten die vier Liverpooler trotzdem.  Zudem haben sie auch einige blutige Hits im Gepäck gehabt, wie unter anderem `No Love Lost`, `Genital Grinder` vom Erstlingswerk und dem Überflieger direkt aus der Pathologie, `Corporal Jigsore Quandary`.  Die Bühne wurde natürlich nicht verlassen ohne ihn hier zu spielen… `Heartwork`. Diesen Song, der getrost als einen der besten Songs im Heavy Metal Universum bezeichnet werden kann. Abgeliefert!

 

KREATOR

Der Iron Maiden Überhit `Run to the Hills` läutet es ein, das Heimspiel für KREATOR.  Aber bevor die 4 Mannen die Bühne entern, gibt es noch ein Intro mit Videoleinwand. Und zwar den Antikriegsklassiker „Eve of Destruction“ von Barry McGuire. Die Grugahalle singt mit, voller Vorfreude auf das was da noch kommt. Aber ein kleines Intro sind wir noch entfernt, bevor der Vorhang fällt und KREATOR auf gigantischer Bühne mit `Seven Serpents`, vom neuen Album, loslegen. Das Bühnenbild ist atemberaubend, der Sound klasse und das Lichtspiel excellent. Munter ging es unter Volldampf mit `Hail to the Hordes`, `Enemy of God` und `Satanic Anarchy` weiter. Die proppevolle Grugahalle rastete richtig aus. Das da oben waren ihre Jungs, die gleiche Band die viele Fans und Wegbegleiter schon in ganz jungen Jahren in viel kleineren Hallen und Clubs sah. Eine Band die hautnah mit ihnen alt wurde. Die Atmosphäre in der Grugahalle war klasse, überall entspannte und glückliche Gesichter. Das „Sergio Corbucci Is Dead“ Intro läutete die nächste Thrash Attacke mit `Hate über Alles`, `People of the Lie` und dem Nackenbrecher `Betrayer` vom „Extreme Aggression“ Album.

 

Jetzt war es Zeit für die neue Mitgröhlnummer `Krushers of the World`, auch hier wurde frenetisch mitgesungen äh gegröhlt. Gefolgt von `Hordes of Chaos` und `Satan Is Real`. Bei dem düsteren Stampfer `Loyal to the Grave`, kommt Mille mit schwarzen Flügeln auf die Bühne und spielt zudem keine Gitarre. Das „Mars Mantra“ Intro läutet den Titeltrack `Phantom Antichrist` ein, gedankt wird es mit einem mächtigen Circlepit. Als nächstes folgt ein Song zum Kultfilm “Suspira“ von Dario Argento mit dem Titel `Tränenpalast`. Zur Unterstützung kommt Sängerin Britta Görtz auf die Bühne, welche ja auch im Videoclip zum Song schon zu sehen und hören war. Klasse! Für Oldschool KREATOR Fans (wie mich), gab es bis jetzt nicht viel zu holen, aber es ist Licht am Ende des Tunnels… Mille kündigt `Endless Pain` an. Diesmal singt es nicht der Ventor, sondern Mille selbst, aber okay. Blöd nur dass der Song schon in der Mitte endet, um in `666-World Divided` überzugehen. Nun ja, Arschkarte, haha. Das „The Patriarch“ Intro läutet den obligatorischen Doppelpack aus `Violent Revolution` und dem alles vernichtenden `Pleasure to Kill` ein.  Nochmals rastet die Halle komplett aus, als wäre es das letzte mal. Bleibt noch zu erwähnen, dass eine KREATOR Show schon an selige KISS Shows erinnert, was Feuer, Papierschlangen und aufgeblasene Riesenfiguren angeht. Ganz großes Kino! Ein mehr als würdiges Heimspiel ist vorbei und viele tausende Fans sind überglücklich dabei gewesen zu sein.

Text: Sven Bernhardt, Holger Bals

Photo Credits: Sven Bernhardt